25. 05. 2012
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Theater macht sich und Leni Riefenstahl den Prozess
Jeder ist schuldig, jeder Mensch ist Täter und Opfer zugleich – ein resignierendes Nicht-Urteil am Ende der „Kölner Prozesse“ über die Verstrickung der Leni Riefenstahl in die Verbrechen des Nationalsozialismus? Zumindest ist es das Fazit nach einer gründlichen Untersuchung des allgemeinen Problems von Schuld, Sühne und Verantwortung, das sich die Theatergruppe „Analog“ in ihrem Stück „Leni Riefenstahl“ vorgenommen hat.
Ein letztlich jedoch unbefriedigendes Fazit, über das allerdings der facetten- und einfallsreiche Blick von Autor und Regisseur Daniel Schüßler sowie die hervorragende Leistung des Darsteller-Quartetts Dorothe Förtsch, Mirco Monshausen, Ingmar Skrinjar und Rabea Wyrwich mehr als nur hinwegtrösten. Dafür gab‘s den verdienten Premierenbeifall ind er Studiobühne.
Die enge Verbindung zu Hitler hat Riefenstahl geleugnet
Wer war Leni Riefenstahl, die 2003 im Alter von 101 Jahren starb, und wie ist ihre Kunst zu bewerten? Sie war Hitlers Lieblingsregisseurin, ihre film-ästhetische Umsetzung der Reichsparteitage und der Olympischen Spiele 1936 in Berlin war die perfekte Interpretation des faschistischen Körperkults. Nach 1945 verleugnete sie ihre engen Verbindungen zu Hitler, bezeichnete ihre Kunst als unpolitisch und neutral.
Eine Auffassung, der sich auch heute noch viele anschließen. Ihren Anhängern gab sie neue Munition, als sie in den 1970er Jahren ein neues Objekt für ihre Körper-Verherrlichung entdeckte: die Nuba in Afrika, „dem Ariertum weit überlegen“, wie es bitter-ironisch kommentiert wird. Auch als Tanzlehrerin von Hitler, als „Ausdruckskletterin“ und „Reichsgletscherspalte“ wird Riefenstahl genüsslich und zur Freude des Publikums attackiert.
Chor besingt den Mörder als Hoffnung der Frauen
Aber gibt es nicht tatsächlich eine Ästhetik der Macht? Und sind Frauen nicht anfällig für mächtige Männer? Zu erstem gibt es einen Diskurs auf der Bühne, Letzteres wird auf höchst faszinierende Weise illustriert: Ein Film zeigt einen stimmgewaltigen Chor, der die bombastische, an Wagner erinnernde Oper „Mörder, die Hoffnung der Frauen“ von Hindemith und Kokoschka singt, die Schauspieler grimassieren den Gesang dazu.
Oper aber, so heißt es im Anschluss, sei lediglich eine Nutte der jeweiligen Verhältnisse. Und das führt dazu, dass sich die Schauspieler selbst und ihr Theaterspielen in Frage stellen: Kann man auf der Bühne Riefenstahls komplexer Persönlichkeit gerecht werden? Und wo bleiben da die Frauenfrage, die Globalisierung, der Tierschutz und der Klimaschutz? Schließlich hängt doch alles mit allem zusammen.
Das das alte links-engagierte Polit-Theater lebt – oder nicht?
Da lebt das alte links-engagierte Polit-Theater der 1920 und 1970er Jahre auf mit sich wiederholenden Wortreihen, mit rhythmischem Sprechen und Füßestampfen, sich und das Publikum mit gespieltem Aus-der-Rolle-Fallen hinterfragend. Aber schließlich muss sich das Theater immer wieder aufs Neue hinterfragen und dabei auch die alten Mittel aufs ihre Wirksamkeit überprüfen. Wer sich dieser Diskussion entziehen will, darf sich am Schluss eine Brille aufsetzen, die alles in schillernden „Traum“-Farben zeigt.
Dieser „Kölner Prozess“ wird nicht unbedingt in die Geschichte eingehen wie die „Nürnberger Prozesse“. Aber er ist ein wichtiges Mosaiksteinchen in der Themenreihe der Studiobühne, die sich immer wieder mit den Biografien von Menschen zwischen Kunst und Politik auseinandersetzt.
„Leni Riefenstahl - Die Kölner Prozesse“ – weitere Termine: bis 10.1., dann wieder 21. bis 25.3., jeweils 20 Uhr, Studiobühne, Universitätsstr. 16 a, 50937, Köln, Karten: 0221 / 470 45 13. Weitere informationen erhalten sie auch im Internet unter: www.studiobuehnekoeln.de.



























