25. 05. 2012
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Trotz knapper Kassen: Stipendien für fünf junge Künstler
(ehu) "Als ich hörte, dass ich das Stipendium bekomme, habe ich ganz laut geschrien", erzählt Evamaria Schaller. "Ich hoffe nur, dass der gute Bote am anderen Ende der Leitung keinen Tinnitus bekommen hat." Vor einer Woche erst hat sie ihr Diplom an der Kölner Hochschule für Medien (KHM) gemacht. Das Chargesheimer-Stipendium für Medienkunst wird ihr jetzt durch das nächste Jahr helfen. Und das ist auch der Sinn: "Es soll Scharnier zwischen Ausbildung und Karriere sein", so Kölns Kulturdezernent Prof. Georg Quander, als er am heutigen Montag die fünf diesjährigen Förderstipendiaten vorstellte.
Vier städtische und ein privates Stipendien – jeweils mit 10.000 Euro datiert – gilt es jedes Jahr zu vergeben. Das älteste ist nach Rolf-Dieter Brinkmann benannt und wird an einen jungen Schriftsteller verliehen. In der Namensliste ab 1971 stehen unter anderem Jens Hagen, Norbert Hummelt, Marie T. Martin und Marcel Beyer. Der aktuelle Stipendiat ist Pyotr Magnus Nedov. Der 29-jährige wurde in der moldawischen Hauptstadt Chischinau geboren und lebt in Hürth.
Rolf-Dieter Brinkmann-Stipendium für Literatur
Die Jury sieht ihn in einer Reihe mit Daniil Charms und Jaroslav Hasek in der "großen, tragikomischen Erzähltradition Osteuropas". Sie lobt seinen "klaren Blick für Figuren und eine hohe Sensibilität für Bilder und Vorgänge". Außerdem studiert er an der Kölner Kunsthochschule für Medien im Studienfach Film. Seine Kurzgeschichten sind bislang nur in Anthologien erschienen, außerdem eine Abhandlung über einen Film zur franko-kanadischen Unabhängigkeitsbewegung. "Ich hoffe, jetzt meinen ersten Roman zuende schrieben zu können", blickt er in die Zukunft.
Horst-und-Gretl-Will-Stipendium für Jazz und Improvisierte Musik.
Jüngstes (seit 1998) und einziges privates Stipendium ist das Horst-und-Gretl-Will-Stipendium für Jazz und Improvisierte Musik. Zu seinen bisherigen Gewinnern zählen Frank Sackenheim, Jürgen Friedrich und Florian Ross. Beim aktuellen Stipendiaten, dem Pianisten und Komponisten Benjamin Schaefer (31), gefallen der Jury "Überblick und stilistisches Feingefühl", der "souveräner kompositorischer Umgang mit Zeit und Stil" und "experimentell erarbeitete, ausgeprägt originelle Klangvorstellungen." Schließlich noch, dass ihm beim Spielen mit Kollegen "das Stück als Ganzes" wichtiger sei als "selbstdarstellerische Entfaltungen".
Friedrich-Vordemberge-Stipendium für Kunst
Bildende Künstler wie der 28 Jahre alte Aachener Marcel Hiller können sich seit 1976 über das Friedrich-Vordemberge-Stipendium für Kunst freuen. Zu einen Vorgängern gehören Jürgen Klauke, Karel Rösel und Theo Lambertin. Seine Rauminstallationen lobt die Jury so: "Stets ringt er dem Raum neue Perspektiven ab, verbindet psychologische, raumplanerische und künstlerische Ebenen und tritt dadurch in einen vielschichtigen Dialog mit dem Vorgefundenen, das er einen Gesamtentwurf verwebt." Außerdem überzeuge er – insbesondere bei Koproduktionen – durch die Reflexion der eigenen künstlerischen Arbeit.
Chargesheimer-Stipendium für Medienkunst
Seit 1979 wird das Chargesheimer-Stipendium für Medienkunst verliehen, in diesem Jahr an Evamaria Schaller (30). Sie beschäftigt sich mit Fotografie, Filmgeschichte, Super 8 und Video. In ihren "Event-Räumen" beschreitet sie neue Wege und lädt den Betrachter ein, "sich eigene Gedanken zu machen über das, was er sieht, darüber was gespielt, was Gedanke ist und was rein biologisch bedingt", heißt es in der Laudatio. In ihren aktuellen Arbeiten setze sie sich mit der Frage auseinander, "inwiefern neue Geschlechterrollen – vor allem die Weibliche – in Verbindung zu setzen sind mit dem menschlichen Streben in einer sich ständig ändernden Welt". Zu Schallers Stipendiums-Vorgängern zählen Angie Hiesl, Boris Becker und Ulrike Rosenbach.
Bernd-Alois-Zimmermann Stipendium für Musik
"Die originelle originelle Synthese zwischen östlicher und westlicher Musikkultur, die Metamorphosen von Melodien, aus denen ein eigenartiges west-östliches Flair entsteht, das zwischen den Kulturen schwebt" überzeugte bei Yasuraki Inamori. Der 32-jährige Japaner erhält das Bernd-Alois-Zimmermann Stipendium für Musik. Auch der "feine, häufig sogar verborgene Humor, der von zarten Andeutungen auch bis zur derben Clownerie reicht", gefiel. Vor Inamori erhielten u.a. Manos Tsangaris, Brigitta Muntendorf und Carola Bauckholt seit 1992 dieses Stipendium.
Es gibt nicht nur Geld, sondern auch eine Ausstellung oder ein Konzert
Voller Stolz wies Kulturdezernent Quander bei der Bekanntgabe der Stipendiatin darauf hin, dass Köln "trotz der schwierigen Haushaltslage die Stipendien beibehält". Die Preise werden "offizielle" im Laufe des Jahres überreicht – jeweils in Verbindung mit einer Ausstellung bzw. einem Konzert.
Seit dem vorigen Jahr werden die Stipendien nicht mehr nur für in Köln ansässige Künstler ausgeschrieben sondern in ganz Nordrhein-Westfalen. Mit Nedov und Hiller sind erstmals zwei Nicht-Kölner dabei. Insgesamt gab es in diesem Jahr 157 Bewerbungen von etwa gleichviel Männern wie Frauen. Die meisten für Bildende Kunst (62), die wenigsten mit gerade einmal zehn für das Horst-und-Gretl-Will-Stipendium.

























