25. 05. 2012
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Kleists Sprachkunst in Sprechkunst verpackt
Mit einer faszinierenden Interpretation der besonderen Art ehrt das Schauspiel den Schriftsteller Heinrich von Kleist. Laurent Chétouane hat sich dessen Erzählung „Das Erdbeben in Chili“ ausgesucht, das er in der Halle Kalk mit zwei Schauspielern, einer Schauspielerin und einem Musiker inszeniert.
Did Sprachkunst steht dabei im Mittelpunkt. In wechselnden Rollen wird der Text vorgetragen: Langsam, mit langen Pausen, deutlich akzentuiert, sachlich, von moderater Modulation geprägt, kaum dramatisch verzerrt. So erschließt sich dem Zuschauer, der mehr ein Zuhörer ist, die Sprache Kleists in besonderer Eindringlichkeit – ein ebenso sachlicher Stil, mit genauen Beobachtungen, oft mit kompliziert aufgebauten Sätzen.
Von der Natur vorm Tod gerettet, von den Menschen erschlagen
Kleist erzählt eine Geschichte über den Zusammenprall von Chaos und Ordnung, von Gesetz und Moral, Menschlichkeit und religiösem Fanatismus, Religion und Aufklärung, Glaube und Vernunft. Es ist die tragische Liebesgeschichte von Jeronimo und Josephe. Beide haben das Erdbeben überlebt, das 1647 die chilenische Hauptstadt Santiago zerstörte und ein Drittel der Bevölkerung in den Tod riss.
Beide waren zum Tode verurteilt, weil ihre Liebe, die einen Sohn zur Folge hatte, gegen die geltende Moral verstieß. Doch das Schicksal – oder die göttliche Vorsehung? – holt sie ein: Kurz nach ihrer Rettung durch die Naturkatastrophe werden sie von der geifernden Menge erschlagen. Ein Menschenopfer um den zürnenden Gott zu versöhnen, der die Stadt wegen ihrer Sündigkeit zerstörte.
Chétouanes visuelle Begleitmusik hinterlässt zwiespältige Gefühle
Doch so ganz scheint Chétouane dieser Geschichte, diesem Text und der Sprechkunst seiner Akteure nicht zu trauen. Und schließlich will der Zuschauer nicht nur hören, sondern auch etwas sehen. So schickt er Marie Rosa Tietjen, Jan-Peter Kampwirth und Philipp Gehmacher mit ihrer weißen Sportfechterkleidung hin und her über die leergeräumte, schwarze Bühne. Die Choreographie ist undurchschaubar, ebenso die sparsamen Gesten.
Das ist nicht unbedingt störend, lockert im Gegenteil die strenge Lesung auf. Es schrammt aber hart an der Kitschgrenze vorbei, wenn der Text „illustriert“ wird, etwa ein Schauspieler zum Baum wird, unter dem die Liebenden Schutz gesucht haben, wie es Kleist erzählt. Gleiches gilt für Leo Schmidthals‘ Gitarrenmusik: Bombastischer Lärm untermalt die Schilderung des Erdbebens, romantisch leise wird es in der Nacht.
Trotzdem: Die Augen schließen sollte der Zuschauer nicht. Oder doch – um sich ganz auf Text und Sprache konzentrieren zu können?
„Das Erdbeben in Chili“ – weitere Termine: 31.1., 1.2., 4.2., 6. und 7.2., 9. bis 11.2., 22. bis 24.2., jeweils 19.30 Uhr, Halle Kalk, Neuerburgstraße, Köln-Kalk. Karten: Kartenservice im Opernhaus, Offenbachplatz, 50677 Köln, Mo-Fr 10-18.30 Uhr, Sa 11-18.30 Uhr, Tel. 0221 / 22 12 84 00, Mailadresse: tickets@buehnenkoeln.de sowie im Internet unter: www.schauspielkoeln.de.


























