25. 05. 2012
Seite drucken
Kaum zu glauben: Im Rheinland gibt es über 60 Brauereien
(ehu) Detlef Ricks Lieblingsgetränk ist Bier. Es muss kein Kölsch sein, auch wenn er Kölner ist. Er trinkt auch gerne Alt, Weißbier oder Pils. "Hauptsache, es ist gut gebraut", sagt er. Und davon gibt es entlang des Rheins viele. Von Koblenz bis zur niederländischen Grenze, im Bergischen und bis nach Aachen hin – und natürlich in und um Köln und Düsseldorf. Rick muss es wissen. Denn er hat in diesem Gebiet 63 Brauereien besucht und darüber jetzt einen "Ausflugsführer zu den Stätten rheinischer Bierkultur" im emons Verlag veröffentlicht.
"Bier ist Geschmacksache", ist seine Überzeugung. Und so fehlen in dem Buch auch persönliche Urteile. Bestenfalls beschreibt er sie, die dazu nötigen Fachausdrücke hat er gelernt: Bei der einjährigen Recherche kam der "Appetit", er wollte mehr wissen und ließ sich zum Bier-Sommelier ausbilden. Wohl aber finden sich bei jeder Brauerei die dort produzierten Biere aufgelistet.
Gulaschbräu und Pink Panther: Exotische Namen laden zum Entdeckungskosten ein
Bei Bock, Weihnachtsbier oder Dunkel mag der Bierkenner wissen oder zumindest ahnen, was man ihm serviert. Aber was verbirgt sich im Düsseldorfer Brauhaus "Alter Bahnhof" hinter Gulaschbräu? Was ist im Aachener "Brauhaus AC" Bahkauv-Bier und was in der Kölner "Braustelle" ein Pink Panther? Und was ist ein "Bierchen", wie es die Privatbrauerei Bolten in Korschenbroich anbietet. Rick jedenfalls ist von der rheinischen Biervielfalt "überwältigt".
Angegeben wird immer auch Alkoholgehalt und Stammwürze – so weit die Brauereien diese Daten herausgegeben haben. Einige wollten es aus Angst vor der Konkurrenz nicht, vor allem die kleinen hatten oft keine Analysen. Überraschend ist die Vielfalt der Klein- und Kleinstbrauereien. Sie füllen die Lücken, die Konzentration und Brauereischließungen in den letzten Jahrzehnten gerissen haben. Die kleinste dürfte wohl das knapp zwei Jahre alte "Brauhaus AC" in Aachen sein, die mit Abstand größte ist die Duisburger König-Brauerei mit einem Jahresausstoß von 1,3 Millionen Hektolitern.
Zwei Brauereien wollten nicht ins Buch, eine davon sitzt in Köln
Rick stellt jede Brauerei auf mindestens zwei Seiten vor, er erzählt in flotten Worten etwas von deren Geschichte, beschreibt – wenn vorhanden – die Atmosphäre angeschlossener Gaststätten. Illustriert werden die Porträts mit stimmungsvollen Fotos der Gebäude, Produktionsstätten und Lokale. Adresse, Öffnungs- und Besichtigungszeiten fehlen ebenso wenig wie touristische Ziele in der Nachbarschaft. Natürlich gibt es auch ein ausführliches Kapitel über die Geschichte des Bieres und der Braukunst.
Fazit: Ein Führer, der Appetit auf regionale Bierentdeckungs-Touren macht. Aber dabei an den Rückweg denken: Einer sollte immer dabei sein, der nicht trinkt. Beim nächsten Mal kann man ja die Rollen tauschen. Zwei Brauereien allerdings wollten nicht in den Führer aufgenommen werden: Reissdorf in Köln und die Hausbrauerei Schmitz-Mönk in Willich-Anrath. Selber schuld, möchte man sagen.
Detlef Rick: "Brauereien im Rheinland – Ausflugsführer zu den Stätten rheinischer Bierkultur"" – emons Verlag, Köln 2011, 222 Seiten, reich illustriert, Broschur, 14,90 Euro.

























