25. 05. 2012
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Buch erinnert an den Architekten Hans-Heinz Lüttgen
(ehu) Wer vor 80, 90 Jahren in der Reihe "Neue Werkkunst" vorgestellt wurde, galt etwas. Doch musste der Druck durch Anzeigen finanziert werden. Beim Kölner Architekten Hans-Heinz Lüttgen scheint das nicht geklappt zu haben. Jedenfalls existiert von dem über ihn geplanten Buch nur ein Musterexemplar. Jetzt erst – 34 Jahre nach Lüttgens Tod – wurde es Realität, in einer erweiterten Faksimile-Ausgabe und einer Auflage von gerade einmal 111 Exemplaren.
Lüttgen kam in den frühen 1920er Jahren nach Köln, "eine der schillerndsten Persönlichkeiten" der damaligen Architekturszene nennt ihn der Architekturhistoriker Wolfram Hagspiel, der den Begleittext zu der "Neuauflage" des Werkkunst-Bandes geschrieben hat. Er verkehrte mit den prominenten Künstlern Kölns, ließ sich zum Beispiel von August Sander fotografieren. Heinrich Hoerle etwa stellte ihm Bilder für die Ausstellung "Raum und Wandbild" zur Verfügung, in der Lüttgen seine Möbel präsentierte.
Wer sich amüsieren ging, tat das bei den Blatzheims – und in einem Gebäude von Lüttgen
Um 1930 wurde Lüttgen zum Hausarchitekten des Kölner Unterhaltungsimperiums der Gebrüder Blatzheim. Er baute ihnen – heute stehen dort die Sartoris-Saalbauten – das "Groß-Köln", in Rodenkirchen die "Rheinterrassen", neben dem Dischhaus das Tanzlokal "Charlotte", das Kabarett "Kaiserhof" in der Salomonsgasse, dazu noch ein Café und ein Varieté.
Den Krieg überdauert haben das Geschäftshaus "Prinzenhof" (fertiggestellt 1938) am Rudolfplatz und die Naumannsiedlung in Riehl, an der er mitwirkte und die gerade von der GAG restauriert wird. "Beste Avantgarde-Architektur" – so wieder Hagspiel –, von Bauhaus-Ästhetik geprägt. 1939 emigrierte der Architekt in die Schweiz, später nach Brasilien und die USA, er starb 1976 in New York. Da war er schon lange nicht mehr als Architekt tätig, sondern hatte sich als Maler einen Namen gemacht.
In Wuppertal werden Lüttgens Häuser gehegt und gepflegt – in Köln ist er eher unbekannt
In Wuppertal hatte Lüttgen in den 1920er Jahren drei Villen gebaut, die bis heute offiziell gepflegt werden. Das man sich auch in Köln wieder mehr an ihn erinnert, dazu soll das jetzt vorgelegte Buch beitragen. Seine Existenz ist einem Zufall zu verdanken. Zwar wurde der Werkkunst-Band 1932 angekündigt, doch tauchte nirgends ein Exemplar auf. Bis Dr. Werner Schäfke, der ehemalige Direktor des Kölnischen Stadtmuseums, in einem Antiquariat den "Dummy" fand. Die Fotos darin stammen unter anderem von den Architekturfotografen Werner Mantz oder Hugo Schmölz – auch dies ein Beweis für die Anerkennung, die Lüttgens Arbeit damals genoss.
"Hans Heinz Lüttgen" – herausgegeben von Werner Schäfke, Faksimile in einem der Reihe "Neue Werkkunst" nachempfundenen Einband, ergänzt um einen Text von Wolfram Hagspiel, ein Werkverzeichnis sowie zusätzliche Fotos, 111 nummerierte Exemplare, 56 Seiten, 55 Euro, erhältlich unter anderem im Kölnischen Stadtmuseum

























