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25. 05. 2012
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Stadtarchiv-Chefin zieht zum Jahresende Bilanz


28.12.2010 18:59 von:

Schlagwörter: Köln,Archiv,Restaurator,Archivar,Schmidt-Czaia,Restaurierung,Quander,Stadtgedäch

(js) Auf diese Ehre könnte die Direktorin des eingestürzten Kölner Stadtarchivs sicher gerne verzichten: Im Ausland gilt Dr. Bettina Schmidt-Czaia inzwischen als Expertin für Katastrophen-Management. Am heutigen Dienstag legte sie eine Jahresbilanz der bisher geleisteten Bergungs- und Erfassungsarbeiten vor. Zugleich versprach sie, die Kölner im nächsten Jahr regelmäßig in einer Dauerausstellung über die Fortschritte der Restaurierungsarbeiten zu informieren. Auch die rund 350 Nachlassgeber und Depositare sollen kontinuierlich weiter vom aktuellen Stand der Dinge erfahren.

Nachdem zur Zeit nur ein digitaler Lesesaal in den neuen Archiv-Verwaltungsräumen am Heumarkt zur Verfügung steht, soll Ende 2011 ein weiterer Lesesaal in Porz eröffnet werden. Dort können dann auch schon wieder die ersten geretteten und restaurierten Originale angesehen erden. Dieser Lesesaal ist Teil des vor zwei Wochen eröffneten Restaurierungs- und Digitalisierungszentrums, für dessen Inbetriebnahme aber noch zahlreiche Spezialgeräte angeschafft werden müssen. Zur Jahresmitte 2011 soll dort dann auch die Restaurierung mit eigenen Fachkräften beginnen. Zur Zeit findet diese in einer "Außenstelle" in Sachsen statt, die im Rahmen eines Kooperationsvertrages mit dem Sächsischen Staatsarchiv in Wermsdorf aufgebaut wurde.

Restauratoren und Archivare fehlen

Sorge bereitet Schmidt-Czaia allerdings der Mangel an Fachkräften, benötigt werden vor allem Restauratoren und Facharchivare. "Der Markt ist leergefegt", stellte sie fest. Angesichts der auf zwei Jahre befristete Arbeitsverträge scheint Köln als Arbeitgeber auch nicht sonderlich attraktiv zu sein, selbst wenn mit einer Verlängerung zu rechnen ist. Denn die Restaurierungsarbeiten werden wohl erst in 30 bis 50 Jahren abgeschlossen sein, so die Prognosen. Vor dem Einsturz beschäftigte das Archiv 35 Menschen, inzwischen sind es 60. Im nächsten Jahr sollen 103 weitere Stellen besetzt werden, vorwiegend mit Restauratoren. Lassen sich Papier- oder Pergamentdokumente – wenn oft auch mit beträchtlichem Aufwand – weitgehend wiederherstellen, sind Filme, Tonbänder, Fotos oder Dias wohl endgültig verloren.

Bislang wurden 255.000 Bergungseinheiten erfasst, das heißt bezüglich Inhalt, Material und Zustand beschrieben. Eine Bergungseinheit kann ebenso gut eine zusammenhängende Akte wie ein einzelner Papierfetzen sein, mit schwarzem Humor aus "Kölnflocke" genannt. Sind ihre Daten in einen Computer eingegeben, erhofft man sich dadurch erste Erkenntnisse über die Zuordnung der Archivalie. Bislang wurden so 14 Prozent des ehemaligen Bestandes erfasst, im nächsten Jahr sollen noch einmal 11 dazu kommen. In fünf Jahren, so hofft man, ist dieser Schritt der Bestandsaufnahme beendet.

Dokumente überraschend gut erhalten

Die Bergungsarbeiten an der Einsturzstelle am Waidmarkt ruhen zur Zeit. Einmal aus Witterungsgründen, zum anderen um den Mitarbeitern, die im Zwei-Schicht-Dienst arbeiten, wenigstens zwischen den Feiertagen etwas freie Zeit zu geben. Anfang Januar werden Taucher die Unglücksstelle untersuchen, um mögliche Unfallursachen und weitere Bergungsarbeiten vorzubereiten. In diesem Jahr wurden insgesamt 219 Gitterboxen voll Archivalien geborgen. Das entspricht rund 1090 laufenden Regalkilometern – vor dem Einsturz füllte der bestand rund 30 Regalkilometer. Auch wenn die jüngst geborgenen Dokumente seit nun rund 20 Monaten im Wasser lagen, "haben sie sich tapfer geschlagen", sagte Schmidt-Czaia. Sie freue sich über den "teilweise relativ guten Zustand".

Nachdem der Rat im November die Ausschreibung für den Architektenwettbewerb beschlossen hat, soll er noch in diesen Wochen europaweit ausgeschrieben werden, erklärte Kulturdezernent Georg Quander. Im Juni 2011 wird dann eine Jury entscheiden. 2015 soll das neue Stadtarchiv am Eifelwall dann bezogen werden können. Der Förderverein "Freunde des Historischen Archivs" konnte bislang 75.000 Euro für die Restaurierung bestimmter Objekte sammeln. Die "Stiftung Stadtgedächtnis" verwaltet ein Stiftungskapital von rund 4,2 Millionen Euro, gezahlt von Stadt, Land, der deutschen Kulturstiftung sowie der evangelischen und katholischen Kirche. Außerdem verfügt sie über inzwischen 3,2 Millionen Euro Spendengelder.







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