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27. 11. 2014
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Fritz Leonhardt: Der Mann der Brücken schlug


14.08.2009 12:10 von:

Schlagwörter: Köln,Kurienhaus,Dom,Brückenbau,Konstruktion,Architekt,Ausstellung,Historisches,A

(js) Dass die Kölner trocken und bequem von einer Rheinseite auf die andere wechseln können, ist nicht zuletzt Fritz Leonhardt zu verdanken: Er baute um 1940 die Autobahnbrücke bei Rodenkirchen, nach dem Krieg – zusammen mit Gerd Lohmer – die Deutzer und die Severinsbrücke. In diesem Jahr wären beide Ingenieure 100 Jahre alt geworden. Grund genug, sie mit einer Doppelausstellung zu ehren. Doch diesen Plan konnte das Historische Archiv der Stadt Köln nur zur Hälfte verwirklichen: Der Nachlass Lohmers wurde nach dem Einsturz des Gebäudes noch nicht wiedergefunden, müsste dann auch noch erst restauriert werden. Leonhardts Nachlass wird im Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau an der Universität Karlsruhe aufbewahrt. Nachdem Teile daraus schon in Stuttgart ausgestellt wurden, Leonhardts Geburtsort und spätere Wirkungsstätte als TH-Professor, werden sie jetzt in Köln gezeigt. Ausstellungsort ist das Kurienhaus am Kölner Dom.

Zu sehen sind Modelle, historische Fotos, Dokumente, Bauzeichnungen und zahlreiche private Objekte des "Spannbeton-Papstes", der nach 1945 mit kühnen Konstruktionen – sie halfen Material sparen – nicht nur den Brückenbau revolutionierte. Brücken baute er auch in Düsseldorf, Hamburg und im Ausland. Seine Fernsehtürme stehen in Stuttgart, Frankfurt und Hamburg, seine Schwimmbäder mit geschwungenen Dächern in Hamburg und Wuppertal. Auch am deutschen Expo-Pavillon in Montreal war er beteiligt. In der NS-Zeit war er in der Brückenbau-Abteilung der Organisation Todt, die auch für die Reichsautobahn zuständig war, beschäftigt, dann auch mit den megalomanen Planungen für Linz, Hamburg und München – für die bayrische Hauptstadt entwarf eine Bahnhof mit einer Kuppel von 245 Meter Spannweite. Ãœber diese Zeit schrieb er später: "Die Arbeit hatte jedoch etwas Gespenstisches. Draußen tobte einer der mörderischsten Kriege und hier wurde eine größenwahnsinnige Planung betrieben, von der wir mindestens ahnten, dass sie nicht verwirklicht werden würde."

Doch auch das Kölner Archiv konnte zur Ausstellung über diesen fanatischen Brückenbauer einige Exponate beitragen. So Filmausschnitte von Bau und Einweihung der Deutzer Brücke sowie die Statikbände für dieses Bauwerk, des Weiteren ein Modell der Severinsbrücke und - mit deutlichen Spuren des Einsturzes – den Wettbewerbsentwurf für die Severinsbrücke. Schließlich hofft man, bald sein 90 x 90 Zentimeter großes Brückenbuch wiederzufinden – die Vitrine dafür steht schon bereit. Das Buch befand sich in der Werkstatt, die zwar nicht einstürzte, aber in größter Eile geräumt werden musste. Und vielleicht kann ja irgendwann einmal auch die Ausstellung zu Ehren Gerd Lohmers nachgeholt werden.

"Fritz Leonhardt 1909-1999: Die Kunst des Konstruierens" – bis 7.11., Kuriengebäude des Metropolitankapitels (ehemaliges Diözesanmuseum), Roncalliplatz 2, gegenüber dem Dom, Di-So 10-18 Uhr, Eintritt kostenlos. Am 17.8., 19.30 Uhr, wird im Domforum ein Vortrag über Fritz Leonhardt angeboten. Der Katalog zur Ausstellung kostet 39 Euro, aus aktuellem Anlass hat das Kölner Amt für Brücken und Stadtbahnbau eine kleine, kostenlose DIN-A-5-Broschüre über die sieben Kölner Brücken herausgebracht.







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