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25. 05. 2012
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Den mittelalterlichen Künstler ins rechte Licht gerückt


20.12.2009 15:32 von:

Schlagwörter: Köln,Legner,Mittelalter,artifex,Greven,Beuys,Gotik

(js) So bescheiden waren die Künstler, dass sie auf die Signaturen ihrer Werke verzichteten. Nicht mehr als fromme Handwerker wollten sie sein. So die bis jetzt gültige Lehrmeinung über das anonyme Kunstschaffen im "finsteren" Mittelalter. Alles falsch, sagt Anton Legner, langjähriger Direktor des Kölner Museums Schnütgen. Mangelnde Dokumentation, vielleicht eine gezielte Propaganda der Kirche, aber auch die Dichter der Romantik macht er für das Bild des mittelalterlichen Künstlers verantwortlich, der allein für Gottes Ruhm und nicht den eigenen arbeitete. In dem opulenten Prachtband "Der artifex" gibt er vielen Malern, Illustratoren, Baumeistern, Bronzegießern, Goldschmieden und Steinmetzen ihre Geschichte wieder und betreibt so eine späte Wiedergutmachung.

Die Schwierigkeit, die Künstler namentlich zu identifizieren, rührt unter anderem daher, dass diese ihre Werke tatsächlich oft nicht signierten. Stattdessen setzten sie oft ein Selbstporträt ins Bild. Illustratoren etwa liebten es, ihr Bild ins Schwänzchen des großen "Q" zu quetschen, ein Buchstabe der in lateinischen Texten oft als kunstvoll ausgeschmücktes Initial am Anfang steht. Legner interpretiert dies als Sicherung des Heils. Nicht selten stellte sich der Kunstschaffende – nichts anderes bedeutet das lateinische Wort artifex – auch als Teil des dargestellten frommen Geschehens dar: Ein Bekenntnis ihrer Frömmigkeit, in der sich die Künstler in der Nachkommenschaft der Heiligen sehen – bis hin zu Jesus. Als bekanntestes Beispiel hierfür verweist Legner auf ein Selbstbild Dürers und verlängert diese Reihe bis zu Künstlern der Moderne wie Chagall oder Beuys.

Legner spannt den Bogen von der Romanik über Gotik bis zur Renaissance, bislang für die Kunstgeschichte die Zeit, in der sich der Künstler erstmals selbstbewusst in der Öffentlichkeit präsentierte und vermarktete. Der Mittelalter-Experte zeigt an vielen Beispielen, dass auch schon davor Künstler über Märkte zogen und Eigenwerbung betrieben. In 21 Kapiteln werden verschiedene Aspekte der mittelalterlichen Kunst beleuchtet, so die Ausbildung, Witz und Komik, Umgang mit dem Tod oder der Umgang zwischen Künstler und Auftraggeber. Angesichts dieser Thementiefe dürfte ist dieses Buch, nicht zuletzt wegen der umfangreichen Quellenstudien, für die nächsten Jahrzehnte ein Standardwerk werden.

Bei der Komplexität des Themas überrascht der verständliche Stil. Allerdings muss sich der Leser auf mittelalterliches Deutsch einlassen, das besser zu verstehen ist als gedacht. Lateinische Texte sind sofort im Anschluss übersetzt. Lediglich der Preis von 128 Euro mag abschrecken – doch wissenschaftliche Qualität auf der einen Seite und die sorgfältige Gestaltung des Buches bis hin zum (selten gewordenen) Schuber rechtfertigen diese Ausgabe allemal.

Anton Legner: "Der artifex – Künstler im Mittelalter und ihre Selbstdarstellung. Eine illustrierte Anthologie" – Greven Verlag, Köln 2009, 758 Seiten mit 943 farbigen Abbildungen, Leinen mit Schutzumschlag und Schmuckschuber, 128 Euro







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