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25. 05. 2012
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Othello zwangsmodernisiert


22.12.2011 17:00 von:(ehu)

Schlagwörter: Köln,Theater der Keller,Othello,Zaimoglu,Fotze,schwul,Minderheit,2011

Ein Mann will nach oben, und dafür ist ihm jedes Mittel recht. Kalt, berechnend und buchstäblich über Leichen gehend – so glaubt Jago sein Ziel zu erreichen. Auch die Liebe ist ihm nur Mittel zum Zweck. Wobei es ihm nie um Gefühle geht, sondern nur ums „Ficken“. Frauen sind für ihn „Fotzen“ und Männer, die ihm im Weg stehen, „Schwule“. Die drastische Sprache, manche würden es Fäkalsprache nennen, ist das Markenzeichen der „Othello“-Inszenierung von Stefan Nagel im Theater der Keller.

Ihr zu Grunde liegt die Neufassung von Shakespeares Klassiker durch Feridun Zaimoglu und Günter Senkel, die vor fast einem Jahrzehnt ihre Uraufführung hatte. Sie bedient sich einer Alltagssprache, die durchaus kein Phantasieprodukt ist – man brauche nur einmal ein Fußballspiel oder einen Schulhof während einer Pause besuchen. „Schwul“ ist dort ein häufiges gebrauchtes Schimpfwort. Doch wirkt die „Modernisierung“ höchst gewollt und aufgesetzt, darüber können auch einige Lacher über Zoten und Schlüpfrigkeiten nicht hinwegtrösten. Trotzdem entwickelt sich die Geschichte von Machtstreben und Eifersucht mit innerer Konsequenz.

Jago spinnt eine Intrige – und am Ende siegen bei Othello die Zweifel

Kurz zusammengefasst: Jago will Othellos Stelle einnehmen. Der siegreiche General hat gerade die erheblich jüngere Desdemona geheiratet. Jago spinnt eine Intrige, verleumdet Desdemona bei Othello, sie habe ein Verhältnis mit dessen Leutnant Cassio. Othello will das zunächst nicht glauben, doch die Zweifel werden stärker, eifersüchtig erwürgt er seine Frau. Jago hat zuvor einen Helfer und Cassio ermordet.

Dass die Geschichte trotz der aufgestülpten Sprache glaubhaft wirkt, ist den disziplinierten Schauspielern zu verdanken. Da ist Othello, gespielt von Josef Tratnik, der mit seiner Figur und seiner weißen Uniform jedes Bild dominiert: Der einzige Mensch, der nicht nur vernünftig spricht, sondern auch vernünftig handelt – zumindest so lange, bis die Eifersucht nicht obsiegt. Aalglatt sein Gegenüber Makke Schneider als Jago, skrupellos, geschmeidig, ein eitler, selbstverliebter Gockel.

Am Ende gehen den Ballons die Luft aus – und die Liebe liegt am Boden

Sarah Härtlings Desdemona ist eine junge Frau, angezogen von Macht und Alter, die an die große Liebe glaubt und Othello treu bis zum Tod ist. Glänzen darf auch Emanuel Fleischhacker: Er spielt gleich zwei Rollen, die er selbst in einem Solo-Auftritt blitzschnell wechseln kann. Einmal ist er Cassio, der auf Jago hereinfällt, dann wieder Rodrigo, der einfältige Gehilfe Jagos, der diesem glaubt und – lästig geworden – ermordet wird. Gegen dieses Quartett hat es Viktoria Klimmeck in ihrer eher knappen Rolle als Jagos enttäuschte Ehefrau schwer, sich zu behaupten.

Neben der Geschichte vom tödlichen Karrierestreben ist „Othello“ auch die Geschichte von der Verletzlichkeit der Liebe: Othello mag sich noch so sehr wehren, am Ende erliegt er den Zweifeln und wird zum Mörder aus Eifersucht. Symbolisiert wird dies durch ein poetisches „Bühnenbild“: Die leere schwarze Bühne wird lediglich geschmückt durch Dutzende gasgefüllte Luftballons in Herzform, die unter der Decke hängen. Im Laufe der Vorstellung sinken immer mehr zu Boden, bilden schließlich noch das Bett für Desdemona – es kann sie nicht retten.

„Othello“ – weitere Termine: 23.12., 28. bis 30.12., 11. bis 13.1.2012, jeweils 20 Uhr, Theater der Keller, Kleingedankstr. 6, 50677 Köln, Karten: Tel. 02 21 / 31 80 59 (Mo-Fr 10-17 Uhr)







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