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25. 05. 2012
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Wandern und Singen gegen das NS-Regime


16.07.2010 15:26 von:

Schlagwörter: Köln, Edelweißpiraten, NS, Zeitzeugen, bündische Jugend, Totenkopf-Piraten, Jüli

(js) "Man musste ja bei der Hitlerjugend mitmachen" – so kürzlich noch ein Zeitzeuge, der Schülern von seiner Jugend in der NS-Zeit erzählte. Musste man? Die Diskussion um die Kölner Edelweißpiraten und die anschließenden Dokumentationen und Ausstellungen des Kölner NS-Dokumentationszentrums zeigten das Gegenteil. Wie vielfältig Alternativen gelebt wurden, zeigt jetzt das Buch "Gefährliche Lieder". Mit zwölf exemplarischen Zeitzeugen-Porträts, Hintergrundinformationen zu besonders beliebten "Wander"-Liedern sowie einer CD mit Liedern und Erklärungen der Zeitzeugen fügt es dem Kapitel "Unangepasste Jugend im Rheinland" ein weiteres wichtiges Mosaiksteinchen hinzu. Zusammengetragen wurde es – wieder einmal – vom unermüdlichen Jan Krauthäuser und seinen Mitstreitern.

Der Titel des Buches greift die Anziehungskraft der Lieder auf die Jugendlichen auf. Sie erzählten von Fernweh und Freiheit, von fremden Ländern und der Ablehnung des "Muckertums", was im krassen Widerspruch zur Ideologie der gleichgeschalteten Volksgemeinschaft stand. Nicht von ungefähr konstatierte ein Mönchengladbacher Staatsanwalt 1935, dass "die Lieder dieser Bünde durch ihren text, Rhythmus und Melodie nach den übereinstimmenden Angaben aller vernommenen Personen eine ungleich stärkere Begeisterung zu erwecken vermögen als die Lieder der Hitlerjugend".

Unter den Zeitzeugen sind Jean Jülich und Gertrud "Mucki" Koch aus dem Kreis der Kölner Edelweißpiraten wohl die bekanntesten. Doch auch "Totenkopf-Pfadfinder" aus Mönchengladbach (noch heute aktiv!) oder "Bündische" aus Düsseldorf werden vorgestellt sowie Vertreter aus dem Umfeld der katholischen Kirche oder dem der Arbeiterbewegung. Überraschend mag sein, dass sie – obwohl offiziell verboten – oft stillschweigende und tatkräftige Unterstützung aus der Bevölkerung fanden. Ob man nun aber bei den Unangepassten oder – um auf den eingangs zitierten Zeitzeugen zurückzukommen – bei der HJ landete oder nicht, das ist letztlich auch von der Zufälligkeit des sozialen Umfeldes abhängig gewesen. Und der "Zwang" war nach 1945 ein beliebtes Schutzargument, um von der eigenen Verführbarkeit und dem fehlenden Widerstandsgeist abzulenken.

Doris Werheid, Jörg Seyffarth, Jan Krauthäuser: "Gefährliche Lieder – Lieder und Geschichten der unangepassten Jugend im Rheinland 1933-1945" – emons Verlag, Köln 2010, 192 Seiten, viele Fotos, plus CD (Spieldauer ca. 53 Minuten),19,95 Euro







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