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25. 05. 2012
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Ein Prachtband zeigt 408 Fotos von August Sander, auf denen er die Schönheit der Stadt vor der Zerstörung durch den Krieg festhielt.


29.10.2009 16:50 von:

Schlagwörter: Köln,Sander,August,emons verlag,Schäfke,Stadtmuseum,Rheinisches Bildarchiv

(js) "Och wat wor dat fröher schön doch en Colonia", dichtete einst Willi Ostermann. Zwar meinte er das eher atmosphärisch in Sachen Liebe, aber auch architektonisch und städtebaulich hatte Köln vor 1945 einiges zu bieten: enge Gässchen, reich verzierte Häuser im Stil der Gründerzeit, sprudelnde Brunnen, freien Blick auf die romanischen Kirchen, kaum Autos auf den Straßen, dafür Straßenbahnen in der Innenstadt, sogar Pferdefuhrwerke, und Schleppkähne auf dem Rhein. Ach ja – auch richtige Winter mit Schnee gab es damals noch, und der "feurige Elias" dampfte durch die Straßen. Ein dicker Prachtband mit Fotos von August Sander lässt diese Zeit jetzt wieder lebendig werden.

August Sander (1876-1964) ist durch seinen Bildatlas "Menschen des 20. Jahrhunderts" vor allem als Porträtfotograf bekannt. Dass er auch leidenschaftlich Landschaften fotografierte, ist erst in den letzten Jahren durch zahlreiche Ausstellungen einer breiteren Öffentlichkeit bewusst geworden. Abgesehen von einem zehnjährigen Aufenthalt in Linz/Donau arbeitete er vor allem in der rheinischen Region. 1920 begann er mit seiner Kölner "Bestandsaufnahme", die er 1939, von den Nazis scharf beobachtet, beenden musste. "Vielleicht ahnte er den herannahenden Krieg und die zerstörerischen Folgen für Köln", vermutet Werner Schäfke, Ex-Direktor des Kölnischen Stadtmuseums, in dessen Besitz sich die 16 Mappenwerke mit 408 Fotos befinden. Sander hatte sie 1953 dorthin verkauft – für den aus heutiger Sicht lächerlichen Betrag von 25.000 Mark. Lange unterschätzte man den künstlerischen Wert des Konvoluts, tat es als bloße "dokumentarische" Fotos ab. Erst über 30 Jahre später Jahren kam es zu einer Veröffentlichung, die den Bildern aber durch ihre Verkleinerung nicht gerecht wurde.

Jetzt also "August Sander – Köln wie es war". Stolze vier Kilo schwer, mit seinem Seitenformat von fast 32 x 35 Zentimeter zeigt es die Fotos in dem Format (meist etwa 23 x 24), in dem sie auch Sander abgezogen hat. Hinzu kommt um jedes Bild eine schwarze Tintenlinie. Es ist eine Meisterleistung, die da von den Mitarbeitern des Rheinischen Bildarchivs vollbracht wurde – hier werden die Negative, in diesem Fall Glasplatten, aufbewahrt, die alten Positive werden vom Stadtmuseum betreut. Beim erneuten Abziehen per Hand bemühte man sich, den Schwarzweiß-Originalen vor allem in den Farbwerten möglichst nahe zu kommen. Dabei zeigte sich, dass – lässt man einmal grundsätzliche Überlegungen außer Acht, in wieweit Fotos objektive Abbilder der Realität sind – die Fotos Köln nicht unbedingt zeigen, wie es "wirklich" war. Denn Sander hat seine Fotos gründlich bearbeitet. Er "erfand" Wolken, hellte auf den Negativen mit einer Lasurfarbe dunkle Flächen auf und schreckte auch nicht vor dem Wegretuschieren von Schornsteinen zurück, wie Michael Alberts, Leiter des Fotolabors, weiß.

Doch das sind Petitessen. Die nunmehr werkgetreue Edition – auch Reihenfolge und Beschriftung der Fotos wurden überprüft – zeigt nun Sanders klare Bildsprache, seine oft kühnen Blicke, die alles andere als "nur" dokumentarisch, sondern voller Atmosphäre sind. Sie lässt die Dramaturgie des Fotografen nachvollziehen, mit der er die 16 Mappen zusammenstellte – und in die er zum Beispiel zwischen die "historischen" Brückenbilder eines der durch Bomben zerstörten Hohenzollernbrücke (fotografiert 1946) "hineinschmuggelt". Dem Emons-Verlag ist zu danken, der das verlegerische Risiko trägt.

"August Sander – Köln wie es war" – Emons-Verlag, Köln 2009, 448 Seiten, Subskriptionspreis 68 Euro, ab 1. Februar 2010: 78 Euro







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