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17. 09. 2014
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Solidaritätsfest für verhafteten Kölner Schriftsteller


07.09.2010 06:38 von:

Schlagwörter: Köln,Akhanli,Arkadas-Theater,Istanbul,Freilassung,Solidarität,Beck,Westerwelle,D

(js) Mit einer Solidaritätsveranstaltung am kommenden Donnerstag will das Arkadas-Theater die Verteidigung des in Istanbul verhafteten Kölner Schriftstellers und Menschenrechtlers Dogan Akhanli unterstützen. Es treten türkische und kurdische Musiker auf, es werden Ausschnitte aus Akhanlis Werken vorgelesen, auch ein armenischer Chor und der Bach-Verein haben ihre Teilnahmen zugesagt. Durch das Programm führt der Journalist Christian Gottschalk.

Akhanli war Am 10. August in Istanbul verhaftet worden (Köln Nachrichten berichtete). Ihm wird vorgeworfen, 1989 an einem Raubüberfall mit einem Toten teilgenommen zu haben. Damalige Zeugen haben ihre Aussagen inzwischen zurückgenommen, sie seien unter Folter erzwungen worden. 1975 war Akhanli erstmals festgenommen worden, weil er eine linke Zeitschrift gekauft hat. Nach dem Militärputsch 1980 ging er in den Untergrund, saß 1985-1987 in Haft, wurde gefoltert. 1991 floh er nach Deutschland, 2001 nahm er die deutsche Staatsangehörigkeit an. Hier beschäftigte er sich u.a. mit dem Genozid an den Armeniern, bis heute ein strafbewehrtes Tabu-Thema in der Türkei. Dieser Völkermord ist auch Thema eine Trilogie zur türkischen Geschichte (erschienen im Klagenfurter kitab-Verlag). Als Ehrenamtler führt Akhanli türkische Jugendliche durch die ehemalige Kölner Gestapo-Zentrale im EL-DE-Haus.

Im August reiste er erstmals wieder in sein Geburtsland, um seinen kranken Vater zu besuchen. Seine Freunde halten die Verhaftung für ein Komplott, um einen politischen missliebigen Linken zu bestrafen und um dessen Mitstreiter einzuschüchtern. Akhanlis Istanbuler Anwalt verweist auf eine inzwischen aufgetauchte Anordnung, nach der der angebliche Raubüberfall inzwischen verjährt sei. Bei einer Verurteilung würde ihm eine langjährige Haftstrafe drohen. Mehrere Gesuche auf Haftverschonung wurden abgelehnt. Nach anfänglicher Weigerung der türkischen Behörden wird er inzwischen vom deutschen Konsulat betreut, weitere Auskünfte lehnt das Auswärtige Amt in Berlin mit Hinweis auf das "schwebende Verfahren" ab. Nach letzten Informationen aus Istanbul geht es Akhanli "körperlich gut".

Zahlreiche Prominente, darunter Günter Wallraff, setzen sich für die Freilassung ein. Die Kölner Bundestagsabgeordneten Volker Beck und Kerstin Müller haben eine entsprechende Aufforderung an Außenminister Westerwelle geschrieben. Ratsherr Jörg Detjen (Die Linke) sieht "Möglichkeiten für Köln, sich im Rahmen der Städtepartnerschaft mit Istanbul in die Angelegenheit einzubringen". Politik und Verwaltung sollten "an einem Strang ziehen, um Unrecht und Willkür gegenüber einem missliebigen politischen Flüchtling aus der Türkei zu verhindern". Akhanli habe Anspruch auf ein rechtsstaatliches Verfahren.

"Freiheit für Dogan Akhanli – Solidaritätsveranstaltung" – Arkadas-Theater/Bühne der kulturen, Platenstr. 32, 50825 Köln-Ehrenfeld, Tel. 0221 / 282 33 40. Eintritt: 10 Euro







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