26. 05. 2013
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Köln: Kultursponsoring - Kunst oder Kommerz?
Auslöser für die Debatte war die kritische Dankesrede des Autors Ingo
Schulze anlässlich der Verleihung des Thüringer Literaturpreises in der
vergangenen Woche. Es drohe eine Kommerzialisierung der Kultur, so das
Schreckens-Szenario der Kulturschaffenden. Doch die Dinge liegen längst
nicht so einfach, wie in diesem Bild geschildert.
Sponsoring- ein knallhartes Geschäft?
Zwar sei das Sponsoringgeschäft „knallhart“, wie der Geschäftsführer
des Kulturkreises der Deutschen Wirtschaft im BDI sowie des
Arbeitskreises Dr. Stephan Frucht meint. Aber die Bruchlinien und
Konfliktpunkte verlaufen häufig genug nicht zwischen den
Sponsoringabteilungen der Unternehmen und den Kultureinrichtungen,
sondern eben in den Unternehmen selbst, wie Frucht weiter ausführte.
„Wichtig ist es, dass alle Beteiligten miteinander im Gespräch
bleiben“, ergänzte AKS-Vorstandsmitglied und Leiter der
Kulturkommunikation bei der Münchener BMW Group Thomas Girst. Für
AKS-Geschäftsführer Frucht steht dabei außer Zweifel, dass die
Bedeutung von Kultursponsoring auch in Zukunft wachsen wird. „Schon
heute gehen wir von einem Gesamtvolumen in Höhe von 400 Millionen im
Bereich Kultursponsoring aus. Doch aufgrund parallel dazu beschlossener
Kürzungen in den Kulturetats von Bund, Ländern und Kommunen sei dies
„viel zu wenig“, wie alle anwesenden Experten unisono betonten.
Kreativität gefragt / Gefahren für „schwierige“ Kunstprojekte
Doch auch Geld alleine bedeutet noch keine Lösung. Vielmehr sei
Kreativität der Kultureinrichtungen gefragt, wenn es um die Umsetzung
und Realisierung gesponsorter Kulturprojekte geht. Immer gleiche
Projektanträge werden von den Kulturverantwortlichen der über 60 im AKS
zusammengeschlossenen Wirtschaftsunternehmen ohnehin eher nicht
berücksichtigt. Durch kreative und innovative Präsentationen und
Projektideen haben aber alle Kunstformen eine realistische Chance auf
eine Förderung. Die Gefahr, dass zum Beispiel Museen nur für
spektakuläre Wechselausstellungen neue Sponsoren finde, bestehe aber
durchaus, wie Blühm einräumte. Der Direktor des Wallraf argumentierte
pragmatisch. „Wir haben immer in einer Welt des Kommerzes gelebt. Die
Trennung von Kunst und Kommerz ist eine Illusion“, so Blühm. Ansonsten
gilt die Forderung nach mehr Kreativität selbstverständlich auch für
die Präsentation der eigenen Sammlungen, das eigentliche Kerngeschäft
eines Museums also.
Appell an Politik
Trotzdem bleibe die Grundversorgung eine staatliche Aufgabe. Darüber
hinaus gehende Projekte, Sonderausstellungen oder Präsentationen können
aber sehr wohl mit Mitteln aus dem Kultursponsoring gefördert werden.
AKS-Vorstand Girst sieht hier auch den Mittelstand in der Pflicht, vor
allem dezentrale Kulturförderung zum Beispiel am eigenen Standort zu
betreiben. Auch schwierige Bereiche, nach Meinung Girsts gehört hier
insbesondere die Literatur dazu, könnten dank kreativer Aufbereitung
und durchdachter Präsentation in den Genuss privater Geldmittel über
den Weg des Kultursponsorings gelangen. Die eigenen Förderprojekte
sollen aber auf der anderen Seite auch eine gewisse Einzigartigkeit
(neudeutsch: „unique selling point – USP“) innehaben, was die
Unternehmen selbst wieder in eine Konkurrenzsituation treten lässt. Die
Probleme im Spannungsfeld von Kunst und Kommerz sind also wesentlich
differenzierter zu betrachten. Doch am kulturellen Reichtum in
Deutschland besteht in Reihen der Kulturkenner keine Zweifel. „Es ist
nun angebracht, die Ausstattung zu verbessern“, so das stellvertretende
Fazit Girsts. Und Museumsdirektor wünschte sich zum Abschluss etwas
mehr Mut aufseiten der städtischen Finanzkontrolleure.
Das gestrige Pressegespräch fand im Vorfeld einer Vorstandssitzung des
Arbeitskreises Kultursponsoring statt. Die Sitzung fand im Anschluss
daran im großen Veranstaltungssaal des Wallraf-Richartz-Museums am
gestrigen Abend statt. Außerdem war das Wallraf Gastgeber der
halbjährlich tagenden Plenumssitzung der AKS-Mitglieder.






















