25. 05. 2012
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Die fröhliche Vermischung der Epochen
(js) Ob sich auf den schräg-witzigen Möbeln von Florian Borkenhagen gut sitzen lässt, sei dahingestellt. Doch die Präsentation dieser Kunstwerke in der Design Lounge ist Programm: Die "Cologne Fine Arts & Antiques" ist eine muntere Messe, die sowohl auf Bewährtes setzt als auch geschickt Neues aufgreift und gewohnte Barrieren überschreitet – das Erfolgsrezept von Ulrike Berendson, die die Messe seit 2008 leitet und das dem 40 Jahre alten Traditionsschlaf gerissen hat.
90 Aussteller aus aller Welt – 15 davon neu sowie zwölf Rückkehrer – bieten Objekte zu den Themenschwerpunkten alte, außereuropäische, angewandte und etablierte Kunst des 20. Jahrhunderts an: Möbel, Fotografien, Schmuck, Gemälde, Grafiken, Skulpturen, Teppiche. Besonders das zeitgenössische Design, im Vorjahr erstmals aufgenommen, werde gut angenommen, so Berendson. Die "etablierte Kunst des 20. Jahrhunderts" endet – so die Regeln dieser Messe – beim Jahr 1980 und bietet namen wie Picasso, Heckel, Lüpertz, Baselitz, Beuys, Dix oder Kirkeby. Nach vorne in der Zeitrechnung sind dagegen keine Grenzen gesetzt. Und auf der Messe darf das alles fleißig gemischt werden, "in Dialog gesetzt werden", heißt das in der Fachsprache.
Ein schönes Beispiel dafür sind die benachbarten Kojen der Galerie Scheibler und des Kunsthandels Weber, beide Köln, die sich gegenseitig ihre Werke "ausleihen". So hängt bei Weber ein Porträt der US-amerikanischen Porträtistin Alice Neel (sie starb 1984) direkt gegenüber 400.000 Jahre alten Faustkeilen, die bei Paris gefunden wurden. Kollege Scheibler darf dafür zwischen zwei schwarzen Wandskulpturen aus Holz, geschaffen von der Bildhauerin Louise Nevelson, einen überraschend modern wirkenden Aphrodite-Kopf – Marmor, 200 vor Christus, stolze 650.000 Euro wert – präsentieren.
Diese Mischung entspricht auch dem aktuellen Sammlerverhalten, weiß Hans-Martin-Schmitz vom Rheinischen Kunsthändler-Verband. Danach werde kaum noch "Perioden gesammelt, etwa ein komplettes Biedermeier-Zimmer, sondern Einzelstücke kombiniert, die vom Gegensatz alt-modern oder europäisch-außereuropäisch" lebten. Das Ensemble aus sechs Schinkel-Salonstühlen dürfte aber wohl nicht in Einzelstücke auseinander gerissen werden – 80.000 Euro kostet es bei Schlapka (München). Aber vielleicht ist ja auch ein Stahlrohrsessel-Klassiker von Bauhaus-Mitglied Marcel Breuer bequemer (und stabiler). Den gibt‘s direkt gegenüber für 3500 Euro.
Es macht Spaß, über die Messe zu bummeln (sieht man einmal von der unzulänglichen Ausschilderung ab). Eine spannende Abwechslung zwischen Antiquitätenkojen, die mit ihrer rummelig-geheimnisvollen Atmosphäre Entdeckungen versprechen, und kühl-modernen Angeboten etwa von LP-Covern aus der Warhol-Factory. Etwas Geld sollte man aber schon dabei haben, denn Qualität gibt‘s vor allem im "fünfstelligen Euro-Bereich", erklärte Berendson. In einer Sonderausstellungen zeigt das Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels (ZADIK) die schönsten Künstlerbriefe aus seinen Beständen. Sie erzählen Geschichten über Kunst, Ausstellungen und Freundschaften und Scheidungen.
"Cologne Fine Art & Antiques" – bis 22.11., KölnMesse, Halle 11.2, Do und Sa 12-20 Uhr, Fr 12-21 Uhr, So 12-18 Uhr, Tageskarte 20 Euro, 2-Tage-Karte 30 Euro, Abendkarte (ab 17 Uhr) 15 Euro

























