25. 05. 2012
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Vier Kilo Kölner Festungsgeschichte
(js) Römische Stadt, romanische Kirchen, gotischer Dom – dieser Dreiklang bestimmt das Bild von Architektur in Köln. Was erst in jüngster Zeit wieder wahrgenommen wird, ist die Festungsstadt Köln. In der preußischen Zeit zwischen 1815 und 1915 wuchs sie zur stärksten Festung im Westen des Reiches. Das meiste musste nach 1918 zerstört werden. Was übrig blieb, verfiel besonders in den Jahrzehnten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Jetzt liegt endlich ein Standardwerk über diesen Teil der Kölner Stadtgeschichte vor.
Es beginnt mit einem kurzen Überblick über römische, mittelalterliche und barocke Stadtmauer. Von letzterer überlebte nur Weniges wie Hahnentorburg oder Severinstorburg die "Entfestigung" gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Zentrales Thema aber ist der preußische Festungsbau, damals eine der größten öffentlichen Baumaßnahmen in Köln und militärhistorisch bedeutsam, weil er den stets neuen waffentechnischen und strategischen Erkenntnissen angepasst wurde. Da "Richtung Feind", der hieß damals Frankreich, stets freies Schussfeld gewährleistet sein musste, bestimmte er die Stadtentwicklung wesentlich. Nach 1918 verfügten die siegreichen Alliierten den Abriss. Oberbürgermeister Konrad Adenauer setzte sich für den Erhalt der "strategisch unwichtigen" Teile ein, wollte sie in Attraktionen für die Bevölkerung verwandeln. Bei Fort X im Agnesviertel mit dem Rosengarten auf dem Dach ist dies gelungen. Andere dagegen wurden vernachlässigt.
Das aufwändig gestaltete Buch, stolze 3784 Gramm schwer, beschreibt nicht nur ausführlich jedes Bauwerk der drei Festungsringe (entlang der heutigen Ringe, der Inneren Kanalstraße und des Militärrings) und ordnet es in die militär- und architekturhistorischen Zusammenhänge ein. Das Dutzend Experten beleuchtet äußerst sachkundig und detailreich unter anderem auch die Auswirkungen des Militärkomplexes auf Stadtplanung und -entwicklung Kölns, auf seine Infrastruktur – etwa die Anbindung an das Eisenbahnnetz – sowie die Auswirkungen auf das soziale Leben. Sogar die aktuellen Ausgrabungen in Deutz fanden noch Eingang.
Da die alten Bauzeichnungen noch existieren, konnten sie abgebildet werden, allerdings gekonnt hinsichtlich Verständlichkeit bearbeitet. Reichhaltig ist auch das Kartenmaterial. Ein beiliegender großen Stadtplan zeigt alle je errichteten Bauten – von den großen Forts bis zu Munitionsräumen und Kasernen. Ein Verzeichnis mit kleinen Bauplänen listet die noch bestehenden Anlagen auf, die alle unter Denkmalschutz stehen. Ein ausführliches, leicht verständliches Glossar hilft bei der Lektüre.
Zahlreiche historische Postkarten, Fotos und Bilder veranschaulichen die Bauarbeiten, die Eingliederung in die Landschaft und geben einen Eindruck vom Leben in den Kasematten. Ergänzt werden sie von den Aufnahmen der Fotografen Jörg Weusthoff und Jens Rohde, die die durchaus romantischen Ansichten von heute festhalten. Sie hätten im Übrigen auch ein Kurzporträt im Autorenverzeichnis verdient. Ebenso wie André Brauch, der derzeit wohl einzige Maler mit dem Spezialthema "Festungen". Er rekonstruiert auf eindrucksvolle Weise die ehemaligen Zustände.
Leider nur angerissen werden die aktuellen Schwierigkeiten, mit denen der Denkmalschutz zu kämpfen hat, um die Bauten zu erhalten. Da sind einmal die Probleme, die oft feuchten Gebäude einer privaten Nutzung zuzuführen – denn dieser bedarf es, die Stadt allein kann dies mit ihren Mitteln nicht. Dann ist da der Konflikt zwischen Landschafts- und Naturschutz auf der einen, Denkmalschutz auf der anderen Seite. Hier hätten ein paar klare Worte dem trotzdem hervorragenden Gesamtwerk gut getan.
Henriette Meynen (Hg.): "Festungsstadt Köln. Das Bollwerk im Westen" – Band 1 der reihe "Fortis Colonia", emons Verlag, Köln 2010, reich illustriert, 544 Seiten, gebunden, Schutzumschlag, 49,95 Euro. Subskriptionspreis bis 31.1.2011: 42 Euro

























