25. 05. 2012
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Hilfe gegen Männermangel und Verkehrsunfälle
(js) Angeblich gab es im Mittelalter neben den Sonntagen mindestens rund 50 arbeitsfreie Feiertage meist einem Heiligen oder einer Heiligen gewidmet. Unterm Strich hat sich damit für uns an der Gesamtzahl der Arbeitstage im Jahr nicht viel geändert – den arbeitsfreien Samstagen sei Dank. Die Heiligen dagegen haben ausgedient. Lediglich St. Martin und St. Nikolaus spielen heute noch eine Rolle, wenn auch für die Erwachsenen nur nach Feierabend – wenn sie nicht etwa als laternenbauende Erzieherin in einem Kindergarten damit zu tun haben. Wie die Mittler zwischen Gott und den Katholiken früher das Leben im Rheinland prägten, nicht zuletzt durch "Bauernregeln" fürs Wetter, beschreibt das Buch "Heilige Helfer – Rheinische Heiligenfeste durch das Jahr" von Alois Döring.
71 Namen mit Attributen und "Zuständigkeiten" listet der Brauchtumsforscher auf, geordnet nach ihren Namenstagen vom 1. Januar (Maria) bis 31.Dezember (Silvester). Dem Lebenslauf und der Schilderung geleisteter Wunder folgen die Volksbräuche, die mit ihnen verbunden sind. Oder waren. So schneidet kaum noch einer am 4. Dezember, dem Tag der Märtyrerin Barbara, einen Barbarazweig und auch als geschenkebringende Vorbotin des heiligen Nikolaus hat sie inzwischen ausgedient. Selten geworden ist auch eine Plakette im Auto, die den Schutz durch Christophorus (24. Juli) sichern soll. Immerhin: Seit 2006 finden wieder regelmäßig Fahrzeugsegnungen in Düsseldorf-Stoffeln statt, und in Goch wurde 2008 die erste Wallfahrt für Wohnmobilfahrer ausgerichtet. Der Heilige Jakob brauchte nicht der Unterstützung von Wallfahrer Hape Kerkeling, um bekannt zu werden, im Rheinland war er schon immer "in": Zahlreiche Jahrmärkte finden an seinem Namenstag (25. Juli) statt, und die Neusser Schützen schießen am "Jacobitag" ihren König aus. Zu den "gängigen" Heiligen dürfte Johannes der Täufer gehören, dem zu Ehren am 24. Juni Johannisfeuer angezündet werden, oder Valentin als Schutzheiliger der Verliebten und Verlobten, populär vor allem dank der Erfindung des Valentinstages (14. Februar) durch geschäftstüchtige Floristen. Und natürlich Martin und Nikolaus.
Döring wendet seinen Blick auch auf das Brauchtum rund um eher regionale Heilige. Wer kennt außerhalb von Würselen – in der Nähe liegt er begraben – St. Salmanus? Vorbei die Zeiten, als die Würselner Schützen ihm zu Ehren einmal jährlich zur Kirche paradierten oder Pilger aus einer Quelle neben dem "Salmanuskreuz" heilbringendes Wasser schöpften. Heute erinnert nur noch eine Kirmes an ihn. Auch nach Siegburg zum Grab von Anno, im 11. Jahrhundert Erzbischof von Köln und nach seinem Tod Wundertäter, pilgert heute keiner mehr. Und dass das Wasser aus dem Orannabrunnen (die Königstochter Oranna wurde durch ein Wunder von ihrer Schwerhörigkeit geheilt und lebte als Einsiedlerin im saarländischen Berus) nicht nur gegen Ohrenleiden und Kopfschmerzen, sondern auch gegen Männermangel hilft, ist sicher (noch) ein Geheimtipp.
"Heilige Helfer" ist die Ergänzung zu Dörings "Rheinische Bräuche durch das Jahr": Alles andere als ein nostalgisches Nachschlagewerk, sondern lebendige Heimatkunde, quellen- und faktenreich und trotz viel Wissenschaft leicht zu lesen.
Alois Döring: "Heilige Helfer – Rheinische Heiligenfeste durch das Jahr" – Greven Verlag, Köln 2009, 264 Seiten, reich illustriert, Leinen mit Schutzumschlag, 19,90 Euro

























