26. 05. 2012
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Den Stinkefinger versteht jeder
(ehu) Warum soll es das, was schon bei Handy- und Telefontarifen verwirrt, nicht auch beim Bäcker geben? Und so rattert der Meister in atemberaubenden Tempo die Brötchen-Flatrates runter: Da gibt es den Einsteigertarif, die pre-paid-Brötchen, die Komplett-Flatrate und die Wochenend-Flat, bei der auch die Croissants enthalten sind. Vom Jahres-Tarif ganz zu schweigen. Es ist wohl die atemberaubendste Nummer der diesjährigen "Immisitzung". Doch nicht nur hier war das Premieren-Publikum am Donnerstag Abend im Bürgerhaus Stollwerck begeistert.
In der zweiten Auflage zeigt das Ensemble, dass auch "Immis" Karneval feiern können. Natürlich war auch Integration ein Thema, nur Sarrazin wurde kein einziges Mal erwähnt, und das entspricht seiner Bedeutung. Wenn zu Programmbeginn ein "Immi" mit türkischem Migrationshintergrund – um es politisch korrekt zu formulieren – seine türkischen Mitbürger beschimpft, sie sollten endlich Deutsch lernen, dann hat es sich damit auch schon mit der "pc". Er wird von der Bühne getragen und der Spaß kann beginnen.
EIn "Schokolädsche-Mädsche" führt als Prsidentin souverän durch die Sitzung
Da spielen dann natürlich die Erfahrungen eine Rolle, die kölnische Ausländer mit ihren deutschen Mitbürgern machen. Wobei der Bezeichnungs-Kuddelmuddel perfekt ist: Ist Sitzungspräsidentin Katja Solange Wiesner, in Köln geboren und des kölschen Singsangs mächtig, ein Immi, weil sie einen halben Kamerun-Migrationshintergrund hat und ein "Schokolädsche-Mädsche" ist? Im Ensemble sind Schwaben und Franken ebenso vertreten wie Ägypten, Brasilien, Griechenland, Frankreich, Türkei und die USA eine Rolle spielen, was nicht mit Staatsangehörigkeit gleichzusetzen ist.
Um es gleich zu sagen: Alle beherrschen die deutsche Sprache meisterlich. Sprachverwirrungen kann es trotzdem geben – selbst in der Zeichensprache. Lediglich der Stinkefinger ist international. Wenn aber einer bedeuten will, dass alles bestens ist und dazu mit Daumen und Zeigefinger einen Kreis formt, versteht der andere das als "Du Arschloch!". Das kann peinlich werden. Zum Glück erweist sich auf dem Campingplatz Kölsch als verbindende Sprache.
In Sachen Witz und Tempo keine Angst vor der närrischenen Konkurrenz </n>
Auch verdammt gut singen kann das Ensemble. Und tanzen zur Multikulti-Musik. Wobei es da bei allem Können manchmal etwas zu viel der Hupfdohlerei ist. In Sachen Witz und Tempo können sie es mit der Konkurrenz aus dem alternativen und offiziellen Karneval allemal aufnehmen (da ist ja auch nicht alles perfekt und oft Geschmacksache). Bei tagespolitischen Spitzen besteht allerdings etwas Nachholbedarf.
Doch das sind Kleinigkeiten, der Spaß überwiegt. Da küren die griechischen Götter Köln zu ihrem Lieblingssitz, weil die Menschen dort genau so sind wie sie: Sie lügen und betrügen, täuschen und bescheißen, verkleiden sich, um die Liebe zu erschleichen. Das alles können sie noch nach klassischer Logik begründen. Triebunterdrückung machen die Immis als Beweggrund für islamistische Selbstmordattentäter aus, als Ersatz für irdischen Sex werden ihnen 72 Jungfrauen im Paradies versprochen. Vorher müssen sie sich aber einem Grand Prix stellen: Dort besingen sie die Freiheit über den Wolken, den (Spreng-)Koffer, den sie noch in Berlin haben, oder die Sprengladungen um den Bauch, die sie tausendmal berührt haben, ohne dass etwas passiert ist. Nicht zu vergessen die beiden großen Puppen, die im Stil der beiden Muppet-Meckerer vom Dach des Domes herab ihren Senf zum Erfolg beitragen.
Auch dem Chef der offiziellen Traditionspfleger gefallen die Kölner Immis
Die Immisitzung beweist: Karneval ist Integration. Unter seinem Dach finden alle Jecken Platz – auch wenn jeder sein Eckchen beansprucht. Das hat ja inzwischen auch das Festkomitee als selbsternannter Lordsiegelbewahrer des kölschen Karnevals begriffen. Dessen aktueller Präsident Markus Ritterbach hat die Immi-Premiere besucht und sich offensichtlich köstlich amüsiert.
"Immisitzung" – 18. und 19.2., jeweils 20.11 Uhr, 20.2. (18.11 Uhr), 25. und 26.2. (20.11 Uhr), 27.2. (11.11 Uhr), 2. bis 4.3. (20.11 Uhr), 6.3. (18.11 Uhr), Bürgerhaus Stollwerck, Dreikönigenstr. 23, 50678 Köln, www.buergerhausstollwerck.de, Karten: KölnTicket, Tel. 0221 / 28 01, www.koelnticket.de


























