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30. 09. 2014
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Virginia Woolfs "Wellen" fordern das Publikum


20.02.2011 11:29 von:

Schlagwörter: Köln,Schauspiel,Wellen,Woolf,Mitchell,Monolog,Entwicklungsroman,Identität,Selbst

(ehu) Drei Frauen, drei Männer: Sie bilden eine lockere Gemeinschaft, verbringen gemeinsame Kindertage, durchleben Internat und Universität, treffen sich später regelmäßig zu einem Essen. Was ihnen dabei als Selbstbetrachtung durch den Kopf geht, ist Thema von Virginia Woolfs Roman "Die Wellen". Eine Roman ohne übliche Handlung, fast ohne direkten Kontakt der Protagonisten untereinander - Monologe. Eine Herausforderung für jeden, der das auf die Bühne bringen will. Katie Mitchell tut das im Kölner Schauspiel auf ihre eigene Art, kombiniert das Theater mit Hörspiel und Film. Eine äußerst anspruchsvolle Inszenierung, die auch dem Publikum einiges abverlangt. Doch das folgte der Britin und spendete langen Premierenbeifall.

Es ist eine düstere Inszenierung des Romans, der 1931 erschien und bis heute als eines der innovativsten Werke der Literatur im 20. Jahrhundert gilt. Eine dunkle Bühne, spärlich erleuchtet, eine Mischung aus Studio, Werkraum und Labor. Die zentrale Orte sind ein langer Tisch, an dem sich die acht Schauspieler (Laura Sundermann, Birgit Walter, Julia Weininger, Yorck Dippe, Maik Solbach, Renato Schuch, Sebastian Pircher, Ruth Marie Kröger) im Wechsel versammeln, und dahinter eine große Leinwand, auf der die abgefilmten Bilder projiziert werden. Denn die Schauspieler müssen nicht nur die Geräusche machen, sie betätigen sich auch als Kameraleute. Was – von einem unsichtbaren Streichquartett unterstützt – als Text vorgelesen und mit sparsamen Mitteln "nachgespielt" wird, filmen sie, ihre Aufnahmen werden direkt auf die Leinwand übertragen.

Höchste Anforderungen an das Können und die Disziplin der acht Schauspieler

Was so im Detail und in Nahsicht festgehalten wird, wird so für die Zuschauer überdimensional sichtbar: Handgriffe, Blicke in den Spiegel, das Einschenken von Wein, zärtliche Berührungen, Blicke der Angst und Verwunderung, Schritte, eine Modelleisenbahn, das Schreiben von Notizen. Auf Sparflamme läuft hier, was das Publikum üblicherweise an "Schauspielerei" erwartet, keine Emotionsausbrüche, keine hektischen Bewegungen oder körperliche Konfrontationen. Stattdessen ein höchst diszipliniertes Zusammenspiel. Auf der einen Seite ist es den Anforderungen des technischen Ablaufs geschuldet ist, auf der anderen dient es der konzentrierten bildlichen Wiedergabe von seelischen Zuständen. Das Publikum kann sie wie unter einer Lupe studieren, muss sich das Ganze selber zusammenpuzzeln.

Es wird dabei mit sechs Entwicklungsromanen konfrontiert. In den Selbstbetrachtungen geht es um das Finden der eigenen Identität, um Liebe, Ehe, um den Tod. Als sie das "mittlere Alter" erreicht haben, werden auch verpasste Chancen reflektiert. Und das Resümee ist überwiegend Resignation. Wir sind verloren in der Dunkelheit, heißt es, wir tragen unsere Last ab, sind von Einsamkeit zerstört, haben keine Gefühle mehr. Unterteilt ist die Geschichte in zehn Zeitabschnitte, endet 1933 in London. Virginia Woolf rahmt sie mit kurzen Naturimpressionen über einen Tag am Strand, an dem sich in ewigem Rhythmus die Wellen brechen – von morgens bis in die anbrechende Nacht. Dieses Bild wird in Köln eins zu eins im Film umgesetzt, aus ihm lassen sich Symbole für das menschliche Leben ablesen.

"Die Wellen" – weitere Termine: 20.2., 16 Uhr; 24. bis 27.2., 9.3., 15.3., jeweils 19.30 Uhr, Schauspielhaus, Offenbachplatz, 50667 Köln, Karten: Kartenservice im Opernhaus, Offenbachplatz, 50677 Köln, Mo-Fr 10-18.30 Uhr, Sa 11-18.30 Uhr, Tel. 0221 / 22 12 84 00, Mailkontakt:

tickets@buehnenkoeln.de

Internet: www.schauspielkoeln.de





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