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25. 05. 2012
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Stadt freut sich über Millionen teures Kunstgeschenk


31.03.2011 06:49 von:

Schlagwörter: Köln,Prof. Irene Ludwig,Schenkung,Dauerleihgabe,Testament,König,Quander,Roters,M

(ehu) "Eine Schenkung ohne Wenn und Aber", freut sich Kasper König, Direktor des Museums Ludwig. "Ein exzeptionelle Geschenk" nennt es Kulturdezernent Georg Quander. "Ein Spiegel der langjährigen Freundschaft" ist es für Dagmar Täube, kommissarische Leiterin des Museums Schnütgen. "Ich bin sehr glücklich", beschreibt OB Jürgen Roters seine Gefühle. So viel vereinter eitel Sonnenschein herrschte in Kölns Kulturszene schon lange nicht mehr. Doch das hatte seinen guten Grund: Die Kunstsammlerin Irene Ludwig hat der Stadt 528 Kunstwerke geschenkt. Geschätzter Wert: 250 bis 300 Millionen Euro.

Fast alle waren sie schon als Dauerleihgabe in den beiden Museen zuhause. Jetzt aber sind sie Eigentum der Stadt. Die geht damit auch die Verpflichtung ein, die Kunstschätze zu hegen, zu pflegen und sie wissenschaftlich zu betreuen. Verkaufen jedenfalls ist nicht, wie man es erst kürzlich zum Beispiel in Bonn, Krefeld oder Hamburg überlegt hat. Denn die einzige Bedingung in dem per Hand geschriebene Testament lautet, dass die Bilder immer in den jeweiligen Sammlungen bleiben müssen. So fasst es Isabel Pfeiffer-Poensgen zusammen, Kuratoriumsvorsitzende der "Peter und Irene Ludwig"-Stiftung, die das Erbe des Sammler-Ehepaares verwaltet. Roters versprach dann auch, dass die erforderlichen Gelder bereitgestellt werden.

Russlands Avantgardisten sind Objekte eines umfassenden Forschungsprojekts

Im Museum Ludwig muss jetzt bei 473 Werken das Wort "Dauerleihgabe" gegen "Schenkung" ausgetauscht werden. Dabei handelt es sich um Arbeiten der russischen und sowjetischen Avantgarde, entstanden im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts, darunter 130 Gemälde, Skulpturen und Objekte, 153 Grafiken und Fotos von 84 Künstlern und Künstlerinnen wie Kasimir Malewitsch, Alexander Rodtschenko oder Natalja Gontscharowa. Derzeit werden sie in einem lang angelegten Projekt wissenschaftlich erforscht. Das Museum besitzt jetzt eine der bedeutendsten Sammlungen dieser Kunstepoche außerhalb Russland.

Ihren Status gewechselt haben auch 26 Bilder von Paul Klee, Kurt Schwitters, Jasper Johns oder Robert Rauschenberg, die seit der Ausstellung "Von Matisse bis Morimura" im Jahr 2000 im Museum verblieben waren. Schließlich erhält das Haus acht Bilder und eine Grafik als Dauerleihgabe, mit denen Irene Ludwig bis zu ihrem Tod im November des Vorjahres in ihrer Aachener Villa gelebt hat. Darunter sind Werke von August Macke, Jackson Pollock, Lyonel Feininger und ein Bild von Karl Hofer, dass sie von ihren Eltern geerbt hat.

Dauerleihgaben für die Museen werden jetzt zum Eigentum der Stadt Köln

Ebenfalls nun Eigentum der Stadt sind 20 Dauerleihgaben im Museum Schnütgen. Dazu gehören auch sechs Glasbilder des Klosters Altenberg aus den Jahren 1505-1520, die zur Zeit im neuen Foyer ausgestellt werden. Außerdem ein über 1000 Jahre altes ottonisches Reliquienkästchen aus Niedersachsen und eine "Memento mori"-Figur aus Elfenbein. Diese zeigt ein kleines Skelett in einem Ebenholz-Sarg.

Die Verbindung der Ludwigs zur Stadt Köln geht auf die 1960er Jahre zurück. Auch das Rautenstrauch-Joest-Museum und das Museum für Ostasiatische Kunst wurde von ihnen beschenkt. 1994 und 2001 folgten große Picasso-Konvolute. Aus Dank wurde Peter Ludwig 1975 zum Ehrenbürger ernannt (er starb 1996), Irene Ludwig als erste und bisher einzige Frau 1994.

Das Verhältnis zwischen Stadt und den Ludwigs war nicht immer ungestört

Zwar betonten am Mittwoch alle Vertreter der Stadt die lange Verbundenheit und das gute Verhältnis zueinander. Trotzdem verlief nicht immer alles reibungslos. So verkauften die Ludwigs Anfang der 80er Jahre eine Sammlung mittelalterlicher Handschriften, die gerade im Schnütgen-Museum wissenschaftlich bearbeitet wurden. Man brauchte Geld für die Aachener Schokoladenfabrik ("Trumpf"), neuer Besitzer wurde das Getty-Museum in Los Angeles. Nicht alle waren auch begeistert, als Peter Ludwig für seine Leihgaben den Bau eines neuen Museums – eben des heutigen Museums Ludwig – verlangte. Und auch der Neubau des Wallraf-Richartz-Museums ist der Tatsache zu verdanken, dass man nach der Picasso-Schenkung – verbunden mit der Auflage einer ständigen Präsentation – neue Räume brauchte.

Ironie der Geschichte: Mit der räumlichen Trennung von alter und neuer Kunst ging genau das verloren, was Irene Ludwig in den 60er Jahren im damaligen Wallraf-Richartz-Museum an An der Rechtsschule (heute Museum für Angewandte Kunst) so gut gefallen hatte und ihre Liebe zu Köln begründete. Nämlich die Kunst vom Mittelalter bis zur Jetztzeit im Dialog unter einem Dach.







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