Wetter

Ticket Auktion auf www.fanSALE.de


Köln Nachrichten Neu


zum Archiv ->

Köln Nachrichten bei Twitter

Follow us

24. 09. 2014
Seite drucken

Wenn Macbeth Mafiaboss werden will


11.06.2009 18:27 von:

Schlagwörter: Köln,Friedenspark,N.N.Theater,Uraufführung,MacBeth,Theaterkritik,Theater,Straßen

(js) Gut, es gibt die Skandale aus dem britischen Königshaus. Monaco hat auch einiges zu bieten. Japan ebenso. Aber ehrlich: Wen außer Frauen, die beim Friseur auf die Trockenhaube warten, interessieren heutzutage schon adlige Intrigen? Nein, Nachfolgekämpfe bei der Mafia sind da viel spannender. Und irgendwie alltäglicher. So mag sich das Kölner N.N.Theater gedacht haben, als es wieder einmal einen Bühnenklassiker entstaubte und in bekanntere Gefilde verlegte. In seiner neuesten Produktion nahm es sich Shakespeares "Macbeth" vor und lässt die Geschichte im Chicago der Prohibition spielen. Das begeisterte das Premierenpublikum, und so gab es am Mittwoch Abend zu recht langen Beifall unter dem Adler im Friedenspark.

Für alle, die die Story über Machthunger und seine bösen Folgen vergessen haben – hier ist sie in Kurzform: Macbeth wird von seiner Frau zum Mord an König Duncan getrieben, um sich selber auf dessen Thron zu setzen. Nach anfänglichem Zögern befolgt er ihren Plan. Um seine neue Position zu sichern, bringt er auch noch einige echte und vermeintliche Mitwisser um. Er steigert sich in einen Blutrausch, während seine Frau dem Wahnsinn verfällt. Schließlich erfüllt sich eine Prophezeiung, von drei Hexen ausgesprochen, und Macbeth stirbt im Zweikampf.

Shakespeare bringt mehr als eine Handvoll Rollen auf die Bühne. Um sie alle zu spielen, reichen dem N.N. Theater drei Personen: Ute Kossmann (vorwiegend als Lady Macbeth), Michl Thorbecke (als König im Rollstuhl-Thron gibt er eine glänzende Parodie auf Mafia-Boss Marlon Brando, außerdem tritt er als Macduff auf, der MacBeth ins Jenseits befördert) und Özan Akhan (er verleiht der Titelrolle überraschend tiefe Gefühle). Wie die drei ruckzuck in andere Rollen, sprich Kostüme schlüpfen, lässt einfach nur staunen. Dazu Akrobatik, Tanzeinlagen, Slapsticks, Anspielungen auf aktuelles Geschehen, politisches Kabarett, Sprachwitz, bisweilen auch Originaltext – exzellent wie üblich, möchte man sagen, klänge das nicht eher negativ. Aber das sind nun einmal die Markenzeichen dieser Compagnie, und es verblüfft immer wieder, wie die Akteure in jedem Stück Neues (er-)finden. Und manche Szenen könnten auch als Solostück bestehen, etwa das Dinner in einem chinesischen Restaurant, dass mit der Ermordung der Geliebten des Königs endet. Nicht vergessen werden dürfen Antje von Wrochem, die Beherrscherin der musikalischen Begleitung und gelegentliche Schauspielerin und Regisseur George Isherwood.

Das N.N.Theater – die "neue Volksbühne Köln" – ist aus Ãœberzeugung ein Straßentheater, das heißt, seine Auftritte finden in der Regel unter offenem Himmel statt. So auch bei ihrem 10. Festival im Friedenspark. Es muss schon sehr stark regnen, damit eine Vorstellung abgesagt wird. Für das Publikum gibt es seit einigen Jahren ein (nicht ganz dichtes) Zeltdach, wenn nötig auch kostenlos dünne Regenumhänge. Nicht aber für die Schauspieler – sie scheuen die Regentropfen nicht – schon gar nicht bei einer Premiere wie bei "MacBeth". Da treten sie nur mal kurz für einen Gag mit dem Regenschirm auf. Für diese Einsatzfreude, für diesen feucht-fröhlichen Abend gibt‘s noch ein extradickes Sonderlob.

Weitere Auftritte im Friedenspark in der Südstadt (Oberländer Wall 1): 12. und 13.6.: Romeo und Julia, 14.6.: Die Nibelungen, 15.-17.6.: Schlechtwetter-Ausweichoptionen, 18.6.: Trojas Erben – Die Orestie, 19. und 20.6.: Der Schimmelreiter, 21.6.: Macbeth. Beginn jeweils 20.30 Uhr. Karten: 17,50/13,50 Euro an allen bekannten KölnTicket-Vorverkaufsstellen.







Artikel Service