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25. 05. 2012
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Molieres "Geizigen" auf den Kopf gestellt


12.09.2011 16:12 von:

Schlagwörter: Köln,Theater der Keller,Moliere,Der Geizige,Peter Licht,Gehle,Afrika,Knete,Penun

(ehu) Geld muss sich bewegen, darf sich nicht abkühlen, betet Cléante das Wirtschafts-ABC nach. Und deshalb soll sein Vater gefälligst mit der Knete, dem Kies, dem Schotter, den Penunzen herausrücken: "Geld muss morphen: Von deiner Kohle zu meiner Kohle". Doch Vater Harpagnon denkt gar nicht daran: "Wer mein Geld will, will an meine Lebenszeit." Er spendet lieber für arme Kinder in Afrika. Harpagnon und Cléante – sind das nicht Vater und Sohn aus Molières Klassiker "Der Geizige"? Richtig, doch das Stück von PeterLicht hat im Wesentlichen nur den Titel und eben die Personen gemeinsam, er stellt es gleichsam auf den Kopf. Dem Premierenpublikum im Theater der Keller hat es gefallen, es spendete langen Beifall.

Gelangweilt füllen Cléante (Mateusz Dopieralski), seine Schwester Elise (Sarah Härtling) und deren beiden Freunde La Fleche (Bastian Sesjak) und Valère (Götz Vogel von Vogelstein) die Bühne. Der Sohn würde gerne irgendwas – aber was? – machen, wenn er denn nur Geld hätte. Die Tochter fühlt sich ganz einfach "bäng" und blüht nur auf, wenn es um Mülltrennung geht. Die beiden anderen sind auch nicht besser. La Fleche hat immerhin die Idee, dass sich Clèante als Negerkind ausgibt. Er würde ihn dann als "Patenkind" vermitteln, Gewinnaufteilung 70:30 für ihn. Coole Jugendsprech-Phrasen ersetzt die Sprache Molières, sehr zum Vergnügen des Publikums.

Reich wird, wer die Zahnpasta in die Tube zurück stopfen kann

Da ist Geizkragen und Konsumverweigerer Harpagnon (Richard Hucke) – anders als im über 300 Jahre alten Original – durchaus sympathischer. Auch wenn er detailreich schildert, wie er die Zahnpasta wieder zurück in die Tube befördern kann, und wie er die leere Tube um zu sparen am liebsten gar nicht wegschmeißen würde. Aber schließlich braucht er das Geld für seinen Lebensabend – siehe oben. Stückeschreiber PeterLicht nennt es nicht beim Namen, aber sein Harpagnon ähnelt den modernen Alten, die – und das gilt heute nicht unbedingt als unmoralisch – ihr Geld lieber ausgeben als es zu vererben.

Wer im Alter seine Pflege bezahlen muss, kann nichts mehr vererben

Und könnte er sich denn im Pflegefall auf seine Kinder verlassen, die nicht einmal im Haushalt helfen wollen? Stattdessen rechnet Cléante vor, wie teuer die Pflege wäre. Hinausgeworfenes Geld, das ja woihl den Erben zustände – siehe oben. Auch wenn er sich bescheiden gibt: "Nö, ich brauch das Geld nicht, aber jetzt sofort wäre schon super!". Wie sonst sollte er seinen Konsumrausch befriedigen. Seinem Vater wirft er vor, in der Analphase stecken geblieben zu sein – und nichts herausdrücken zu wollen.

Das Stück beginnt rasant, lässt aber gegen Ende nach, wenn sich die Auslassungen und Erklärungen zum Kapitalismus, ein Lieblingsthema von PeterLicht, häufen. Eine schlüssige Regie aber (Intendantin PiaMaria Gehle) und ein rundum gutes Ensemble (dazu noch Amely Draeger als schräge Onkeltante) halten das Publikum bis zum Schluss bei Laune, bis auf Richard Hucke alles Absolventen der "Schule des Theaters". Ein guter Jahrgang.

"Der Geizige" – weitere Termine: 13., 17., 18.9., jeweils 20 Uhr, Theater der Keller, Kleingedankstr. 6, 50677 Köln, Karten: Tel. 02 21 / 31 80 59 (Mo-Fr 10-17 Uhr),







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