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25. 07. 2014
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Slapsticks gegen den Untergang


17.01.2011 21:10 von:

Schlagwörter: Köln,Schauspiel,Tschechow,Kirschgarten,Henkel,Slapstick,Zwangsversteigerung,Leib

(ehu) Die neue Zeit ist da. Doch die russische Adelsfamilie lebt weiter, als hätte sich nichts geändert. Dabei steht sie vor dem Bankrott, ihr Kirschgarten, der selbst in Fremdenführern erwähnt wird, steht vor der Zwangsversteigerung. Das bringt die Familie noch einmal zusammen. Doch eine Lösung für ihre Probleme findet sie nicht, will sie nicht finden. Anton Tschechow hat genau beobachtet, wie sich Menschen der Realität verweigern. Sein Theaterstück "Der Kirschgarten" hatte jetzt im Kölner Schauspielhaus Premiere. Die Inszenierung von Karin Henkel erntete verdienten Beifall.

Auch wenn das Thema alles andere als lustig ist, nannte Tschechow sein Stück selber eine groteske Komödie. Henkel hält sich daran, bietet dem Publikum immer wieder Slapsticks. Da werden Schauspieler zu Gummipuppen, sie fallen ins Publikum, schnallen sich "Flügel" an und fliegen, ihre Festtafel bricht zusammen. Dazwischen immer wieder stillere Szenen, da wird die glückliche Vergangenheit beschworen, Pläne geschmiedet, Beziehungen gewünscht.

Ein Hauch von Unwillen

Doch über allem schwebt ein Hauch von Gelangweiltsein und Vergeblichkeit, der Unfähigkeit und dem Unwillen, sich gegen das Unausweichliche zu stemmen. Nicht einmal Empörtheit, geschweige denn Tragik will ihnen gelingen. Zwar gäbe es eine Lösung – angeboten ausgerechnet vom Sohn eines ehemaligen Leibeigenen –, doch die wird abgelehnt: auf dem Grundstück Häuschen für Sommergäste aus der Stadt zu bauen. Dass der Kaufmann dann selber das Grundstück erwirbt und seine Pläne umsetzt, ist eine bittere Pointe.

Die Schauspieler setzen das alles in Perfektion um. Sie strahlen eine disziplinierte Unentschlossenheit aus, wagen sich ein Schrittchen vor, ziehen sich wieder zurück – überaus überzeugend präsentieren sie ihren fehlenden Mut. Zwei gute Musiker werden ins Spiel einbezogen.

Neues Leben mit Arbeit

Ein sparsames Bühnenbild zwingt zur Konzentration. Ein großes, mit Erde gefülltes Quadrat steckt den Spielraum ab. In der Mitte dreht sich eine kleine Bühne – eine Art Insel der Glückseligkeit und zugleich Symbol für das Nichtvorwärtskönnen. Als das Grundstück endlich verkauft ist, senkt sich von oben eine Wand voll bunter flackernder Glühbirnen: Die Zukunft meldet sich in Gestalt eines Vergnügungsviertels. Doch die Wand kippt, fast erschlägt sie einige der Protagonisten. Doch die zerstreuen sich, kehren zurück, woher sie gekommen sind. Oder kündigen an, zu arbeiten. Wer‘s glaubt. Zurück bleibt der Diener.

"Der Kirschgarten" – weitere Termine: 21., 25., 26. und 30.1. sowie 5.2., jeweils 19.30 Uhr, Schauspielhaus, Offenbachplatz, 50667 Köln, Karten: Kartenservice im Opernhaus, Offenbachplatz, 50677 Köln, Mo-Fr 10-18.30 Uhr, Sa 11-18.30 Uhr, Tel. 0221 / 22 12 84 00, E-Mail:

tickets@buehnenkoeln.de, Internet: www.schauspielkoeln.de.







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