25. 05. 2012
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Die Magie des Banalen
Köln 1946: Trümmer bestimmen das Stadtbild. In den Gesichtern der Menschen spiegelt sich skeptischer Optimismus, das Leben muss weitergehen. Und es geht nicht nur weiter, sondern aufwärts: Hohe Straße und Schildergasse werden zu glitzernden Einkaufsmeilen, die Menschen drängen zu dem, was heute Shopping heißt. Auf den Straßen künden sich die ersten Autostaus an. Aber es gibt auch die ersten kleinen Risse in der wohlgefälligen Selbstzufriedenheit: Oswalt Kolle klärt auf, wie ein Kind entsteht, und heiße Höschen geben unerhörte Einblicke frei.
Der Fotograf Heinz Held (1918-1990) hat diese Zeit zwischen 1946 und den frühen 1970er Jahren in über 30.000 Aufnahmen festgehalten. Vor seinem Tod vermachte er sie dem Museum Ludwig. Aus diesem Bestand haben jetzt Werner Schäfke, ehemaliger Direktor des Kölnischen Stadtmuseums, und Joachim Born, Mitarbeiter und Freund des Fotografen, 200 beeindruckende Fotos ausgesucht und unter dem Titel „Heinz Held: Köln in Wirtschaftswunderzeiten“ als Buch veröffentlicht.
Hinz Held drückte genau im richtigen Moment auf den Auslöser seiner Kamera
Da ist zum einen der Blick auf die Stadt aus Stein und ihre Verkehrswege. Auf den stimmungsvollen, atmosphärischen Schwarzweißfotos lässt sich der langsame Aufbau ablesen. Dem Dom ist in dem Fotoband ein eigenes Kapitel gewidmet. Und hier wird die besondere Qualität des Fotografen Held sichtbar: In interessiert nicht nur die Architektur, sondern auch die Menschen.
Er hat, so formuliert es Schäfke, „den Blick des Straßenfotografen für den entscheidenden Augenblick“. Held drückt genau im richtigen Moment auf den Auslöser, und der Betrachter seiner Bilder überlegt: Was ist da passiert – und wie wird es weitergehen? Etwa bei dem verliebten Pärchen, dass nur Augen für sich und nicht für den Rosenmontagszug hat. Die Nonne, die mit drei Mädchen Ball spielt: Heute wissen wir, es muss keine Idylle gewesen sein.
Die Schwarzweißaufnahmen wecken Erinnerungen an eine aufregende Zeit
Was ist aus den langhaarigen Hippies – oder doch „Gammler“? – geworden, die unter dem Römerbogen vor dem Dom sitzen und rauchen. Und die „Gastarbeiter“-Frauen mit Kopftuch: Leben sie noch in Köln oder sind sie doch wieder in ihre Heimat zurückgekehrt?
Es sind auf den ersten Blick banale Alltagsszenen. Doch bei dem, der diese Zeit miterlebt hat, rufen Helds Fotos Erinnerungen an ein aufregendes Kapitel Stadtgeschichte wach. Für die Nachgeborenen ein Anreiz, in diese Zeit einzutauchen – und sie vielleicht mit dem Heute zu vergleichen.
„Heinz Held: Köln in Wirtschaftswunderzeiten“ – herausgegeben von Werner Schäfke, Emons Verlag, Köln 2011, 312 Seiten, 49 Seiten

























