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31. 10. 2014
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Urban Street Art: Der lange Weg zur anerkannten Kunstform


01.09.2011 19:43 von:

Schlagwörter: Köln,Urban Street Art,Cityleaks,Organisatoren,Wandmalerei,Genre

Urban Street Art, also Kunst im öffentlichen Raum, ist ein junges Genre. Mitunter rebellisch im Duktus, aber immer spontan und kreativ wollen knapp 50 nationale und internationale Street-Art-Künstlerinnen und Künstler nichts Geringeres als die Stadt ein klein wenig schöner zu machen. Großvolumigem bunte Motive prangen schon jetzt von sechs Flächen im Kölner Stadtbild, insgesamt sollen es 25 werden. Dazu kommen 14 Orte in der Stadt, die bespielt werden sollen, wie die Organisatoren auf ihrer heutigen Pressekonferenz ausführten. Die Gebäudeflächen und Giebel wurden größtenteils von privaten Immobilienbesitzern angeboten. Die Genehmigungsverfahren und anderen staatlichen Verwaltungsakte verliefen reibungslos. Schon jetzt gebe es einen positiven, touristischen Effekt, wie es aus den Reihen des Orga-Team hieß.

Um das Projekt jedoch von Anfang an aus der "Schmuddelecke" möglicher illegaler Farbschmierereien, die gerne mit dem Sammelbegriff "Graffiti" umschrieben werden herauszuhalten, gibt es renommierte Partner. Organisiert wird das Premieren-Event von den beiden Vereinen artmix und Colorrevolution. Aber das Kulturamt der Stadt Köln sowie die Ehrenfelder Bezirksvertreterin Barbara Deppner (SPD) begleiten das Projekt schon etwas länger. Vom 5. bis 25. September ist es dann soweit. Erstes Highlight wird eine Filmvorführung sein, es folgte eine große Vernissage mit anschließender After-Show-Party sowie eine Fülle weiterer Gigs und Aktionen, bisweilen auch spontan, die dabei den Schulterschluss verschiedener Kunstgenres ausprobieren. So kann während einer solchen Einzelveranstaltung an einem der Standort der zuvor produzierten Kunstwerke an den Gebäudehüllen der größtenteils privaten Immobilienbesitzer auch Musik oder andere Kunstformen zelebriert und zu einem Gesamtkunstwerk werden, so ein Beispiel aus dem Podium.

Angekommen in der Mitte der Kunst

Cityleaks lehnt sich dabei an den letztjährigen Skandal um die Enthüllungsplattform Wikileaks und die Auseinandersetzung um Schuld oder Unschuld ihres Netzwerk-Gurus Julian Assange an. "Das ist eine Philosophie des Nicht-Schweigens. Wir wollen auch sozialkritische Denkanstöße geben, vor allem aber auf diese Kunstform aufmerksam machen", erklärte Mit-Organisator John Iven. Der kümmerte sich im Vorfeld um die Akquise freier Flächen und war überrascht über den großen Zuspruch der vielen Immobilien-Sponsoren. "Diese Kunstform ist der kreative Fehler im System und er findet als globales Phänomen statt. Immer mehr trauen sich auf die Straße", ergänzte Kuratorin Ann-Cathrin Scherer, Kommunikations- und nun auch Kunstexpertin. Sie war maßgeblich an der Auswahl der teilnehmenden 48 Künstlerinnen und Künstler beteiligt und freut sich auf ein spannendes und lebendiges Event. "Inoffiziell haben wir schon im Juni eine Art Preview produziert. Richtig los geht es am kommenden Montag. Highlight ist die große Vernissage, dann beginnt die zweite Phase der ersten CityLeaks", so der Programmverantwortliche Georg Barringhaus.

