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25. 11. 2014
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Als es noch Rechenschieber gab


08.11.2010 15:49 von:

Schlagwörter: Köln,Lange Nacht,Museum,Festung,StadtRevue,Glühwein,Gothaer,Rechenschieber,Unive

(js) Kalt war es und feucht, trotzdem hatten sich schon vor dem offiziellen Beginn der "11. Langen Nacht der Kölner Museen" lange Schlangen vor den Veranstaltungsorten gesammelt. Auch vor dem eher abseits gelegenen "Zwischenwerk VIII B" in Rodenkirchen stand eine kleine Gruppe Interessierter. Mit Erstaunen erfuhren sie dann von den Bedingungen, unter denen die Soldaten in dem preußischen Festungswerk leben mussten. Etwa dass nur in der Nacht gekocht wurde, damit keine Rauchwolken gesehen werden konnten. Zu Mittag gab es dann wohl bestenfalls lauwarme Küche. Oder dass sich die Architekten verplant hatten und Schießscharten so angelegt hatten, dass sich die Festungsbesatzung gegenseitig erschießen konnte. Auf dem Dach der Anlage konnte man derweil Bogenschießen üben. Ein Sportverein hatte dazu eingeladen.

Der Verein, der das Kölner Festungsmuseum betreibt, hatte zum ersten Mal an der Langen Nacht teilgenommen. Und die war für die Ehrenamtler sehr lang: Erst um vier Uhr morgens hatte man wenigstens notdürftig wieder alles in Ordnung gebracht. der Sonntag wurde dann für die Demontage der elektrischen Anlagen genutzt. Doch Vereinschef Robert Schwienbacher war "rundum zufrieden": "Wir hatten fast 1000 Besucher. Und es lief besser als am Tag der Forts." Lediglich die Spendenbereitschaft ließ zu wünschen übrig, der Glühweinverkauf lief dafür um so besser.

Von Rodenkirchen fuhr ein Shuttle-Bus zu einem anderen Neuling der Museumsnacht. Die Gothaer Versicherung in Zollstock hatte eigens eine Ausstellung über die Firmengeschichte und die Geschichte der Versicherungen aufgebaut. Zu sehen waren u.a. Email-Werbeschilder, Versicherungsmarken, historische Policen , ein Rechenschieber (wer weiß noch, wie man damit umgeht?) und – das gefiel besonders – nostalgische und aktuelle Werbefilme, auch von der Konkurrenz. Tröstlich zu wissen, dass für "Ordnung und Sicherheit an jedem Tag" auch in der DDR gesorgt war. Mehr als nur musikalische Untermalung war die Berliner Jazz-Sängerin Lisa Bassenge.

Danach mit dem Bus der Besichtigungstour 4 "West" zum Geomuseum der Kölner Universität. Pech: Die "geotechnische Analyse" mit dem Titel "Das Kölner Stadtarchiv – War der Einsturz vermeidbar?" des Geologen Gero Kühn ist gerade zu Ende gegangen. Planung und Einhaltung der Termine ist bei 200 Sonderveranstaltungen an 43 Orten eben manchmal Glückssache. Trommelkonzert im Rhenania, Kunst für 1 Euro bei 68elf, Schlager aus den 40er bis 60er Jahren im Weinmuseum oder mittelalterliche Musik im Museum Schnütgen – alles geht eben nicht.

Der Zeitplan gerät vollends durcheinander, der dichtbesetzte Bus fährt kreuz und quer durch Kölns Westen, wo genau, ist durch die beschlagenen Scheiben nicht zu erkennen. Eigentlich müsste das Museum für Ostasiatische Kunst – Luftlinie nur ein Kilometer vom Geomuseum entfernt – schon lange erreicht sein. Dann die Durchsage: Das Museum kann nicht angefahren werden, die nahe Kreuzung ist wegen eines Verkehrsunfalls gesperrt.

Also über das Karnevalsmuseum zum artrmx e.V.. Partystimmung und ein Hauch von Underground und Subkultur weht durch das Loft unter dem Heliosturm in Ehrenfeld. Der Ausstellungsraum für junge Kunst hat Streetart-nahe Künstler eingeladen, deren frische freche Arbeiten einen willkommenen Gegenpol zum bisherigen "ernsten" Angebot bilden. Zentrum der diesjährigen Langen Museumsnacht aber waren Museum Schnütgen und Rautenstrauch-Joest-Museum im neuen Kulturzentrum am Neumarkt. Insgesamt rund 20.000 Besucher hat der Veranstalter – ein Tochterunternehmen der StadtRevue Köln – gezählt.







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