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2. 09. 2014
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Kolumba


13.06.2008 22:00 von:

Schlagwörter: Kolumba, Köln, Zumthor, Diozösanmuseum

(tb)Zurecht ist dieser Begriff mittlerweile untrennbar mit verquarsten, esoterischen Bedeutungen aufgeladen. Hier im Falle des neuen Diozösanmuseums in Köln, genannt "Kolumba", muss er hervorgeholt und von seiner Unschärfe befreit werden, denn der Bau hat keine Aura, er ist Aura, und dies in einer Art und Weise, wie sie selbst für Zumthor ungewöhnlich ist. Es geht in diesem Artikel nicht in erster Linie um die gezeigten Werke, denn hier würde fast jedes einen eigenen Text verdienen, ihre Anordnung im Raum ist subjektiven Vorlieben des Kurators unterworfen und leicht änderbar, es geht um das Gebäude, welches die Kunst vor dem Regen und der Sonne schützt. Auch wenn die klassischen Rundungen der Romanik, jener für Köln prägenden klerikalen Architektur,

(nein es war und ist nicht die [Neo] - „Gotik“. Die alte Krone der Stadt gehört den 12 Romanischen Kirchen.)

zu rechten Winkeln wurden, so muss doch von einem letztlich romanischen Konzept gesprochen werden.   Wuchtig und fest mit dem Boden verankert, tiefgründig, verwachsen mit dem uralten, urbanen Boden erhebt sich der Bau schwer, ohne den aufdringlichen, fast kitschigen Pathos anderer wichtiger Bauten. St. Kolumba die im letzten Krieg untergegangene spät-gotische Kirche bildet den historischen Rahmen, und zwingt das Bauwerk in den klerikalen Kontext, es ist das Diözesanmuseum und es ist einer der neuesten Versuche sich aus den Ruinen der schweren Bombenangriffe zu erheben. „Maria in den Trümmern“ eine Kapelle, die St. Kolumba ersetzte, ist in den Museumsbau integriert. An keiner Stelle wird hier so getan als ob nichts gewesen wäre, die aktive und sehr ernste Auseinandersetzung mit der historischen Situation ist immer präsent. Keine simple Wiederauferstehung oder schnelle Umdefinition, sondern eine komplexe Auseinandersetzung mit dem sehr speziellen Ort im Dreieck Dischhaus, Oper, Kolumba. Die Nord-Süd-Fahrt zerschneidet dieses Spannungsfeld sehr ungünstig und nimmt ihm viel von seinen eigentlichen Möglichkeiten.

Verkehr in seiner banalsten Form hat hier eigentlich nichts zu suchen, ist dabei selbst Relikt des Wiederaufbaus, des automobilen Wahnsinns, der aus heutiger Sicht in eine andere Zeit gehört. So sollte man sich keineswegs von der Oper kommend an Kolumba annähern, besser schräg aus Richtung Dischhaus. Ein Kunststück dürfte es auch sein, zusätzlich die Hohe Straße zu meiden. Mein persönlicher Annäherungsvorschlag geht so:

Mit der U-Bahn bis Dom/HBF – Domprobst Ketzer Straße -> An den Dominikanern ->Andreaskloster -> Komödienstraße -> durch schmalen Treppenaufgang auf die Burgmauer ->Mariengartengasse -> An der Rechtschule -> Drususgasse -> Kolpingplatz -> Minoritenstraße -> Ludwigstraße -> Brückenstraße -> Kolumbastraße. Gewiss ist das nicht der kürzeste Weg, aber der interessanteste. Außerdem entgeht man so halbwegs dem Dom- und Einkaufsgewimmel, sowie einer Querung der Nord-Süd Fahrt.

Von Außen ist der erste Eindruck der, den auch so manche Klosteranlage des 11. Jahrhunderts macht. Der Eingang ist kein Eingang sondern ein Riegel, eine gläserne Front hinter der zunächst im Abstand von zwei Metern eine Mauer zu sehen ist. Die Transparenz des Glases gibt den Blick frei auf die Undurchdringlichkeit einer steinernen Wand. Dies ist verwirrend im besten Sinne, erst als ein freundlicher Museumsmitarbeiter mir die Tür öffnete war ich wirklich sicher, dass es ein Eingang für die Öffentlichkeit ist. Hier gibt es nichts umsonst, hier wird man nicht belagert mit den aufdringlichen Lockungen eines Gebäudes, hier ist vom ersten Moment an klar, dass man die banale Wirklichkeit verlässt um ein Exerzitien der Kunst zu betreten. Hat man die gläserne Tür geöffnet muss man sich um 90 Grad nach Links wenden, geht etwa 10 Meter zwischen Mauer und Glas, bis man schließlich durch eine zweite Tür in das Foyer eintritt. Man kann hier dazu raten sich einmal auf die gegenüberliegende Straßenseite zu stellen und bei anderen Besuchern diesen 90 Grad Turn und den Gang zwischen Glas und Stein zu beobachten. Im Inneren setzt sich das Konzept fort, das Gebäude umschließt einen ganz und gar, dies aber derart subtil, dass man es beinahe gar nicht bemerkt. Im extrem puritanisch und unaufgeregt gestaltetem Foyer löst man seine Karte. Gegenüber der Kasse ein Raum mit Schließfächern, die den Euro nur aus Pfandgründen schlucken.

