25. 05. 2012
Seite drucken
Steigende Besucherzahlen im NS-Dokumentationszentrum
(js) "Wir sind das einzige Museum in Köln, das Besucher abweisen muss", zog Hausherr Werner Jung am Dienstag eine zweischneidige Erfolgsbilanz für das Jahr 2009. Danach stieg die Zahl der Besucher im NS-Dokumentationszentrum gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent auf 48.916. Das spricht für das Interesse vor allem der Jugendlichen für Dauer- und Sonderausstellungen. Dass aber dauernd auch Gruppen abgewiesen werden müssen, zeigt nicht nur die begrenzte Kapazität des Hauses, das nicht mehr als zehn Besuchergruppen gleichzeitig verkraftet. Gelöst werden könnte dies durch zwei Stunden mehr Öffnungszeit, so Jung.
Das aber ist nicht möglich, da gerade erst der städtische Zuschuss um pauschal 12,5 Prozent gekürzt wurde. "Wenn wir wenigstens den gleichen Betrag wie bisher für den Wachdienst bekämen, wäre uns schon geholfen", rechnete bei der Bilanzkonferenz am Dienstag vor. Dann könnte man schon eine Stunde früher, um 9 Uhr, und eine Stunde später, um 17 Uhr, schließen. "Das wäre auch im Schulrhythmus passender", ist er überzeugt. Was ihn dabei sowohl erfreut als auch irritiert: "Die Hälfte der Klassen kommt von außerhalb. Andererseits haben manche Kölner Schulen unser Museum noch nie besucht."
Zur gestiegenen Attraktivität haben im letzten Jahr zum einen mehrere Baumaßnahmen beigetragen. So konnte das Foyer um zwei Gruppenräumen vergrößert werden. In der 2. Etage entstand ein weiterer Mehrzweckraum. Auch die Gedenkstätte im Keller konnte zum Beispiel um die ehemaligen Aufenthaltsräume der Gestapo erweitert werden. Außerdem wurde der Mietvertrag für den Innenhof und die noch von einer Galerie genutzten Räume unterschrieben werden. Spätestens 2014 kann dann der Innenhof, die ehemalige Hinrichtungsstätte, zu einer würdigen Gedenkstätte umgebaut werden. Noch dient er als Parkplatz und Abstellraum für Mülltonnen. Mehr Platz hätte dann auch die Bibliothek.
Umgestaltet wurden auch Teile der seit 1997 fast unveränderten Dauerausstellung. So wird jetzt etwa im Bereich "Jugend unterm Hakenkreuz" durch die neue Gegenüberstellung von bunter Organisationsvielfalt in der Zeit vor 1933 und der gleichgeschalteten Hitlerjugend nach 1933 der Unterschied von Freiheit und Zwang deutlich. Zudem wurden 31 Medienstationen integriert, in denen sich u.a. 12 Stunden Zeitzeugengespräche, historisches Filmmaterial und Fotos abrufen lassen. Neben der Dauerausstellung präsentierte das Zentrum 6 Sonderausstellungen und 122 Veranstaltungen, deren Ergebnisse in die Dauerausstellung einflossen. Zu den weiteren Erfolgsnachrichten gehört u.a. das im Sommer eingeweihte Denkmal für die Opfer der NS-Militärjustiz.
Zufrieden zeigte sich Jung mit der Eingliederung in den Museumspädagogischen Dienst. Dies habe sein Sekretariat von der Besucherorganisation entlastet. Sorgen bereitet ihm die personelle Ausstattung. So gibt es derzeit nur eine halbe Dokumentaristen-Stelle. Dabei warten 300 Nachlässe auf ihre wissenschaftliche Auswertung und Registrierung. Auch die Fortführung des bundesweit einmaligen Besuchsprogramms für ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sieht er durch Sparmaßnahmen in Gefahr. Er forderte ein "würdiges Ende" etwa im Jahr 2014, dann sei es 25 Jahre lang gelaufen. Zumindest bei den Mitgliedern des Kulturausschusses fand er am Dienstag mit seinen Wünschen Verständnis, das NS-Dokumentationszentrum als Gedenkstätte, Lern- und Forschungsort auszubauen.

























