25. 05. 2012
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Warum in Köln ein Leuchtturm steht
(ehu) Er soll ursprünglich für Sansibar bestimmt gewesen sein. Er war ein Vorzeigeobjekt für die Beleuchtungstechnik des Herstellers. Mancherlei Gerüchte ranken sich um den Helios-Leuchtturm in Köln-Ehrenfeld. Alles falsch, sagt Werner Schäfke, ehemals Direktor des Kölnischen Stadtmuseums. Er ist der Geschichte des Veedel-Wahrzeichens und der Helios-Fabrik nachgegangen. Die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit liegen jetzt in dem liebevoll gestalteten Buch "Helios – Ein Leuchtturm für Ehrenfeld" vor.
Um es vorweg zu klären: Der Turm war weder für Sansibar bestimmt noch hat er je ein Lichtsignal in den Nachthimmel geschickt. Er war, so Schäfke, ein geschickt gewähltes Markenzeichen. Und Helios produzierte vor allem Elektromotoren – auch für Straßenbahnen.
Besonders die vielen historischen Fotos machen das Buch zu einer Augenfreude
So unübersehbar der denkmalgeschützte Turm bis heute ist, so aufwändig war es, die Firmengeschichte von der Gründung im Jahr 1882 bis zur Liquidation 1905 zu rekonstruieren. Denn auf ein Firmenarchiv konnte nicht zurückgegriffen werden. So waren das Zeitungsarchiv der Kölner Universität und der Stadtbibliothek , das Archiv der IHK mit einigen wenigen Geschäftsberichten und Gerichtsunterlagen die wichtigsten Quellen.
Auch Originalfotos gab es keine. Die vielen abgedruckten Abbildungen von Fabrik, Produktionshallen oder Straßenbahn-Prototypen konnten im Wesentlichen dem Buch "Andenken an einen Besuch beim Helios" entnommen werden, das 1901 erschienen ist. Ihre Fülle macht das Buch zu einer Augenfreude.
Trotz der schwierigen Quellenlage wird eine Lücke in der Industriegeschichte geschlossen
Also eine Geschichte vorwiegend aus Sekundärquellen und mit relativ wenig Text. Doch das Ergebnis überzeugt, ein (fast) komplettes, wenn auch kurzes Kapitel Kölner Industriegeschichte wird lebendig. Und kein unbedeutendes. "Der Helios" setzte schon früh auf Wechselstrom statt des üblichen Gleichstroms: Die Stadt beschloss 1888 den Bau des ersten deutschen Elektrizitätswerks mit Wechselstrom. Der Auftrag ging an Helios – ebenso die Beleuchtung des Gürzenich. Zum nationalen und internationalen Erfolg trugen auch generatoren bei, die produktiver waren als die von den Konkurrenten Siemens oder AEG.
In seiner Glanzzeit um 1900 waren bei Helios 2.300 Menschen beschäftigt. Die Firma hatte Büros in Berlin, Warschau, La Spezia und Paris, ihre Vertreter saßen in St. Petersburg, Konstantinopel und London. Pompös präsentierte man sich bei der Pariser Weltausstellung. Und wenn Helios auch nie Leuchttürme baute, in Deutschland kam ihre elektrische Ausrüstung fast immer aus Köln. Ebenso die Beleuchtung des Kaiser-Wilhelm-Kanals (heute Nord-Ostsee-Kanal).
Heute wird heftig darüber diskutiert, was auf dem Helios-Gelände entstehen soll
Doch schon 1905 war alles vorbei. Man hatte sich übernommen, die durch Bankkredite finanzierten Investitionen waren zu hoch, Aufträge fehlten, den Aktionären konnten keine Dividenden gezahlt werden. Das Oberlandesgericht mischte sich ein, doch wie die Untersuchung ausging, darüber gibt es keine Unterlagen. Wohl aber konnte Schäfke bei seinen Recherchen herausfinden, wo Carl Theodor Coerper begraben liegt, maßgeblicher Ingenieur bei Helios – nämlich in Unkel.
Aktuell gibt es eine heftige Auseinandersetzung darüber, was aus dem Helios-Gelände werden soll. Pläne, dort eine Einkaufszentrum zu bauen, scheinen vom Tisch. Hier hätte man sich dann doch ein paar ausführlichere Anmerkungen gewünscht. Bleibt am Schluss zu hoffen, dass bald auch die Geschichte anderer Kölner Unternehmen aufgearbeitet wird.
Werner Schäfke: "Helios – Ein Leuchtturm für Ehrenfeld" – Emons Verlag, Köln 2011, gebunden, zahlreiche Abbildungen, 96 Seiten, 17,95 Euro

























