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30. 09. 2014
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Musikstadt Köln: Diskussionsrunde mit Ãœberraschung


22.04.2009 22:44 von:

Schlagwörter: Köln,Diskussionsrunde,Presseclub,Musikstadt,Philharmonie,Gürzenich

Mittwochabend, 19 Uhr: Hotel Excelsior Ernst direkt am Dom. Der Presseclub hatte eingeladen und mehr als 75 Mitglieder, Freunde und Pressevertreter nahmen im edlen Veranstaltungssaal Platz, um über den Musikstandort Köln zu debattieren. Philharmonie-Chef Louwrens Langevoort und Generalmusikdirektor Markus Stenz legten dabei ihre Sicht der Dinge zum Standing und zur Zukunft der "Musikmetropole" dar. Das Urteil der beiden Kulturverantwortlichen fiel dabei bemerkenswert übereinstimmend aus. Vorbei die Zeiten, wo sich der Chef des Gürzenich-Orchesters und der "Hallenwart" des Hauptspielortes in inniger Konkurrenz gegenüberstanden. Es herrschte weitgehende Ãœbereinstimmung, schließlich ist das Gürzenich-Ensemble Hausorchester in der Philharmonie. Schnell waren sich beide auch darüber einig, dass Köln sich hinter anderen Städte keineswegs verstecken muss. Schließlich wurde das Gürzenich-Orchester zur Weltausstellung nach Shanghai eingeladen, um dort den Ring der Nibelungen musikalisch zu begleiten, wie der Chefdirigent erklärte.

Kommentar zu Samson et Dalila

Etwas mehr Kommunikation hätte sich der Chefdirigent bei den Vorbereitungen auf die bevorstehende Premiere der Oper Samson et Dalila gewünscht. Allerdings gab sich Stenz zurückhaltend in seiner Einschätzung. "Je weniger man weiß, umso mehr wird spekuliert. Die Vorgänge hätte ich lieber hausintern gelöst", erklärte der Generalmusikdirektor. Langevoort hingegen begrüßte die Diskussion, schließlich habe sie schon lange im Vorfeld für bundesweite Aufmerksamkeit gesorgt. "Vom Dirigenten habe ich allerdings noch nichts gehört", so Langevoort. Bei den Proben zu dieser Inszenierung hatten sich zahlreiche Chormitglieder krank gemeldet, weil ihnen nach Presseberichten die Art und Weise der Aufführung zu grausam erschien. "Proben zu solchen Stücken sind niemals Friede, Freude, Eierkuchen. Allerdings sind die Vorbereitungen dann nicht gut, wenn auf Konfrontation gearbeitet wird", so der Philharmoniechef weiter. Stenz hingegen bestätigte, dass inzwischen einige der Chormiglieder wieder ihre Arbeit aufgenommen haben. Dabei sollen die Orchesterproben erst noch stattfinden.

Schmuckstück Philharmonie

Die Spielstätte Philharmonie gehört dabei sicher zu den Spielorten mit einer überragenden Akustik. Das wissen nicht nur die klassischen Orchester wie das Gürzenich-Ensemble oder das zweite Hausorchester, die WDR-Symphoniker. Längst haben auch andere Musikinterpreten die Philharmonie für sich eingenommen. Ob Bläck Fööss, Höhner oder die A-Capella Bands Basta oder Wise Guys, selbst Standup-Comedians haben in der Philharmonie bereits ihre Visitenkarte hinterlassen. "Wir machen ein Programm für Kölner", entgegnete Langevoort der Frage, ob er sich in einer Konkurrenzsituation zu anderen Spielstätten sehe. Eine der inzwischen festen Institutionen sind die öffentlichen Proben des Gürzenich-Orchesters. Regelmäßig kommen bis zu 1200 Gäste in die Rotunde, um dem Generalmusikdirektor bei der Einstudierung großer Kompositionen über die Schulter bzw. auf den Taktstock zu schauen. Für eine andere Idee – die "musikalische Mittagspause" – wurde die Philharmonie vor kurzem sogar in die Riege der innovativsten Orte der Bundesrepublik "365 Tage – Land der Ideen" aufgenommen. Aber auch das Projekt "Philharmonie im Veedel" oder die zahlreichen Schulprojekte kommen in der Kölner Bevölkerung gut an. Selbst für die Jüngsten hat der Philharmoniechef einen heißen Tipp. In den Babykonzerten werden zuvor schreiende Kleinkinder für eine Stunde mit Musik betört, eine Methode, die offenbar funktioniert.

Musik muss gelebt werden

Gefragt, was die Musikstadt auszeichnet, kommt von beiden Musikexperten als Antwort die Vielfalt der rheinischen Musikszene. Das mache sich unter anderem auch im Programm der Philharmonie bemerkbar. Von klassischen Orchesteraufführungen über populäre Interpreten bis hin zum Karnevalsgassenhauer. Die Spielstätte deckt mit ihrer "phänomenalen Akustik" die gesamte Bandbreite der musikalischen Vielfalt ab. "Bei einem Höhner-Konzert singen die Leute auch im August mit. Dabei ist es so warm, dass die Spatzen von der Decke fallen", so Langevoort scherzhaft. Genau das aber sind beste Voraussetzungen für den Musikstandort Köln. "In Köln sind solche Massenphänomene möglich. Diese pulsierende Energie ist ein tolles Pfund, mit dem die Stadt wuchern kann", ergänzte Stenz. Und auch in Zeiten von Super-Talenten und Superstars gibt es immer noch ausreichend Nachwuchs. Hier spielt die Rheinische Musikschule eine überragend wichtige Rolle, wie der Generalmusikdirektor lobt. Genau aus diesem Grund legt Stenz großen Wert auf eine enge Zusammenarbeit seines Orchesters mit jenen jungen Nachwuchsinstrumentalisten.

Zum Schluss gab es dann noch eine positive Nachricht. So wurden bei der Katastrophe vom 3. März auch Original-Partituren von Jacques Offenbach unter den Trümmern begraben. Zwar sind inzwischen etliche historische Dokumente mehr oder weniger gut erhalten aus dem Trümmerkegel gerettet. Trotzdem dürfte auch für die Musikszene der Verlust erheblich sein. Umso erfreulicher war nach einer Stunde Diskussion der Gastauftritt des ehemaligen Leiters der Musikfakultät an der Universität Köln, Prof. Klaus Wolfgang Niemöller. Der präsentierte gleich zwei außerordentlich wertvolle Fundstücke, die erst kürzlich wieder aufgetaucht sind. Zum einen entdeckten Forscher eine komplett erhaltene Original-Partitur des Kölner Komponisten aus dem Jahr 1838. Bislang war nur das Deckblatt im Original erhalten und Teil der Sammlung des berühmten Komponisten im Bestand des Historischen Archivs. Zum zweiten tauchte eine 440 Seiten starke Serie handschriftlicher Gesangsbücher auf. Die belegen, dass Jacques und sein Geige spielender Vater Isaac in der damaligen regelmäßig zusammen gespielt haben. So hatte der Abend im Presseclub auch noch eine echte Neuigkeit.







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