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25. 05. 2012
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So schön besoffen war „Herr Puntila“ noch nie


18.02.2012 17:55 von:(ehu)

Schlagwörter: Puntila,Theaterkritik,Charlie Huber,Schauspiel

Eine rutschige Inszenierung: "Herr Puntila und sein Knecht Matti" im Schauspiel Köln. Foto: David Baltzer / Schauspiel Köln

Einen Betrunkenen spielen – das ist für jeden Schauspieler eine Herausforderung. Auch für Charly Hübner. Er macht daraus eine einzigartige Klamotte, torkelt über die Bühne, wälzt sich auf dem Boden, slapstickt und lallt, greift sich in den Schritt und geht den Damen lustbockig an die Wäsche. Als „Herr Puntila“ ist er zweifellos der Mittelpunkt in Herbert Fritschs Inszenierung von Berthold Brechts Volksstück im Schauspiel Köln.

Zwischentöne sind da nicht gefragt. Auch nicht, wenn Puntila wieder nüchtern ist. Da wird aus dem rührseligen, genusssüchtigen Menschenfreund der knallharte Kapitalist, auf jeden Pfennig aus und gnadenlos gegen seine Angestellten und seine Tochter Eva, die er – gegen ihren Willen – verheiraten will.

„Herr Puntila und sein Knecht Matti“, entstanden 1940 im finnischen Exil, ist eine Parabel über den Gegensatz von oben und unten, reich und arm, eben von Herr und Knecht. Eine für Brecht ungewohnt lustig erzählte Geschichte. Fritsch überdreht das alles, verwandelt es in eine bunte Revue, bei der die Brechtsche Moral mit der Lupe gesucht werden darf.

Auch Josephine Baker hat sich in das Brechtsche Volksstück verirrt

Macht aber nix, denn die Bühnenshow hat es in sich. Nicht nur, wenn Solo-Pianist John R. Carlson Brecht im schwarzen Triko mit einem Bananenröckchen à la Josephine Baker die Musik von Paul Dessau spielt und dafür Szenenapplaus einheimsen darf. Neben dem bulligen Hübner, bekannt als „Polizeiruf 110“-Kommissar, sorgen die anderen Ensemblemitglieder, grotesk kostümiert und in aufgedrehter Spielfreude, für die reichlichen Lacher. Insbesondere Maik Solbach als leicht tuntiger Diplomat, der sich vergeblich Hoffnung auf Eva macht. Angelika Richter als Eva und schließlich Michael Wittenborn als Knecht Matti, immer nüchtern, immer gehorsam, näselnd, ein verkrampfter Proletarier.

Statt finnischer Birkenwälder füllen Palmen die Bühne – Urlaub unter südlicher Sonne, all inklusive, vor allem Alkohol. Davor eine kurvige Rutschbahn, hinauf geht‘s schwer, abwärts nicht immer, wenn man sich im Geländer zu verhaken weiß. Vielleicht steckt darin dann doch noch eine versteckte Botschaft. Muss aber nicht – das Stück macht einfach Spaß. Seine Erwartungen an Brecht sollte der Zuschauer aber vorher an der Garderobe abgeben.

„Herr Puntila und sein Knecht Matti“ – weitere Termine: 24. und 25.2., 3.3., 10. und 11.3., 20.3., 28.3., jeweils 19.30 Uhr, Schauspielhaus, Karten: Kartenservice im Opernhaus, Offenbachplatz, 50677 Köln, Mo-Fr 10-18.30 Uhr, Sa 11-18.30 Uhr, Tel. 0221 / 22 12 84 00, tickets@buehnenkoeln.de, www.schauspielkoeln.de







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