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25. 05. 2012
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25 Jahre Stunksitzung im Buch


11.12.2009 07:20 von:

Schlagwörter: Köln,Stunksitzung,Karneval,Festkomitee,BAP,Pachl,Kollekt,Insider

(js) Vor 25 Jahren traten sie an, den Karneval zu revolutionieren. Nun gut, sie formulierten es anders, wollten Karneval einfach anders feiern, als es bis dahin in Sitzungen und auf der Straße üblich war. Sie eroberten die Bühne und das Publikum: Mit Akrobatik, Kabarett und überraschenden Theater-Einfällen erweiterte das Ensemble der "Stunksitzung" nicht nur das gänge Repertoire von Büttenreden und Musik, es nahm auch sich selbst, den Karneval und seine Fans auf die Schippe. Inzwischen ist sie selber fester Bestandteil des Karnevalsgeschäfts geworden und Vorbild für ähnliche, mehr oder weniger erfolgreiche "alternative" Projekte nicht nur in Köln. Zeit für eine kritisch-solidarische Würdigung. Die liegt jetzt zum Jubiläum vor.

"Karneval instandbesetzt?" heißt das reich illustrierte Buch, das von der EditionKulturidee herausgegeben wird. Zahlreiche Autoren schrieben Beiträge oder standen für Interviews bereit, um ihre Sicht auf Karneval und die Rolle der "Stunksitzung" darin wiederzugeben. Das reicht von Michael Euler-Schmidt (Kölnisches Stadtmuseum) und Anja Katzmarcik (Kölner Stadt-Anzeiger) über Kabarettist Heinrich Pachl bis Wolfgang Niedecken (BAP) und Christoph Kuckelkorn (Festkomitee Kölner Karneval) – denn der offiziell-organisierte und der "alternative" Karneval betrachten sich schon lange nicht mehr als Feinde. In den Beiträgen geht es um das Kölsche im Karneval und den Mythos Köln, um die interne Demokratie (das Stunker-Ensemble als letztes demokratisches Kollektiv mit sozialem Anspruch, in dem solange diskutiert wird, bis keiner mehr dagegen ist – was den Spaltpilz nicht ausschließt), um die politischen Inhalte der Stunksitzung und natürlich um ihre Entwicklung von einem wilden Studentenhaufen zu einem Wirtschaftsunternehmen, das – um konkurrenzfähig zu bleiben – auch "outsourct".

Besonders erwähnenswert ist der Beitrag des Stadt-Anzeiger-Redakteurs Helmut Frangenberg. Er beleuchtet das gesamte aktuelle Karnevalsgeschehen als konsumiertes Event, dem die Tradition und damit auch jeder Mit- und Selbstmachimpuls abhanden zu kommen droht. Ein Trend, dem sich selbst die Stunksitzung als "geschlossene Gesellschaft", zu der auch ihr fester Publikumsstamm gehört, nicht völlig entziehen kann. Aufschlussreich sind die Insider-Beiträge etwa von "Stunksitzungs"-Text-Lieferanten wie Moritz Netenjakob oder Ruth Schiffer oder vom zeitweiligen Sitzungspräsidenten Reiner Rübhausen. Etwas mehr ironische Selbst-Hinterfragung hätte hier allerdings gut getan. Und vielleicht hätte auch ein Stunk-Gegner zu Wort kommen können, denn auch die gibt es (noch).

Trotzdem: "Karneval instandbesetzt?" ist ein rundum gelungenes Buch über ein Karnevalsphänomen, das in seiner Wirkung auf den Kölner Karneval vielleicht erst dann richtig zu würdigen ist, wenn es nicht mehr existiert. Bleibt der Stunksitzung noch ein langes Leben zu wünschen (und bald eine junge Konkurrenz).

"Karneval instandbesetzt? 25 Jahre Stunksitzung – eine kritische Hommage" – Georg Bungarten, Nadja Fernandes, Manfred Linke, Petra Metzger (Hrsg.), EditionKulturidee, Köln 2009, 192 Seiten, viele Fotos, 29,80 Euro.







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