25. 05. 2012
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Als Köln noch reich und mächtig war
(js) Zehn Jahre lang arbeiteten Werner Schäfke, Ex-Direktor des Stadtmuseums, Marcus Trier (kommissarischer Direktor der Römisch-Germanischen Museums) und ihr Team am aufwändigen Auswahl-Katalog zum Mittelalter-Bestand des Kölnischen Stadtmuseums. Doch so viel Zeit musste am Ende sein: Auch jüngste Kölner Ausgrabungsergebnisse fanden noch Eingang in das jetzt erschienene Buch. So ein Läusekamm aus Knochen, gefunden bei den U-Bahn-Bauarbeiten in einer Kammmacher-Werkstatt aus dem 12. Jahrhundert, oder eine Schießscharte in der Stadtmauer am Chlodwigplatz. Die beiden Herausgeber verstehen ihr Werk als "Leistungsschau des Mittelalters", jener Zeit, als Köln die größte, bedeutendste und reichste Stadt nördlich der Alpen war.
Anders als die schon bestehenden rund zwei Dutzend Bestandskataloge ist dieser nicht nach Objekten – etwa Keramik, Waffen oder Gemälde – gegliedert, sondern nach Themen wie Handel, Freizeit, Frömmigkeit, Essen und Trinken, Hygiene, Juden oder Erzbischof heißen die Kapitelüberschriften. Unter ihnen werden dann die Exponate vorgestellt, die etwas dazu erzählen. Zusammen entsteht so ein Bild über den Alltag im Mittelalter. "Rat und Rathaus" sowie "Stadtverteidigung" dürfen dabei nicht fehlen. Schließlich war Köln als Bürgerstadt Vorbild für andere Städte und Kölns Wehrhaftigkeit, deren Finanzierung seine Bürger regelmäßig stöhnen ließ. Es war aber auch eine Garantie dafür, dass die Stadt nie von fremden Mächten erobert wurde. Erst als Napoleon kam, ergaben sich die Kölner freiwillig – aber das war ja schon nicht mehr im Mittelalter.
Bei ihren Forschungsarbeiten stießen die Experten immer wieder auf neue Erkenntnisse. "Ausgezogen" wurde etwas das hölzerne Pferd, das die Museumsbesucher nur mit einem eisernen "Rossharnisch" bekleidet kennen. Untersuchungen ergaben, dass es tatsächlich aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts stammt. Es ist damit, so freut sich Schäfke, Ex-Direktor des Stadtmuseums, wohl das älteste seiner Art in einem deutschen Museum. Gründlich unter die Lupe wurde auch der Nachlass des Hermann von Goch. Der Verwalter fürstlicher Güter wurde 1398 in Köln hingerichtet, man warf ihm die Unterstützung der kurz zuvor von den Gaffeln entmachteten Patrizier vor. Lederetuis, Essgeschirr, Siegel, Geldbeutel – jetzt weiß man, was tatsächlich zu seinem Erbe gehörte und was tatsächlich erst später entstand. Auch bei den Materialbeschreibung konnten Korrekturen vorgenommen werden.
Eine Geschichte aus dem religiösen Leben erzählt der Holzgriff eines Messers, der bei den Ausgrabungen für das Parkhaus unter dem Heumarkt gefunden wurde. Er zeigt St. Christophorus mit dem Jesuskind auf seinen Schultern und wird ins Jahr 1104 datiert. Es zeigt, wie die kirchengeschichtlich relativ junge Heiligenlegende Eingang in den weltlichen Alltag gefunden hat. Bislang waren vor allem Abbildungen in und an Kirchen bekannt. Doch nicht alles muss "wissenschaftlich" neu sein, für den Betrachter sind viele Objekte auch deshalb neu, weil sie bislang noch nie ausgestellt wurden. So macht das opulentes Buch Spaß zu lesen und gucken. Und es sollte nicht das letzte sein – denn viele der weit über 300.000 "Wissensspeicher" im Museumsdepot warten noch auf ihre Entdeckung durch Wissenschaftler und Besucher.
Werner Schäfke, Marcus Trier (ed): "Mittelalter in Köln – Eine Auswahl aus den Beständen des Kölnischen Stadtmuseums" – Emons Verlag, Köln 2010, 416 Seiten, gebunden, 49,90 Euro

























