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19. 04. 2014
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Köln: Kultursponsoring - Kunst oder Kommerz?


20.11.2007 23:00 von:


Auslöser für die Debatte war die kritische Dankesrede des Autors Ingo Schulze anlässlich der Verleihung des Thüringer Literaturpreises in der vergangenen Woche. Es drohe eine Kommerzialisierung der Kultur, so das Schreckens-Szenario der Kulturschaffenden. Doch die Dinge liegen längst nicht so einfach, wie in diesem Bild geschildert.

Sponsoring- ein knallhartes Geschäft?
  
Zwar sei das Sponsoringgeschäft „knallhart“, wie der Geschäftsführer des Kulturkreises der Deutschen Wirtschaft im BDI sowie des Arbeitskreises Dr. Stephan Frucht meint. Aber die Bruchlinien und Konfliktpunkte verlaufen häufig genug nicht zwischen den Sponsoringabteilungen der Unternehmen und den Kultureinrichtungen, sondern eben in den Unternehmen selbst, wie Frucht weiter ausführte. „Wichtig ist es, dass alle Beteiligten miteinander im Gespräch bleiben“, ergänzte AKS-Vorstandsmitglied und Leiter der Kulturkommunikation bei der Münchener BMW Group Thomas Girst. Für AKS-Geschäftsführer Frucht steht dabei außer Zweifel, dass die Bedeutung von Kultursponsoring auch in Zukunft wachsen wird. „Schon heute gehen wir von einem Gesamtvolumen in Höhe von 400 Millionen im Bereich Kultursponsoring aus. Doch aufgrund parallel dazu beschlossener Kürzungen in den Kulturetats von Bund, Ländern und Kommunen sei dies „viel zu wenig“, wie alle anwesenden Experten unisono betonten.

Kreativität gefragt / Gefahren für „schwierige“ Kunstprojekte

Doch auch Geld alleine bedeutet noch keine Lösung. Vielmehr sei Kreativität der Kultureinrichtungen gefragt, wenn es um die Umsetzung und Realisierung gesponsorter Kulturprojekte geht. Immer gleiche Projektanträge werden von den Kulturverantwortlichen der über 60 im AKS zusammengeschlossenen Wirtschaftsunternehmen ohnehin eher nicht berücksichtigt. Durch kreative und innovative Präsentationen und Projektideen haben aber alle Kunstformen eine realistische Chance auf eine Förderung. Die Gefahr, dass zum Beispiel Museen nur für spektakuläre Wechselausstellungen neue Sponsoren finde, bestehe aber durchaus, wie Blühm einräumte. Der Direktor des Wallraf argumentierte pragmatisch. „Wir haben immer in einer Welt des Kommerzes gelebt. Die Trennung von Kunst und Kommerz ist eine Illusion“, so Blühm. Ansonsten gilt die Forderung nach mehr Kreativität selbstverständlich auch für die Präsentation der eigenen Sammlungen, das eigentliche Kerngeschäft eines Museums also.

Appell an Politik

Trotzdem bleibe die Grundversorgung eine staatliche Aufgabe. Darüber hinaus gehende Projekte, Sonderausstellungen oder Präsentationen können aber sehr wohl mit Mitteln aus dem Kultursponsoring gefördert werden. AKS-Vorstand Girst sieht hier auch den Mittelstand in der Pflicht, vor allem dezentrale Kulturförderung zum Beispiel am eigenen Standort zu betreiben. Auch schwierige Bereiche, nach Meinung Girsts gehört hier insbesondere die Literatur dazu, könnten dank kreativer Aufbereitung und durchdachter Präsentation in den Genuss privater Geldmittel über den Weg des Kultursponsorings gelangen. Die eigenen Förderprojekte sollen aber auf der anderen Seite auch eine gewisse Einzigartigkeit (neudeutsch: „unique selling point – USP“) innehaben, was die Unternehmen selbst wieder in eine Konkurrenzsituation treten lässt. Die Probleme im Spannungsfeld von Kunst und Kommerz sind also wesentlich differenzierter zu betrachten. Doch am kulturellen Reichtum in Deutschland besteht in Reihen der Kulturkenner keine Zweifel. „Es ist nun angebracht, die Ausstattung zu verbessern“, so das stellvertretende Fazit Girsts. Und Museumsdirektor wünschte sich zum Abschluss etwas mehr Mut aufseiten der städtischen Finanzkontrolleure.

Das gestrige Pressegespräch fand im Vorfeld einer Vorstandssitzung des Arbeitskreises Kultursponsoring statt. Die Sitzung fand im Anschluss daran im großen Veranstaltungssaal des Wallraf-Richartz-Museums am gestrigen Abend statt. Außerdem war das Wallraf Gastgeber der halbjährlich tagenden Plenumssitzung der AKS-Mitglieder.







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