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20. 10. 2014
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Das Bild des Menschen in unserer Zeit


26.07.2009 10:59 von:

Schlagwörter: Köln,Ausstellung,Stiftung,Kultur,2009,Foto,Nothhelfer,Eijkelboom,Mediapark

(js) Seit 1970 ist das Fotografenpaar Gabriele und Helmut Nothhelfer in Berlin auf "Menschenjagd". Ihr Revier sind Volksfeste, politische Freiluft-Veranstaltungen, Sportereignisse, Tage der offenen Tür. Aus dem Handgelenk schießen sie ihre Aufnahmen, meist unbemerkt von den so Porträtierten. In über 35 Jahren gelang ihnen damit eine eindringliche "Typen"-Sammlung von Menschen, vergleichbar August Sanders Hauptwerk "Menschen des 20. Jahrhunderts". 128 dieser schwarz-weißen Zeitdokumente – fast das gesamte freigegebene Oeuvre! – sind jetzt in der Photographischen Sammlung der SK Kultur im Mediapark zu sehen.

<p< Den Nothhelfers kommt es nicht auf das konkrete Individuum an. In ihren Fototiteln brauchen sie unpersönliche Ausdrücke wie Herr oder Dame, Mädchen oder Junge, Vater und Sohn, Familie, Freundinnen oder ein Paar, Katholik, seltener die Berufs- oder Tätigkeitsbezeichnungen wie Polizist, SPD-Abgeordneter, Repräsentanten der evangelischen Kirche oder Besucher. Oft auch geben die Titel wieder, was ohnehin zu sehen ist: "Herr mit Sonnenbrille" etwa oder "Mädchen mit Gewinn". Nie aber fehlen Orts- und Zeitangabe. Selten konzentriert sich das Bild auf mehr als zwei Personen, oft hebt ein unscharfer Hintergrund den Porträtierten noch hervor. Die Bilder schweben in einer seltsamen Spannung zwischen Einsamkeit in der Masse und dem Versuch, in einer anonymen Gesellschaft seine eigene Individualität zu wahren. Die Bilder denunzieren nicht, sondern lassen auf den zweiten Blick Träume und Ängste erahnen.</p>

Um Individualität und Massengesellschaft geht es auch dem Niederländer Hans Eijkelboom, den die Kulturstiftung der Stadtsparkasse parallel zur Nothhelfer-Ausstellung zeigt. Er fotografierte in Paris, New York und Shanghai gleichartige Serien: Männer in gestreiften T-Shirts, Männer und Frauen in Tarn-Mustern, Anzug- und Aktentaschenträger, Frauen mit Plastiktüten, verliebte Pärchen, Bettler und Obdachlose. Auf den ersten Blick gibt es oft keinen Unterschied zwischen den Beobachtungen aus den drei Städten – das Modeangebot ist eben globalisiert. Unterschiede ergeben sich eher durch äußere Umstände und den auswählenden Blick , wenn Eijkelboom etwa in New York Fahrradkuriere mit Schutzhelm fotografiert, in Shanghai Rollerfahrer ohne Helm und in Paris elegante Herren in Luxusrollern. Doch sind wartende Männer in Paris wirklich alle lesehungrig und die in New York auf Fastfood versessen? Tragen in Shanghai wirklich alle Frauen die Handtasche eines französischen Designers, die in Paris ein lächerliches Asseccoire für junge Männer ist? Und welche Polizisten oder Securitys sind vertrauenswürdiger: die martialisch Uniformierten in New York oder die schmucken Polizisten in Paris? Eijkelboom ethnografische Puzzle ist bei gleichem Thema ein bunter Gegenpol zu den Nothhelfers.

"Gabriele und Helmut Nothhelfer: Momente und Jahre", "Hans Eijkelboom: Paris – New York – Shanghai": jeweils bis 8.11., SK Stiftung Kultur, Im Mediapark 7, 50670 Köln, (1.OG), Tel. 0221 / 226-59 00, Do-Di 14-198 Uhr, Mi geschlossen, Eintritt: 4,50/2 Euro, montags freier Eintritt







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