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25. 05. 2012
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Alles andere als immun gegen Faschismus


01.11.2009 21:09 von:

Schlagwörter: Köln,Horst Matzerath,NS-Zeit,Faschismus,NSDAP,Hitler,Edelweißpiraten,Greven,Verl

(js) Nach 1945 wollte es mal wieder keiner gewesen sein. Überall bastelten die Deutschen an ihren Legenden und stilisierten sich zu Opfern der Nazi-Diktatur. In Köln berief man sich – Konrad Adenauer ging mit "gutem Beispiel" voran – noch viele Jahrzehnte lang auf den angeborenen Katholizismus, der gegen den Faschismus immun gemacht habe. Gleichzeitig verleugnete man Widerstandskämpfer wie die Edelweißpiraten. Dass alles ganz anders war, konnte wissen, wer die Arbeit des NS-Dokumentationszentrums verfolgte. Vor allem dessem ersten und langjährigen Leiter (bis 2002) Horst Matzerath war es ein Anliegen, seinen Mitbürgerinnen und Mitbürgern die Augen zu öffnen. Darüber, wie sie nicht nur mit den Wölfen heulten, sondern selber oft genug zu Wölfen wurden. Und darüber, dass es auch Widerstand gab. Das Ergebnis seiner jahrelangen Forschungs- und Quellenarbeit liegt jetzt als Buch mit dem Titel "Köln in der Zeit des Nationalsozialismus 1933-1945" vor.

Matzeraths Fazit: Köln war eine Stadt wie jede andere. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung hatte sich mit den Nazis arrangiert, sei es aus Überzeugung oder aus Opportunismus, Widerstand war die große Ausnahme. Seine heute überraschenden Erkenntnisse liegen eher in bislang unbekannten Details. So etwa die Tatsache, dass die Kölner NSDAP vor 1933 wegen ihres radikalen, "taktisch unklugen" Vorgehens wiederholt von der Münchener Zentrale zurückgepfiffen wurde. Auch die Legende, dass Hitler Köln und seine Einwohner nicht leiden konnte, rückt der Historiker zurecht, denn der schwärmte im Gegenteil vom "größten Empfang seines Lebens", der ihm 1938 in der Domstadt bereitet worden war. Überfällig ist die Erinnerung daran, dass es Kommunisten waren, die den entschiedensten Widerstand wagten und die meisten Opfer zu verzeichnen hatte. Dass diese Tatsache so schnell vergessen wurde, ist eine Folge des Anti-Kommunismus, der in der jungen Bundesrepublik Konjunktur hatte. Nicht gerne erinnert werden dürften die Kölner auch daran, dass in ihrer Stadt schon kurz nach der "Machtergreifung" jüdische Mitbürger aus öffentlichen Ämtern entfernt wurden oder ihnen das Studium an der damals städtischen Universität verboten wurde.

Es ist ein umfassendes und umfangreiches Zeitporträt, das detailreich die wichtigsten Facetten des politischen, wirtschaftlichen, kirchlichen, sportlichen, sozialen und kulturellen Lebens zwischen 1933 und 1945 aufgreift und auch die Auswirkungen des totalitären Systems auf den städtischen Alltag in Frieden und Krieg beschreibt. Weitere Stichworte sind unter anderem Rassismus und die Verfolgung von Minderheiten wie Homosexuellen sowie die Themen Stadtplanung oder Karneval. Die Schilderung individueller Opfer-Schicksale macht die Geschichte auf bedrückende Weise lebendig. Um Entwicklung und Ereignisse zu verstehen, fehlen auch die Jahre vor 1933 nicht. So war Köln schon bald nach 1919 Zentrum eines radikalen Antisemitismus, wenngleich dieser noch keine große politische Bedeutung hatte. Das alles – und das ist keine Selbstverständlichkeit – so sachlich und verständlich geschrieben, dass es sich lesen lässt und trotzdem wissenschaftlich fundiert ist. Ein Standardwerk, das für die nächsten Jahrzehnte Gültigkeit haben wird.

"Köln in der Zeit des Nationalsozialismus" erscheint mit 4.000 Exemplaren im Rahmen der auf 13 Bände angelegten "Geschichte der Stadt Köln", die von der Historischen Gesellschaft Köln finanziert und vom Greven-Verlag betreut wird. Bislang erschienen sind Band 1 ("Köln in römischer Zeit") und Band 8 ("Köln von der französischen zur preußischen Herrschaft (1794-1815)". Die Nachfrage danach, so der Verlag, sei nicht auf Köln beschränkt, sondern weltweit.

Horst Matzerath: "Köln in der Zeit des Nationalsozialismus 1933-1945 – Geschichte der Stadt Köln", Band 12, Vorwort von Prof. Dr. Werner Eck – Greven-Verlag, Köln 2009, 680 Seiten, 60 Euro







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