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31. 07. 2014
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Ein Leserbrief zur möglichen Räumung des AZ Kalk


31.03.2011 12:25 von:

Schlagwörter: Köln,Köln-Kalk,Autonomes Zentrum,2011,März,Räumung,Leserbrief

AZ Kalk, bringt schönes mit

(anonym) Normalerweise habe ich es nicht so mit allzu viel Lokalkolorit, doch im Moment ereignen sich im Prinzip direkt vor der Haustür Dinge, die doch recht erstaunlich sind, und darüber hinaus auf lokaler Ebene illustrieren worum es auch [ Hier ] und [ Hier] geht: Um die konsumorientierte Umgestaltung der Städte, die eine Monokultur erzeugt, die letztlich die Definition dessen was "Stadt" ist erheblich in Richtung Eintönigkeit verändert. Seit etwa einem Jahr ist in Köln-Kalk eine ehemalige Werkskantine der KHD besetzt, aus der Kantine wurde ein farbenfrohes Kulturzentrum mit vielen Veranstaltungen, wie es sie sonst in Köln kaum gibt. (Köln ist ja groß, aber irgendwie auch klein ;)) Aber, am besten schaut jeder mal selbst, was da so los war.

Kalk ist ein ziemlich besonderer Stadtteil Kölns, über den ich hier nun Seitenweise schreiben könnte - aber das vielleicht ein andern mal, hier die Kurzfassung: Kalk ist wie wenige andere Viertel Kölns von einem tiefgreifenden Strukturwandel betroffen, der Stadtteil entstand im Prinzip aus einem Dorf und erlebte dann mit der Industrialisierung einen schnellen und heftigen Boom, der das Dorf praktisch über Nacht zur Stadt machte. Im weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts wurde Kalk ein industriell geprägter Vorort, insbesondere die CFK, die "Chemie Fabrik Kalk", war ein wichtiger Arbeitgeber, ebenso die KHD, die hier ein großes Areal füllte. Das Viertel war ein typisches "Arbeiterviertel". Nach Ende der Chemie- und Motorenproduktion am Standort, begann das Viertel sich zu verändern, da es billigen Wohnraum bot entwickelte es sich zu einem typischen Stadtteil in dem Menschen aus aller Welt (über 150 Nationen wurden mal gezählt) lebten. Es gab ein Stadterneuerungsprogramm, viele Straßen wurden beruhigt und begrünt. Während der Zeit der Chemiefabrik galt es als, im wahrsten Sinne des Wortes "anrüchig", danach kurzfristig aus anderen Gründen ebenfalls ;), mittlerweile ist es ein quitschfideler, quirliger und sehr lebendiger Stadtteil mit viel Charme - und einem der größten Einkaufszentren Europas.

Das sogenannte "Autonome Zentrum" hat Kalk um den wichtigen Aspekt einer nicht konsumorientierten und selbstverwalteten Initiative bereichert. Es hat das Viertel belebt, und unterstreicht die kulturelle Bedeutung des Stadtteils, zum Beispiel auch in Verbindung mit der Halle Kalk,, einer "Außenstelle" des Kölner Schauspiels. Ein wichtiges, lebendiges soziokulturelles Projekt, das nun durch die Räumungsabsicht in ein Licht gerückt wird, was es nicht verdient hat. Es ist aus soziokultureller Sicht ein absolut wichtiger Punkt für den Stadtteil, der nach den durchgreifenden Umstrukturierungen der letzten Jahre erst mühsam zu sich selbst findet. Im Grunde herrscht hierüber Konsens, auch in Rat und Verwaltung, umso unverständlicher ist es warum dieses Zentrum nun geräumt werden soll. Es muss in einem Viertel wie Kalk, was auch von Armut betroffen ist, unbedingt freie und lebendige Angebote geben. Es wäre zu wünschen, dass man hier noch eine Verhandlungslösung in letzter Sekunde findet. Es kann einfach nicht immer nur auf Konsum, Konsum, Konsum gesetzt werden, es muss auch etwas anderes geben, damit eine Stadt und ein Stadtteil lebenswert bleibt und lebenswerter wird. Sonst klüngelt man in Köln doch immer so nett vor sich hin, und findet die berühmte "Kölsche Lösung", dass muss doch auch in einer derartigen Frage gelingen, ich behaupte, sollte es nicht gelingen, wird man ein derartiges Kulturzentrum irgendwann sehr vermissen, es wertet Kalk im positiven Sinne auf, eine Räumung würde den Stadtteil wieder etwas langweiliger und piefiger machen - das wäre schade.


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