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18. 09. 2014
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Kölner Initiative startet Kampagne für Kulturstandort


27.05.2009 17:24 von:

Schlagwörter: Köln,Kulturschaffende,Aufruf,Kampagne,Stadtrevue,Öffentlichkeit,Lobby,Kultursta

Der Unmut über den Zustand der Kölner Kultur und des Kulturstandorts war spürbar, als Vertreterinnen und Vertreter des Kölner Kunstvereins am heutigen Tag zur Pressekonferenz luden. Statt des üblichen Prozederes einer festen Agenda mit Vorstellung der einzelnen Punkte entwickelte sich die Pressekonferenz alsbald zu einer lebhaften Diskussion über das weitere Vorgehen. Allen gemeinsam war dabei der Wunsch, etwas für die Kultur in dieser Stadt tun zu wollen. "Um die Kunst in dieser Stadt ist es nicht gerade großartig bestellt. Die Initiative hofft, dass Kulturpolitik fortan stärker zu Geltung kommt", so WDR-Moderatorin Bettina Böttinger, die als Mitunterzeichnerin die Kampagne unterstützt. Auch der Direktor des Museums Ludwig, Prof. Kasper König, gehört zu den insgesamt rund 100 Erstunterzeichnern dieses Offenen Briefes, der die Mängel der Kölner Kulturpolitik deutlich benennt. "Uns alle beherrscht ein Gefühl der Beklommenheit. Wir wollen uns nicht dafür entschuldigen, in dieser Stadt zu leben und zu arbeiten", beschrieb König seine Motivation die Initiative zu unterstützen.

Kölner Kulturpolitik ohne Ideen und Sachverstand

Vor allem die Kulturpolitiker der Stadt Köln mussten sich dabei harsche Kritik anhören. Dabei wäre nach Meinung von Museumsdirektor König der Kulturausschuss eigentlich ein ideales Gremium für die Bürgerschaft. Aber zum einen entwickeln die Ratspolitiker kaum noch nennenswerte eigene Ideen, zum anderen finden sie innerhalb ihrer eigenen Fraktionen zu wenig Unterstützung. Viele sind einfach auch nicht kundig genug, so ein weiterer Kritikpunkte der Anwesenden. "Wir fordern einen spielerischen und konstruktiven Umgang, mehr Transparenz und Klarheit der Entscheidungen", brachte es König auf den Punkt. Unterstützt werden die Initiatoren dabei von der Kölner Stadtrevue. Die in wenigen Tagen erscheinende Ausgabe wird sich redaktionell mit dem Themenschwerpunkt Kulturpolitik beschäftigen. In jeder der 30.000 Exemplare befindet sich zudem ein Plakat der Initiative, mit der man "Druck machen" wolle. "Wir werden selbst zum Akteur. Aber Medien müssen auch Öffentlichkeit herstellen", begründete Melanie Weidemüller die aktive Unterstützung der Kampagne. Sowohl Weidemüller wie auch Verleger Helge Malchow vom Kölner Verlag Kiepenheuer & Witsch sehen mit Sorge die bereits seit Jahren zu beobachtende Abwanderungsbewegung vieler Künstler in Richtung Bundeshauptstadt.

Inhaltlich sind die Initiatoren allerdings noch nicht über das Anfangsstadium hinaus. So gibt es derzeit weder ein organisatorisches Gerüst, noch eine gemeinsame Webseite. Trotzdem wollen sie der Politik Beine machen und ihren Unmut lauter äußern. Ein bereits seit Jahren bekanntes allerdings unverändert bestehendes Problem sind die schwierigen räumlichen Verhältnisse. In anderen Städten erhalten Künstler mehr Raum für weniger Geld. Obwohl der Kölner Kunstverein sogar schon angeboten hat, als eine Art Treuhänder für die termingerechte Unterbringung des künstlerischen Klientels in leer stehenden Gebäuden z.B. in städtischem Besitz zu sorgen, ist bislang nichts Zählbares herausgekommen. "Das ist eine ganz einfache Entscheidung der Stadt Köln und sie kostet eigentlich kaum Geld", erklärte Dr. Wolfgang Strobel, Vorsitzender des Kölnischen Kunstvereins. Seit zehn Jahren sei er bei der Stadt vorstellig, bisher ohne Erfolg.


Kommentar

Wie entsteht eine Kampagne und wie wird sie so fortgeführt, dass sie einen bleibenden Einfluss auf die politisch Verantwortlichen haben kann? Wer sich diese Fragen schon immer stellen wollte, war auf der heutigen Pressekonferenz gut bedient. Es wäre zynisch, den Kritikern Konzeptlosigkeit zu unterstellen. Jeder der Kulturschaffenden und Kulturinteressierten trieb ein diffuses Gefühl an, dass sich etwas tun müsse. Und bevor keiner etwas unternimmt, ist es vielleicht besser auch die interessierte Öffentlichkeit zur "Pressekonferenz" einzuladen. Das geht zwar zu Lasten der Professionalität, ist aber gut, um die Entstehung von Argumenten und Argumentationsmustern zu folgen.

So bleib die Kernaussage der heutigen Veranstaltung ein mehr als diffuses "So kann es nicht weitergehen!". Um daraus eine gewisse Schlagkraft zu entwickeln, bedarf es eines abgestimmten Konzepts, eine Prioritätenliste und eine entsprechende Verankerung in den interessierten Kreisen. Und hier scheint, obwohl sie’s doch eigentlich besser wissen sollte, die Kulturszene dieser Stadt noch Einiges aufzuholen haben. Keine Internetseite, auf der man seine Unterstützung dokumentieren kann, keinen Katalog konkreter Forderungen, den man den Kulturpolitikern zwecks Umsetzung in die Hand drücken. Nicht einmal ein festes Organisationskonzept hatten die Initiatoren zu bieten. So wird es schwer, der Politik Druck zu machen, schließlich sind die Klagen der Kunstschaffenden nicht erst am frühen Vormittag in einem Brainstorming entstanden sondern bereits jahrelang Gesprächsstoff.

Dass sich bislang keiner der OB-Kandidaten dezidiert zur Kulturpolitik geäußert hat, macht die Sache für die Kulturschaffenden nicht leichter. So bleibt das Gefühl, das bis auf das Einstimmen eines Klageliedes bislang wenig Greifbares entstanden ist. So aber lässt sich kein Druck auf die Meinungsführer in den Parteien ausüben, die bei den meisten Ratsfraktion eher "kulturfern" sind. Vielleicht wäre ein Streik der Kulturschaffenden das richtige Rezept. Denn eines ist klar: Kultur ist systemrelevant. Aber das dürfte noch schwieriger umzusetzen sein wie die Aufstellung eines konkreten Forderungskatalogs.







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