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25. 10. 2014
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Turner Preis geht an Susan Philipsz


08.12.2010 02:11 von:

Schlagwörter: Klanginszenierung, Klangkunst, Kunst, Musik, Turner Prize, Klanginstallationen

(TB) Die schottische Künstlerin Susan Philipsz hat den mit 25000 Pfund (30000 Euro) dotierten Turner-Preis gewonnen.

Warum bespricht man den Turner Preis auf "Köln-Nachrichten" - ganz einfach, nicht nur durch Karlheinz Stockhausen, sondern auch durch das weltweit renommierte Studio Akustische Kunst des WDR, unter der langjährigen Leitung von Klaus Schöning, aktuell Markus Heuger, entwickelte sich in der Rheinmetropole ein regelrechter Schwepunkt für Arbeiten die Raum zur Klanginszenierung nutzen. Da der Turner diesmal an eine Arbeit an der Schnittstelle zwischen Musik und Klangkunst geht,  hören wir mal rein.

Der prestigeträchtige Kunstpreis wurde Susan Philipsz am Montagabend in der Londoner Tate Gallery von der Modedesignerin Miuccia Prada überreicht.

Jasmine Maddock, ist Sprecherin der Künstlergruppe, "STUCKISTS" (Stuckisten) sie fasst das verhaltene Aufsehen, welches die diesjährige Preisverleihung begleitet so zusammen: „Das ist keine Kunst, das ist Musik. Man vergibt doch den Mercury-Musikpreis nicht an Maler. Man sollte auch nicht den Turner-Preis an eine Sängerin vergeben.“ Allerdings ist diese Kritik Programm der Stuckisten, wenden sie sich doch explizit, zum Teil polemisch, gegen Konzeptualisierung, Theorie und Grenzgänge, um "Authentizität" zu wahren. Eigentlich regten sich also vor allem Vertreter eines sehr traditionellen Kunstbegriffes auf, warum die sich nun gerade den Turner rauspicken bleibt ihr Geheimnis.

Was ist bildende Kunst? Eigentlich eine überflüssige Frage, eine Frage, die Grenzen hochzieht, anstatt sie einzureißen. Allerdings meine ich, dass eine Unterscheidung zwischen Klangkunst und Musik interessant und sinnvoll ist, denn wenn Alles alles ist, dann ist am Ende eben auch Alles garnichts und es bliebe nurmehr ein indifferentes Rauschen, eine Beliebigkeit ohne Schärfe, ohne Brillianz und Präzision.

Susan Philipsz bleibt in machen Werken mindestens nahe an der Musik, von aussen betrachtet, was sie selbst dazu sagt ist eine andere Frage, will sie es als bildende Kunst verstanden wissen, ist die Unterscheidung für sie selbst wichtig? So ist die Frage, die durch den Turner-Preis dieses mal ausgelöst wird weniger eine Frage danach ob man Klängen/Gesang den Turner geben kann, als vielmehr eine Frage danach wo Klangbildhauerei anfängt und Musik aufhört. Beantworten kann man diese Frage nur durch genaues Erörtern jedes einzelnen Werkes, nicht aber durch die Beurteilung ganzer Oeuvres. Ausgerechnet das Werk an den der Turner-Preis diesmal ging arbeitet nun aber weniger vorgefundene Klänge heraus, als dass es mit den Mitteln eines alten schottischen Liedes kommentiert, sicher also ein Grenzfall. Für die Turner Ausstellung wurde „Lowlands“ neu konzipiert, indem ein ansonsten leerer Raum mit drei verschiedenen Aufnahmen des schottischen Klageliedes „Lowlands Away“ gefüllt wurde.

Man muss hier auch sehen, dass es eine Art "Traditionslinie" in der britischen Kunst gibt, die Orte mit abstrahierten Gesängen konfrontiert. Bethan Huws (* 1961 in Bangor, Wales) ist eine walisische Objektkünstlerin, die zum Beispiel in „Singing for the See" (1993) ebenfalls Gesänge ins Museum brachte, allerdings singt sie nicht selbst – sie lässt singen, was den objektorientierten Ansatz unterstreicht.

Die Auszeichnung der Arbeit von Susan Philipsz ist vor allem deshalb eine gelungene Wahl, weil sie bewusst macht, dass man keine Eingrenzung des Materials und der Ausführung vornehmen sollte, wenn man Menschen mit Kunst konfrontieren will. Es geht darum Menschen zum Fühlen, zum Denken, zum Erleben anzuregen, eine Begrenzung würde auch den Menschen begrenzen und Kunst zu einem toten, abgekapselten Gegenstand machen. Darüberhinaus kann man einem Künstler kaum vorschreiben welches Material er verwenden soll, wer weiss was passiert wäre, wenn jemand die Geräusche die Picassos Pinsel beim Auftragen der Farbe auf die Leinwand machte aufgezeichnet hätte.  Diesen Anspruch an die Kunst zu unterstützen ist der eigentliche Ansatz des Turner-Preises, genauso wie die Betonung der Grenzgänge. Bekanntlich sagt ein Kunstpreis mehr über die verleihende Institution als über den Preiträger, und so ist sich der Turner auch diesesmal treu geblieben, und das ist auch gut so.

Für Stimmung sorgten allerdings mehr oder weniger aufgebrachte Studenten, die die champagnerseeliege Preisverleihung störten um auf die desaströse Lage des Britischen Bildungs- und Kulturapparates hinzuweisen. Susan Philipz erklärte sich mit den Kunststudenten solidarisch "Ich bin mit dem Herzen bei ihnen. Ich unterstütze sie wirklich." Man ließ die Studenten weitgehend gewähren. In der B-Note blieben sie dabei allerdings weit hinter den Studenten zurück, die aufgrund der Erhöhung der Studiengebühren am 10. Nov. 2010 die Zentrale der Torys in London kurzerhand stürmten.

Nicholas Serota, der Direktor der Tate-Gallery sagte, "Jeder der sich für Kunst interessiert sollte sich wirklich Sorgen über die Kürzungen im Hochschulbereich machen. Kunsthochschulen sind Laboratorien aus denen die zukünftigen Gewinner des Turner-Preises hervorgehen." Bob und Roberta Smith beschrieben die Kürzungen in Groß-Britannien gar als "schlimmsten Einschnitt seit den Bücherverbrennungen der 1930er Jahre", was aus Deutscher Sicht, dann doch recht überzogen klingt, und den Natinalsozialismus verharmlost, ging es dort sicher nicht um Etat-Kürzungen, sondern um die Ausmerzung unliebsamen Gedankengutes durch ein Terrorregime. So bleibt in jedem Fall festzuhalten, dass es die Politik war, die in diesem Jahr den Turner um die üblichen Skandälchen bereicherte.

Neben dem Eingangs erwähnten Studio Akustische Kunst des WDR befindet sich mit dem Klanglabor der Kunsthochschule für Medien auch eine Lehreinrchtung der Klangkunst in Köln. Die Arbeiten, die hier in der Regel entwickelt werden sind allerdings sehr, sehr deutlich abgesetzt von traditioneller Musik. Wer mag kann sich zum Beispiel die KlangInstallation „Groma“ im Rheinauhafen Köln anschauen, hier war das Klanglabor der KHM als Förderer beteiligt.

Also Köln hat einiges zu bieten was die Klangkunst angeht, dass es hier nun relevante Diskussionen darüber gegeben hätte ob das nun Kunst oder Musik ist, daran kann ich mich nicht erinnern.

 







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