Der Verzicht auf jegliche Beschilderung ala „Rundgang“, was beinahe in jedem anderen Museum zum touristischen Ritual gehört, fehlt hier voll und ganz. Auch der tolle „Museums-Postershop“ oder das trendige „Museumscafe“, ist schlicht nicht vorhanden, ach wäre es doch immer so, denn wer braucht „VanGogh T-Shirts“ und das „Haisteak Hirst“ aber bitte medium? In Kolumba wird die Kunst nicht zum PR - Event, zum „Wie lange ist die Schlange heute?“ Hype, sie wird in Ruhe gelassen. Allerdings ist zu befürchten, dass aus „versicherungstechnischen Gründen“ schon bald erste Schilder mit der Aufschrift „Vorsicht Stufe“ auftauchen werden. Dazu später mehr. Man muss sich seinen Weg zur Kunst suchen, und man findet die Kunst am Ende eines langen fensterlosen Treppenaufgangs, der beinahe noch zu kurz geraten ist, von dem sich mancher allerdings wünschen dürfte er sei kürzer, denn Stufe für Stufe gerät man mehr und mehr in einen Rhythmus aus Steigen, Erwartung, Steigen, Erwartung. Gelingt es jede Stufe mit Bedacht zu nehmen, entfernt sich der Alltag mehr und mehr, wird „das Draußen“ zum banalen Gewimmel, zur endlichen Nebensache.

Schließlich befindet man sich in den gänzlich schmucklosen Ausstellungsräumen. Jeweils ein größerer Raum bildet das Zentrum. Von dieser zentralen Position öffnen sich kleine Kabinette, die an Kapellen, wie man sie vom Hauptschiff ausgehend in den meisten Kirchen findet, erinnern. Dieses Konzept passt, denn wir befinden uns im Diözesanmuseum. Die „Seitenkapellen“ sind jeweils mit einer kleinen fast unsichtbaren Stufe vom zentralen Raum abgetrennt, ja auch mir ist es passiert, dass ich ein wenig stolperte, und ich genoss dieses Stolpern. Natürlich ist hier nicht der Zufall am Werk, denn mit Hilfe dieser kleinen „Denkhilfe“ findet eine deutliche Trennung der einzelnen Räume statt, die ihrerseits erneut eine Rhythmik erkennen lässt, welche zu einer körperlichen Reaktion nötigt, wenn auch nicht unbedingt Stolpern die Folge sein muss, so doch wenigstens die Schrittbewegung in den Raum hinein - aus dem Raum hinaus. Alles in allem wird das Ganze immer mehr zu einem postmodernen klösterlichen Erlebnis im besten Sinne. Die lange Treppe am Anfang, die kleinen Kabinette oder Seitenkapellen, die an „eckige Romanik“ erinnernde Gesamtstruktur, die trotz ihrer Bodenhaftung die gewisse Schwerelosigkeit vermittelt.

Nun zu einem einzigartigen Phänomen, welches mir in der Art fast noch nie zuvor begegnet ist: das dialektische Fenster. Wie es mit der Dialektik nun einmal so ist, so ist es auch mit den Fenstern in Kolumba. Die Fenster verlangen den gewissen Mut zur Schwerelosigkeit bevor sie einen philosophischen Blick auf das „da Draußen“ öffnen. Beinahe stockwerkhoch, mit einer etwa 10 cm Vertiefung vom Niveau des Fußbodens aus, öffnen sie sich über eine Fläche von mindestens 10 m² und geben den Blick frei auf Fragmente der Kölner Innenstadt. Die kleine 10cm Stufe hinab zum Fenster greift erneut das Konzept des Stolperns, des kurzen Moments der Schwerelosigkeit auf. Man blickt in verwinkelte Innenhöfe, auf die Oper hinter der Nord-Süd Fahrt, auf das Dischhaus, aber man hört nichts. Die Geräusche der tosenden Stadt bleiben außen vor, dies verstärkt das Gefühl des Entrücktseins. Einem Wanderer, vielleicht aus einem der Gemälde Caspar David Friedrichs gleich, darf man von erhöhter Position aus, ausnahmsweise den romantischen, verklärenden Blick auf die doch eigentlich so vertraute Stadtlandschaft werfen. Das ist schön, und eröffnet neue Perspektiven auf die Stadt.

