25. 05. 2012
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Alte Musik geht neue Wege
Gemeinsam sind wir stärker – das haben auch die Kölner Musiker verstanden, die sich der Alten Musik verschrieben haben. Im Februar eröffnen sie ihr „Zentrum für Alte Musik“, Zamus abgekürzt. Eingebettet wird das in ein kleines, aber feines Festival.
Noch stehen Farbeimer in den Ecken, doch in den Büroräumen wird schon gearbeitet. Bis März soll auch der Geschäftsführer gefunden sein. Das Schwarze Brett ist schon voll gespickt, aberdutzende CD-Hüllen an der Wand zeugen von Kreativität und Fleiß der Szene. Ensembles wie Das Neue Orchester, Concerto Köln, Harmonie Universelle oder Cantus Cölln haben Köln mit ihrem tausend Jahre Musikgeschichte umfassenden Repertoire zur deutschen Hauptstadt der Alten Musik gemacht.
„Ein ungewürdigter Schatz“, lobt Kulturdezernent Prof. Georg Quander die Szene, denn weil sie vor allem auswärts auftreten, sind diese Musiker in ihrer Heimatstadt kaum bekannt – jedenfalls nicht zu vergleichen mit den kölschen Stimmungsbands oder gar BAP. Eher schon mit den Vertretern der Neuen Musik. Deren Gesellschaft – 1981 schon zum dritten Mal gegründet – war dann wohl auch das heimliche Vorbild für die Alte Musik.
Die Konkurrenz bleibt, doch will man künftig besser zusammen arbeiten
24 kleine und mittlere Ensembles, dazu Dutzende Solisten konkurrieren auf dem Markt um Publikum, Auftrittsmöglichkeiten und Honorare. Doch das Überleben ist schwierig. „Meine Honorare sind seit 15 Jahren gleich geblieben, teilweise sogar gesunken“, berichtet Markus Märkl, Cembalist und Organist, die Kosten dagegen seien gestiegen.
So setzte man sich vor zwei Jahren erstmals zusammen. Vor einem Jahr wurde dann die „Kölner Gesellschaft für Alte Musik“ gegründet, Märkl zu ihrem Vorstand gewählt. Die „KGAM“ entwickelte dann in permanenter Diskussion mit der Szene das Zamus. 1000 Quadratmetergroß sind die Räumlichkeiten in dem alten, denkmalgeschützten Fabrikgebäude an der Heliosstraße.
Im Schatten des Ehrenfelder Leuchtturms werden Proberäume angeboten und können Instrumente ausgeliehen werden. Vor allem aber soll es Informationen und Hilfe geben, etwa über Verwertungsrechte und Fördermöglichkeiten, bei Steuer- und Honorarfragen. In Workshops und Seminaren soll über den heutigen Stellenwert Alter Musik diskutiert werden, über neue Interpretationen oder die Möglichkeiten, neues Publikum zu gewinnen. Eine gemeinsame Pressearbeit kann den einzelnen Mitgliedern helfen, Geld zu sparen.
Nicht nur Stadt und Land lassen sich die Alte Musik einiges kosten
Ohne finanzielle Unterstützung wäre das nicht möglich gewesen. Schon im Vorfeld war die Kulturstiftung von Rheinenergie mit 80.000 Euro dabei, der Landschaftsverband Rheinland mit 53.000, das Land mit 32.000 und die Stadt mit 25.000. Im laufenden Jahr sind es unter anderem 100.000 Euro vom Land und 120.000 Euro von der Stadt, die ihre institutionelle Unterstützung auf jährlich 210.000 steigern will. „Gut angelegtes Geld“, findet Quander und freut sich, das ein wichtiges Projekt des Kölner Kulturförderplans umgesetzt werden konnte. Investor Paul Bauwens – ihm gehört das Helios-Gelände, dessen künftige Nutzung umstritten ist – hat die Räume mietfrei zur Verfügung gestellt.
Vom 3. bis 5. Februar lädt die KGAM zum 2. „Kölner Fest für Alte Musik ein“. Auf dem Programm stehen acht Konzerte in der Trinitatiskirche, im Museum für Angewandte Kunst, der Fronleichnamskirche der Ursulinen und im WDR. Leitfäden sind Bach und seine Vorläufer, der 450. Geburtstag von Jan Pieterszoon Sweelinck, dem „Orpheus von Amsterdam“. Unter dem Titel „Black Power 1800“ wird an zwei schwarze Geiger erinnert, die um 1800 als die größten Virtuosen ihrer Zeit galten. „Türen auf mit Musik“ ist das Motto für die Zamus-Eröffnung am 5. Februar von 11-16 uhr. Ein „Sockenkonzert“ richtet sich an Kinder. Wer eine alte CD mitbringt, kann sie gegen eine neue mit Alter Musik umtauschen.
Kölner Gesellschaft für Alte Musik, Zamus, Heliosstr. 15, 50825 Köln
Informationen über das „Kölner Fest für Alte Musik“ (3. bis 5. Februar) finden sie auch im Internet unter: www.koelnerfest-altemusik.de.



























