25. 05. 2012
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Kunst als Dolmetscher
(ehu) Eine Flasche Bier, so verrät Joachim Rönneper, hat es jeweils gebraucht, bis er und sein Ko-Autor Georg Kohlen sich auf ein kölsches Wortes und das dazu passende Bild geeinigt hatten. Vorangegangen waren umfangreiche Internetrecherchen, Katalog-Lektüre und natürlich viele Besuche in Kölns Museen. Herausgekommen ist das Buch „Museum op Kölsch – 101 x Kunst op Kölsch von Aap bis Zäng“: Alles andere als eine Bier-Idee, sondern ein köstlicher Spaß, der Dialekt und Kunst zusammenbringt.
Gedacht nicht nur für Kölner, sondern auch für solche, die es vielleicht einmal werden wollen: Engländer, Franzosen, Chinesen und die anderen Deutschen: ein Bildwörterbuch, bei dem die Kunst als Lingua franka die fünf anderen Sprachen verbindet. Das kölsche „Fesch“ wird – allen verständlich – durch einen Ausschnitt aus einem Bild von Pieter de Putter illustriert. „Sparjes“ durch das bekannte Spargelbild von Edouard Manet.
Beim derben Wort "Fott" dachten die Autoren an einen zarten Frauenakt von Boucher
101 Begriffe – eben von „von Aap bis Zäng“ – werden so erklärt: Farben, Tiere, Bräuche von Karneval bis Leichenschmaus, Gegenstände des täglichen Bedarfs und zwischenmenschliche Tätigkeiten. Wie das „bütze“: Das „Liebespaar“ von Max Beckmann küsst sich allerdings recht züchtig, Rönneper hätte lieber ein deftigeres Bild genommen. Aber „da wären die Urheberrechte zu teuer“ geworden, erklärt er. Kunst hat eben auch hier mit Geld zu tun.
Überhaupt die Liebe – und woran die Männer dabei denken: An „Strüüßche“ (übersetzt durch die Schamhaare eines weiblichen Akts von Robert Seuffert), an „Memmespektakel“ (das „Busenwunder“, hier wurde das Autorenduo bei Ernst Ludwig Kirchner fündig) und schließlich die „Fott“. Die rosigen Muskeln, anatomisch Gluteus maximus genannt, des nackten liegenden Mädchens, gemalt von Francois Boucher wollen allerdings nicht zu recht zu dem eher derben kölschen Wort für Gesäß passen.
Bald sollen auch Aachen und Wien in den Genuss des Bildwörterbuchs kommen
Rönneper, von Beruf halb Grundschullehrer, halb Schriftsteller höchst unterschiedlicher Bücher, bekennt sich zu dem leicht machohaften Blick des Buches. „Darüber kann man bei der Lektüre doch herrlich diskutieren“, wünscht er sich. Anschließend sollte man ins Museum gehen, und sich die Originale ansehen. Und das bald auch in Aachen und Wien. Denn auch dort gibt es reiche Museen und spricht man Dialekt.
Joachim Rönneper, Georg Kohlen: „Museum op Kölsch – 101 x Kunst op Kölsch von Aap bis Zäng“ – emons Verlag, Köln 2011, Steifbroschur, 12,90 Euro

























