25. 05. 2012
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Vom Nasenhaarentferner zum Seitensprung
Nein, eine Message hat die Boulevard-Komödie „In jeder Beziehung“ nicht. Versichert jedenfalls Rampensau Jochen Busse am Schluss. Und wenn doch? Dann ist sie mit viel Witz und Tempo verpackt. Immerhin geht es um durchaus gewichtige Themen wie Routine in der (ehelichen) Liebe, um Befreiungsversuche, um die Suche nach sexueller Erfüllung. Dass alles happy endet, ist selbstverständlich – und wurde im Theater am Dom vom Premierenpublikum begeistert gefeiert.
Boulevardtheater als Ehe- und Lebensberater? Warum eigentlich nicht. Paul (Jochen Busse) und Leah (Claudia Rieschel) feiern ihren 24. Hochzeitstag. Sie schenkt ihm einen Nasenhaarentferner. Er hat das Datum – typisch Mann – vergessen und erfindet schnell einen Gutschein. Für einen elektrischen Fußwärmer. Beide fühlen sich glücklich, wären da nicht die Freunde Katja (Monica Kaufmann) und Dieter (Marko Pustisek). Sie schwärmen von ihrem Single-Dasein, von den wechselnden Partnern und der Liebeslust.
Zwischen ehelicher Pflichterfüllung und heimlichen Sex-Träumen
Das wirkt – und das Ehepaar beginnt an seinem Glück zu zweifeln. Ist es nicht wirklich nur noch Routine? So erklären sie sich zu einem „geplanten“ Seitensprung bereit, den die Freunde bereitwillig arrangieren. Doch die das kann trotz gründlicher Vorbereitung nur schief gehen. Wieder sehr zum Vergnügen des Publikums. Und so können am Ende Paul und Leah ihren 25. Geburtstag feiern, Katja und Dieter sind ein Pärchen geworden und auch Sandy (Kerstin Radt) und Pekko (Fabian Goedecke), als Seitensprungpartner vorgesehen, haben zusammen gefunden. Friede, Freude, Eierkuchen – es lebe die dauernde Zweierbeziehung.
Der Weg zu dieser Erkenntnis ist mit Pointen und Gags gepflastert, die dem Publikum kaum Zeit zum Atemholen lassen. Die mit Lokalkolorit angereicherte Witzdichte, die das Autorenteam Dietmar Jacobs und Lars Albaum liefert, dürfte so schnell nicht zu überbieten sein. Mag die Handlung, die boulevardtypischen Irrungen und Wirrungen inklusive, auch den ein oder anderen Haken schlagen – alles ist stimmig und von Horst Johanning mit Rasanz und perfektem Timing inszeniert.
Langer Premierenbeifall belohnt die rundum gelungene Ensemble-Leistung
Fast scheint es, als sei das Stück auf Jochen Busse und sein Komödianten-Können zugeschnitten: Als pedantischer Banker zieht er alle Register der Verklemmtheit. Er darf sogar in einer Solonummer tagesaktuelles politisches Kabarett geben und sich über Sex und Macht und Politik auslassen. Auch wenn er sich direkt ans Publikum wendet, sind ihm die Lacher sicher.
Doch die anderen können sich gegen ihn behaupten und dem Affen ganze Zuckerrüben geben: Claudia Rieschel als seine intellektuell-gewitzte Ehefrau mit dem Gespür für Gefühle, Monica Kaufmann als der ewigen Jugend nachjagende Ehefeindin, Marko Pustisek als Möchtegern-Frauenverführer. Lediglich Kerstin Radt als moralisch aufrechte Frisöse und Fabian Goedecke als Tennislehrer, der seinem Lotterleben abgeschwört hat, kommen wegen ihres späten Auftritts etwas zu kurz.
„In jeder Beziehung“ – bis 6. Mai, täglich 20 Uhr, sonntags auch 17 Uhr, Weiberfastnacht, Karnevalssonntag bis Karnevalsdienstag geschlossen, Theater am Dom, Opern-Passagen, Glockengasse 11, 50667 Köln. Karten: Theaterkasse 0221 / 258 01 53, Internet: www.theateramdom.de sowie KölnTicket, Tel. 0221 / 28 01


























