Wetter

Boersen News



Ticket Auktion auf www.fanSALE.de


Köln Nachrichten Neu


zum Archiv ->

Köln Nachrichten bei Twitter

Follow us

23. 07. 2014
Seite drucken

Schätze aus den Trümmern des Stadtarchivs


30.09.2010 14:39 von:

Schlagwörter: Köln,Archiv,Stadtmuseum,Verbundbrief,Schmidt-Czaja,Albertus Magnus,Restaurierung

(js) Die Siegel des Kölner Verbundbriefes aus dem Jahr 1396, frühestes Dokument der Stadtverfassung, waren in hunderte Teile zerkrümelt. In monatelanger Arbeit konnten die Stückchen mit der Pinzette wieder zusammengepuzzelt werden. Fast unversehrt zeigt sich ein Stadtplan der Domumgebung aus dem 1848, lediglich kleine Risse und Knicke sind zu sehen. Direkt unter ihm lag das Gegenstück aus dem Jahr 1878: Es ist zerrissen und zerkratzt, Stücke fehlen, Betonstaub und kleine Steinchen haben sich ins Papier gegraben. Fast in alter Pracht präsentiert sich dagegen die Handschrift von Albertus Magnus "De animalibus" aus dem Jahr 1258. Alle diese Kostbarkeiten konnten aus den Trümmern des zusammengestürzten Historischen Stadtarchivs geboren werden. Zu sehen sind sie jetzt im Kölnischen Stadtmuseum.

Das Unglück, bei dem auch zwei Menschen ums Leben kamen, geschah am 3. März vor einem Jahr. Ein Thermohygrograph, ein Gerät, das Temperatur und Luftfeuchtigkeit misst, und ebenfalls unter den Trümmern begraben wurde, zeigte 13.58 Uhr an – der Zeitpunkt gab der Ausstellung den Namen. Sie war schon in Berlin zu sehen und gibt nicht nur einen kleinen Ãœberblick über den aktuellen Stand der Bergungs- und Restaurierungsarbeiten. Sie ist auch ein kleines Dankeschön an die rund 1.800 Helfer, die in den ersten Wochen mit über 80.000 Arbeitsstunden im Einsatz waren, so Archivdirektorin Bettina Schmidt-Czaja. Bis alle Fundstücke bis zum kleinsten Papierschnitzel erfasst sind, rechnet sie mit bis zu fünf Jahren. Bis zu 50 Jahren wird es wohl dauern, bis alles von schätzungsweise 200 Experten restauriert ist, 400 Millionen Euro werden dafür gebraucht. Wie diese arbeiten, wird anhand von Texttafeln, Werkzeug und Materialien erklärt.

In einer sachlichen Präsentation sind die chronologisch geordneten Exponate zu sehen. Das reicht von Papierfetzen bis zu schon komplett restaurierten Dokumenten wie einigen Werken von und um Albertus Magnus. Einiges ist von makabrer Ästhetik, wie das zusammengeknüllte Nippeser Geburtsregister aus dem Jahr 1818. Doch hier zeigen sich die Fachleute optimistisch, dass es sich relativ problemlos, wenn auch mit gehörigem Aufwand, wieder herstellen lässt. Verloren dagegen sind drei Viertel der 23 Wachssiegel, die eine Ergänzung des Verbundbriefes zierten, die fünf verbliebenen sind nur fragmentarisch erhalten.

Viele Dokumente weisen große Löcher auf – vielleicht lassen sich die fehlenden Stücke in den drei Millionen zum Teil kleinster Papierfragmente finden, die auf ihre Auswertung warten. Hier hofft man auf ein Computer-Programm, das vom Fraunhofer-Institut zur Zusammensetzung der zerschredderten Stasi-Unterlagen entwickelt wurde. Anderes hat die Katastrophe nahezu unzerstört überstanden. So "überlebte" ein Fotoalbum der "Cäcilia Wolkenburg" aus dem Jahr 1914 im Kellergeschoss des Archivs. Die letzte Ausgabe der "Neuen Rheinischen Zeitung" von Karl Marx, erschienen am 19. Mai 1849, wurde gerade restauriert und überstand so den Zusammensturz.

Das Historische Archiv der Stadt Köln war das bedeutendste kommunale Archiv nördlich der Alpen. Nicht nur wegen der Menge der gesammelten Dokumente, die immerhin 30 Regalkilometer füllen, sondern auch wegen der Qualität der Stücke, in denen sich nicht nur kölner, sondern auch europäische Geschichte widerspiegelt. Schmidt-Czaja ist überzeugt, dass ihr Haus diese Stellung wiedererlangt. Im November sollen die letzten 15 Prozent des Bestandes aus der U-Bahn-Baugrube am Waidmarkt geborgen werden.

"Köln 13 Uhr 58 – Geborgene Schätze aus dem Historischen Archiv" – ab 3.10. bis 21.11., Kölnisches Stadtmuseum, Zeughausstr. 1-3, Tel. 0221 / 221 223 98, Eintritt frei. Katalog: 9,90 Euro. Umfangreiches Rahmenprogramm unter: www.museenkoeln.de.







Artikel Service