25. 05. 2012
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Ismene zwischen Anpassung, Widerstand und den Tücken der Technik
(ehu) Widerstand oder Anpassung? Wer hat die Macht und wer die Moral auf seiner Seite? Es sind klassische Menschheitsfragen, schon die antiken Dichter machten sie zu ihrem Thema. Das reizt immer wieder, ihre Theaterstücke der aktuellen Zeit anzupassen. So auch – frei nach Sophokles – „Der Ismene-Komplex – Psychose 2011“ im Theater im Bauturm. Doch die Inszenierung verhebt sich im hohen Anspruch, verzettelt sich in möglichen Interpretationen und verfängt sich – zumindest in der Premiere – in den Tücken der Technik.
Widerstand und Anpassung – in der griechischen Sagenwelt werden sie durch Antigone und Ismene verkörpert. Ihre Brüder haben sich im Kampf um die Macht in Theben gegenseitig erschlagen. Die Leiche des einen wird mit allen Ehren begraben, die andere soll im Staub verrotten und von den Hunden zerrissen werden. So hat es Kreon befohlen, Onkel der Schwestern und nun König von Theben. Wer sich diesem Gebot widersetzt, wird gesteinigt. Antigone fühlt sich dem toten Bruder verpflichtet und will ihn beerdigen. Ismene dagegen fühlt sich eher wohl im Schutze der Gesetze.
Die Beweggründe der drei Protagonisten werden gründlich beleuchtet
Antigone (Regina Welz), Ismene (Ana Bolena Ramirez), Kreon (Till Brinkmann): Hiltrud Kissel (Konzeption, Text und Regie) beleuchtet diese drei Personen von allen Seiten, lässt sie zweifeln, zögern, glatt und gradlinig ist da nichts. Welche Argumente gibt es – positive und negative, welche Rolle spielt die Persönlichkeit? Da wird tief in die Zitatenkiste gegriffen: Rifkin, Kane, Luxemburg, Sloterdijk und natürlich Sophokles, dessen „Antigone“ den Steinbruch liefert.
Das ist zuweilen arg kopflastig, manchmal aber auch mitreißend körperlich. Besonders die Auseinandersetzungen zwischen dem wuchtigen Kreon und der zierlichen Antigone sind von äußerster Energie und Symbolkraft. Der dreifache schweißtreibende Einsatz ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass das Publikum bei der Stange bleibt.
Bei der Premiere haperte noch manches – das kann nur besser werden
Geplant ist das Stück mit offenem Ausgang: Die Zuschauer sollen mitwirken. Dazu fällt das Bühnentrio bisweilen aus der Rolle und fordert sie auf, sich mit seinen (internetfähigen) Handys über Facebook einzumischen. Gleichzeitig wird es über eine Live-Kamera mit einbezogen. Das muss wohl so sein, will ein Stück am Puls der Zeit sein.
Das ist zum einen ein Bild für die moderne Mediennutzung im Allgemeinen, zum anderen eine Hommage an die Arabischen Revolutionen, bei denen Facebook und Handykameras eine wichtige Rolle spielen. Doch weder die Technik funktionierte noch der Dialog Bühne-Publikum: Das kann nur besser werden. Dann lohnt es sich – für beide Seiten.
„Der Ismene-Komplex – Psychose 2011“ – weitere Termine: 19.-21.1., 26.-28.1., 2.-4.2., jeweils 20 Uhr, Theater im Bauturm, Aachener Str. 24-26, 50674 Köln, Karten: Tel. 0221 / 52 42 42. Weitere Infomationen finden sie auch im Internet unter: www.theater-im-bauturm.de.


