Mit der Kunst im Rücken, den ewig tosenden Verkehrslärm vergessend, wird aus dem Opernvorplatz ein lebendiges städtisches Areal, wenigstens in der Phantasie. Würde man sich selbst dagegen von außen im Fenster stehend betrachten, so wäre man die zentrale Figur in einem Kunstwerk, denn aus der ansonsten vollkommen glatten Fassade ragen die Fensteröffnungen wie Bilderrahmen hervor. Deshalb nun auch gleich der Rat unbedingt einmal von außen um das Gebäude zu gehen und zu warten bis ein schwindelfreier Besucher sich im Fenster zeigt. Es gibt wenig zu kritisieren, das Konzept ist schlüssig, die Erscheinung des Gebäudekomplexes ist angenehm zurückhaltend, fast matt.

Für meinen Geschmack macht das zusätzliche elektrische Licht an der ein oder anderen Stelle leichte Probleme. Es handelt sich um gerichtetes Licht, so sieht man, tritt man vor ein Werk, das ein oder andere Mal seinen eigenen Schatten. Nun man könnte annehmen dies ist Teil eines Konzepts, denn schließlich erkennt sich der Besucher im Schatten den er auf das Werk des Künstlers wirft selbst. Allerdings ist der Effekt nicht wirklich konsequent durchgehalten worden. Möglicherweise ist es keine Absicht. Im Endeffekt hat es Nachteile, erkennt man manchmal doch nicht wirklich jedes Detail, also der Schatten stört und Schluss. Ebenso verhält es sich mit der Wandfarbe, deren Farbton ich nicht eindeutig identifizieren konnte, im Nachgang bleibt ein leicht schwammiger Eindruck, das Gefühl die Farbe sei ein wenig zu dunkel. Es stellt sich die Frage, ob es gut ist, wenn die Wandfarbe eines Museumsbaus einen Eindruck hinterlässt.

Mir persönlich fehlten auch etwas mehr Sitzgelegenheiten, vor allem in den Seitenkapellen. Als ich vor der Beuysschen Munitionskiste stand, wünschte ich mir eine Sitzgelegenheit, lehnte mich ein wenig an die gegenüberliegende Wand worauf mir eine freundliche Museumsmitarbeiterin sagte „Bitte nicht anlehnen“, als ich verstand, dass Sie es im Bezug auf die Wand und nicht im Bezug auf das Beuyssche Oevre anmerkte, nahm ich natürlich sofort Abstand, von der Wand.

 

Apropos Oevre. Wie Eingangs bereits angemerkt geht es in diesem Artikel nicht direkt um die Kunstwerke, denn beinahe jedes ausgestellte Werk verdient eine eigene Würdigung. Architektur und Kunst gehen niemals eine vollkommene Symbiose ein, und so sollte man beides, auch im Falle von Museumsbauten fein trennen. Die Kunst hat es leicht, denn sie muss nutzlos sein um gut zu sein. Die Architektur dagegen muss mannigfaltige Anforderungen erfüllen, von denen die meisten eher profaner Natur sind. Nun, Kleinigkeiten, die sich mit etwas Wandfarbe, einem Lichtexperten und ein wenig Möbelrücken leicht in den Griff bekommen ließen.

Kommen wir nun zu etwas völlig anderem, nämlich zur Archäologischen Zone, die sich im Erdgeschoss befindet. St. Kolumba ist ein äußerst geschichtsträchtiger Ort: Über römischen Bauten entstanden seit dem 7. Jh. mehrere Kirchenbauten, unter ihnen auch eine spätgotische 5-schiffige Basilika, die im 2. Weltkrieg weitgehend zerstört wurden.
Nach langjährigen archäologischen Ausgrabungen sind die Bodenfunde umfangreich dokumentiert, und nun in der „Archäologischen Zone“ zu bestaunen. Natürlich darf hier ein kleines kölsches Wunder nicht fehlen: Die Mauern der Pfarrkirche St. Kolumba wurden im Zuge des zweiten Weltkrieges beinahe vollkommen zerstört, allein eine Marienfigur blieb unversehrt und ragte aus den Trümmern. Letztlich um diese Marienfigur herum wurde ab 1950 eine kleine Kapelle nach Plänen von Gottfried Böhm errichtet. Im Volksmund war diese Kapelle aufgrund der Ereignisse auch als „St. Maria in den Trümmern“ bekannt. Es muss ein bewegendes Bild für die Überlebenden gewesen sein wie die Marienfigur aus den Trümmern ragte.