Unterstützung aus Politik und Wirtschaft macht das Event überhaupt erst möglich

"Wir benötigen für die Durchführung dieser Veranstaltung ein Budget von rund 68.000 Euro", verriet Barbara Deppner, die das Vorhaben mit vielerlei Input unterstützt. In ihrer Rolle als Verbindungsfrau zu den Sponsoren gelang es der engagierten Ehrenfelder Kommunalpolitikerin, mit der Rheinenergie-Stiftung und der sk Stiftung Kultur zwei städtische Kultursponsoren für das Projekt zu gewinnen. Den Hauptsponsor, die Kölner Niederlassung des niederländischen Spezialchemiekonzerns Akzo Nobel. Der beteiligte sich neben der Bereitstellung von Farbe auch mit einem finanziellen Beitrag. Für das Geld werden unter anderem Street-Art-Künstler aus Brasilien und Südafrika an den Rhein geholt. "Kunst ist der Rohstoff für den Kreativ- und Medienstandort Köln", begeisterte sich Kuratorin Scherer. "Es ist auch etwas, was Street domestiziert", so die Einschätzung von Barbara Förster, die aufseiten der städtischen Kulturverwaltung logistische Hilfen bei der Abstimmung mit anderen Ämtern anbot. Auch von dort, wie auch von der Bezirksvertretung Ehrenfeld und weiteren Sponsoren kamen weitere Unterstützung.

Urban Street Art – Vorbild für Sprayer?

"Eine Trennung zwischen Graffiti ist schwierig. Graffiti hat Style und Namen, Urban Street Art verwendet Bilder statt Buchstaben", versucht Eventmanager Barringhaus eine Einstufung. Tatsächlich sind die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser dreiwöchigen Veranstaltungsreihe ursprünglich aus der Sprayer-Szene entwachsen. Und ihre Kunst ist es auch. Phanatsievolle, farbenreiche, aber auch politische und kritische Motive finden sich unter den geplanten Motive. Ein Motiv oder gar Leitfaden gibt es nicht, das würde der Szene auch widerstreben. "Auch die härtesten Kritiker von Kunst im öffentlichen Raum beginnen umzudenken und nicht alles zu verteufeln", berichtete Deppner aus Gesprächen mit der Anti-Sprayer-Aktion KASA, einem Zusammenschluss von Polizei, Stadt und dem Haus- und Grundbesitzerverein, die seit weit über einem Jahrzehnt verzweifelt gegen die bisweilen recht missratenen Farbschmierereien an Gebäuden und anderen Bauwerken zur Wehr setzen. Tatsächlich kann das unerlaubte, nächtliche Sprühen eine teure Angelegenheit werden. Neben einem Verfahren wegen Sachbeschädigung behalten sich Immobilieneigentümer vor, die Kosten für die Beseitigung den Urhebern in Rechnung zu stellen.

Längst gibt es in Köln Angebote, die Kreativität und Spontaneität in künstlerische Formen zu überführen. Zuletzt sorgte das "längste Graffiti Kölns" an der Zoomauer für Aufmerksamkeit. Hier wurde eine mehrere Hundert Meter lange Mauer von verschiedenen bekannten Künstlern der Szene mit phantasievollen Motiven ins farbenfrohe Licht gesetzt. Und so gehen auch die Ansprüche der Organisatoren über das Selbstmarketing für die neue Kunstform hinaus. "Wir wollen auch Vorbild sein", erläuterte Iven. "Jeder weiß, ist eine Hauswand mit einem schönen Motiv bemalt, wird es auch von den illegalen Sprayern nur selten angerührt", ergänzte Deppner und setzt auf Prävention. "Wer legal Kunst an Wände sprüht, kann sich mehr Zeit lassen. Dann werden auch die Kunstwerke besser", beschrieb Thomas Baumgärtel von der Clouth-Künstlergemeinde Halle Zehn den fast schon pädagogisch anmutenden Effekt. Davon abgesehen werden "aus hässlichen Orten schöne", wie einer der Sponsorenvertreter beiläufig bemerkte.

Bis zur großem Vernissage wird nun mit Hochdruck an der Fertigstellung der Urban Arts-Motive an den 25 Standorten der öffentlichen Kunstwerke gearbeitet. Nach dem inoffiziellen Höhepunkte sollen die Kunstwerke Subjekt und Objekt weiterer Kunstaktionen und –experimente werden. Die Veranstalter bieten dazu unter anderem auch Führungen statt. Die freien Flächen liegen vor allem im Stadtteil Ehrenfeld, aber auch an einigen Innenstadtobjekten entsteht Kunst. Und die ist eben nicht mehr nur "Graffiti" sondern eine Kunstform, die es in immer mehr renommierte Museen schafft, obwohl sie doch eigentlich etwas Nonkonformes, Rebellisches hat. Nach Definition von Mitorganisator Barringhaus ist es "urbane, kontemporäre Kunst". Weitere Informationen zum Festival und seinen Programmpunkten finden sie auch im Internet unter: www.cityleaks-festival.com.







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