25. 05. 2012
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OLG Hamburg hebt Verfügungen gegen WDR-Fernsehfilm weitgehend auf
Damit hob das Gericht die einstweilige Verfügung des Aachener
Pharmaunternehmens Grünenthal gegen den Westdeutschen Rundfunk (WDR)
und die Ausstrahlung des Fernseh-Zweiteilers „Eine einzige Tablette“
weitgehend auf.
Der Senat sah den Film mehr als ein Kunstwerk und weniger als eine
dokumentarische Aufarbeitung der Vorfälle vor über 40 Jahren. Trotz des
Urteils darf die derzeitige Fassung des Films weiterhin nicht gesendet
werden, es wurden weitere Verfügungen gegen die Ausstrahlung gelten.
Prozessbeobachter und Betroffene sehen das Urteil des OLG Hamburg
trotzdem positiv. Hintergrund: Im Sommer vergangenen Jahres bestätigte
das Landgericht Hamburg die meisten der gegen die Ausstrahlung
beantragten Verfügungen. Der Westdeutsche Rundfunk beschritt daraufhin
den Rechtsweg. Das nun ergangene Urteil basiert jedoch auf einer
bereits im Vorfeld geänderten Fassung. Einige der vom Aachener
Unternehmen Grünenthal im Drehbuch des Films beanstandeten Szenen
wurden dabei im Nachhinein gestrichen. Damit sei auch der gegnerischen
Position Rechnung getragen worden, deutete die leitende Richterin an.
In jedem Fall steigen damit die Chancen auf die Ausstrahlung des
umstrittenen Filmwerks von Regisseur Adolf Winkelmann.
Die in Köln ansässige Föderation Conterganbehinderter und deren Freunde
e.V. stuft das Urteil als „gewichtigen Meilenstein in der
Prozesshistorie des Contergan-Skandals“ ein. „Erstmalig wurde die Firma
Grünenthal mit einem Anliegen in Sachen Contergan von einem deutschen
Gericht deutlich in ihre Schranken gewiesen“, kommentierte der erste
Vorsitzende der Förderation Andreas Meyer. Die Ausstrahlung des
Zweiteilers sei wichtig, um auf den schlimmen gesundheitlichen Zustand
der Opfer hinzuweisen. Auch die Filmstiftung NRW hatte das Urteil
begrüßt.
1957 als Schlafmittel in den Handel gekommen führte das Medikament des
Aachener Pharmaunternehmens Grünenthal in der Folgezeit bei schwangeren
Frauen zu missgebildeten Neugeborenen. Mehrere Tausend Neugeborene
kamen mit teilweise schweren Missbildungen an Armen und Beinen auf die
Welt und leiden noch heute unter dieser Behinderung.
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