Man betritt die archäologische Zone durch eine doppelflügelige schwere Holztür im Erdgeschoss und ist sofort in einem surrealistisch anmutendem Szenario. Über einen Steg wandelt man über die Ausgrabungsflächen, die die Entwicklung des Ortes, und damit auch exemplarisch Kölns, dokumentieren. Von den Ruinen römischer Bauten bis hin zu den Fragmenten der spätgotischen Kirche finden sich hier die Zeugnisse einer bewegten urbanen Geschichte. In den Raum hinein ragt die Kapelle von 1950. Doch das eigentlich Beeindruckende der archäologischen Zone ist die totale Inszenierung des Raumes. In ein seltsames Halbdunkel getaucht ist man in einem Zwischenreich aus Drinnen und Draußen, aus Gegenwart und Vergangenheit.

In den Betonwänden befinden sich unzählige kleine fensterlose Öffnungen, durch die der Lärm des Draußen in den Raum dringt, gleichzeitig aber bleibt man visuell vollkommen abgeschottet, ist allein mit den Ruinen und dem Fragment der Böhmschen Kapelle.


Visuell Geschichte – Archäologie, die Zeugnisse der Vergangenheit und akustisch das tosende Leben der Gegenwart. Diese Kombination führt zu einem unvergesslichen Eindruck. Es ist im Grunde schwer möglich hier noch von bloßer Architektur zu sprechen, es geht nicht darum die Funde schlicht wissenschaftlich zu präsentieren, die gesamte Situation wird in eine Installation übersetzt, die nicht „raumgreifend“ sonden „Raum“ ist. Die Ausgrabungen werden voll und ganz in dieses Konzept integriert, ihre Bedeutung für die Stadtgeschichte wird gerade dadurch weit über einen wissenschaftlich, historischen Kontext hinaus in die sinnlich und emotional erfahrbare Sphäre gehoben, die eigentlich der Kunst vorbehalten ist. Die Archäologische Zone Kolumbas kann so durchaus als Kunstwerk bergriffen werden, in jedem Falle werden die Grenzen der Architektur gesprengt, an keiner Stelle ordnet sich die Architektur hier dem „Postulat des Nutzens, des bloßen Umhüllens“ unter. Sie löst sich hier voll und ganz in der Idee, in einem ästhetischen Konzept auf, welches die vorgefundenen Ausgrabungen abstrahiert und mit dem Klangteppich der Gegenwart gleichsam untermauert und zugleich „vergegenwärtigt“.

Die Abgase und der „Dreck“ des „Draußen“, sowie der Staub der Ruinen bilden eine feine, schwebende Festkörperstruktur. Das Licht fällt ebenfalls von außen durch die kleinen Öffnungen in der massiven Wand, man kann den Lichtstrahlen folgen, da Staub und Abgasdunst das Licht brechen. Als Empfehlung noch der Hinweis die archäologische Zone nach dem eigentlichen Museumsaufenthalt zu besuchen, und mindestens 30 Minuten in ihr zu verweilen.

Aber das ist natürlich Geschmackssache.

Kolumbastraße 4
D-50667 Köln
Jahreskarte € 20 (gültig ab Kaufdatum)Kolumbastraße 4
D-50667 Köln
täglich außer dienstags 12-17 Uhr

Eintrittspreise:
bis 18 Jahre frei
Erwachsene € 5 / ermäßigt € 3
Gruppenführungen: Aufgrund der großen Nachfrage können für dieses Jahr leider keine weiteren Termine vergeben werden. Ab dem 15. September können Sie Gruppenführungen für das erste Halbjahr 2009 buchen. Zu einer öffentlichen Samstagsführung können Sie sich auch jetzt unter 0221-933193-0 anmelden. Kolumbastraße 4
D-50667 Köln
täglich außer dienstags 12-17 Uhr

Eintrittspreise:
bis 18 Jahre frei
Erwachsene € 5 / ermäßigt € 3

keine Gruppenermäßigung







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