25. 05. 2012
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Wo Grass den Blick für seine Blechtrommel schärfte
(js) Ein Reiseführer solle es nicht sein, sondern ein Erlebnisführer, kokettiert Autor Bernd Imgrund. Einigen wir uns darauf: Es ist ein verdammt guter Appetit-Anreger, sich einmal etwas genauer in Kölns Umgebung umzusehen. Nach seinen zwei erfolgreichen Bänden "111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss" (der erste wurde fast 40.000 Mal verkauft), jetzt also "111 Ort im Kölner im Umland, die man gesehen haben muss". Keiner davon ist mehr als 15 Kilometer von der Kölner Stadtgrenze entfernt – Luftlinie wohlgemerkt, denn die Anreise kann durchaus etwas länger sein.
Es ist durchaus Bekanntes dabei. Etwa Schloss Falkenlust in Brühl. Aber wovon man schon einmal gehört hat, das muss man nicht unbedingt schon besucht haben. So ging es Imgrund mit ebendiesem Lustschloss – die Recherchen für sein Buch waren ihm willkommener Anlass, diesen Jugendtraum zu erfüllen. Nicht gerade unbekannt das Kloster Knechtsteden, die Abtei Brauweiler, der Papsthügel zum Weltjugendtag 2006 und das Bilderbuch-Museum auf Schloss Wissem in Troisdorf. Dass Heinrich Böll in der Nähe begraben liegt – klar, aber wo? Und welcher Kölner – Hand aufs Herz – war schon einmal an der Quelle der Strunde, die zwar versteckt, aber immerhin in Mülheim in den Rhein mündet. Immerhin sorgte sie einst durch zahlreiche Wassermühlen für den rechtsrheinischen Reichtum. Also: Auf und hin. Am besten mit dem Fahrrad.
Und natürlich zu den vielen Orten, deren Geschichte vielleicht nicht einmal den "Einheimischen" bekannt ist. Wie der "Wallace"-Brunnen in Burscheid, der einzige seiner Art in Deutschland. Allein 65 davon stehen in Paris, nach 1871 vom Engländer Sir Richard Wallace gespendet, der den Hauptstädtern damit den Zugang zu sauberem Trinkwasser sichern wollte, um so Epidemien zu verhindern. Dass hier allerdings kein Trinkwasser sprudelt, ärgert den "Erlebnisführer". In Oberaußem wohnte 1946 ein gewisser Günter Grass, der später die Aussicht vom Friedhof auf das nahe Kraftwerk Fortuna in seinem Erfolgsroman "Die Blechtrommel" verewigte. Eine kleine Bronzetafel erinnert heute daran.
Nur noch eine kleine Aufzählung weiterer Ziele: Die Landwehr aus dem 17. Jahrhundert nahe Overath, eine funktionierende Windmühle, ein Hohlweg (Schiller!), Erinnerungen an Bergwerke rings um Köln, eine Schaukäserei und ein Indianerdorf. Zusammen eben 111 Orte. Imgrund erzählt ihre Geschichten in lockerem, anregenden Stil, dazu jeweils Fotos von Nina Osmers, angemessen zwischen Totale und Detail wechselnd. Die Übersichtskarten sind allerdings etwas knapp geraten, da helfen auch die knappen Wegbeschreibungen nicht unbedingt. Also am besten vorher in genauere Karten gucken.
Bernd Imgrund: "111 Orte im Kölner im Umland, die man gesehen haben muss" – emons Verlag, Köln 2010, 238 Seiten, broschiert, 12,90 Euro

























