26. 05. 2012
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„Fatal banal“ at its best
Schnarcher-Terror, feindbildlose Demonstranten, lästige Mütter, Zwangskarneval, Partnersuche im Internet, Möchtegern-Stars, die sich in der Selbsthilfegruppe der „Anonymen Anonymen“ treffen – die Themen der diesjährigen „Fatal banal“-Sitzung sind breit gestreut. Und was die acht Bühnen-Akteure daraus machen, ist die beste Karnevals-Revue, die man von ihnen bislang im Bürgerzentrum Ehrenfeld gesehen und gehört hat. Für letzteren Sinnengenuss ist die neue Hausband „Six Jeck“ um die „alte“ Saxophonisten Higgi Damen und mit Sängerin Sophie Mende wesentlich verantwortlich.
Reif für einen TV-Auftritt wäre etwa Sabine Putzler als Comedian. Wie sie sich über lästige Anrufe von Müttern, über sich witzig vorkommende Langeweiler und Familientratsch auslässt – das ist allererste Sahne. Auch Meinolf Schubert läuft zu Höchstform auf, wenn er als als leicht trotteliger Slapstick-Professor die Funktion von Humor erklärt. Dann die Adaption von Loriots Sketch „Feierabend“, in dem sich die Ehefrau ganz zeitgemäß über ihren am Computer chattenden Ehemann wundert. Viele Karnevalisten erinnerten in diesem Jahr an den im Vorjahr verstorbenen Satiriker – das aber ist die intelligenteste Hommage.
Mit einem Bundes-Präsi Stubbe droht Entschuldigungen im 24-Stunden-Takt
Doch weder die anderen anderen Nummern noch die anderen Karnevalisten fallen gegen diese Höhepunkt ab. Neuling Johannes Baldur ist eine Bereicherung. Allen voran natürlich wieder „Präsi“ Christoph Stubbe, gewohnt souverän mit aktuellen Spitzen und im Umgang mit dem Publikum. Gut allerdings, dass er auf den Spuren von Rio Reiser wohl kaum „Präsi von Deutschland“ wird. Denn dann würde er „Entschuldigungen im 24-Stunden-Takt“ einführen. Dem Publikum erspart wird hoffentlich auch, was ihm widerfährt, als seine Frau die Wohnung im Stil der TV-Serie „Wohnen nach Wunsch“ a la Karneval einrichten lässt – Lover inklusive.
Überhaupt, Fernsehen und die moderne Kommunikation. Da gibt es noch Chantalls Mutter, die sich diesmal in die Doku-Soap „Frauentausch“ verirrt hat und bei einer Öko-Familie gelandet hat. Oder die beiden „Alleinerziehenden“, die sich auf der Suche nach neuer Zweisamkeit im Internet verabredet haben und nun aneinander vorbeireden: Sie erzählt von ihrem Töchterchen, er von seinem Vater, der im Rollstuhl sitzt. Das aber klärt sich erst zum Schluss auf.
Darf man Karneval feiern, wenn Bomben in Afghanistan fallen. Ja!
Auch hart und bissig ist „Fatal banal“ – bisweilen bleibt das Lachen im Hals stecken. Etwa wenn trotz „Bomben in Afghanistan“ zum Karnevalfeiern aufgerufen wird. Wenn der „Schläger vom Hauptbahnhof“ und sein untätiges Publikum besungen wird. Oder wenn die Karnevalsgesellschaft aus Roggendorf Thenhoven vergeblich auf ihre afrikanischen Gäste wartet. Aber, so weiß einer, „der Afrikaner an sich ist unpünktlich, weil seine Flüchtlingsboote immer wieder absaufen“. Auch so kann und muss man im Karneval Kritik üben. Nebenbei lernen wir noch, dass man Mohrrübe sagen darf, Mohrenkopf allerdings politisch nicht korrekt ist.
Running Gag sind diesmal die Ergebnisse musikalischer Forschungsarbeit: Die Nationalhymnen dieser Welt haben in Wirklichkeit kölsche Texte. Da freut sich das kölsche Hätz, wenn es zur Melodie der Marseillaise „Ich bin ene Räuber“ hört und zur alten DDR-Becher-Hymne „In unserem Veedel“. Dazu darf das Publikum Servietten in den Farben der jeweiligen Nationalflagge schwenken. „Fatal banal“ ist eben nicht nur eine alternative Karnevalssitzung. Es ist auch eine kleine Familienfeier. Da darf gesungen, geschunkelt und eben auch mitgespielt werden.
„Fatal banal“ – weitere Termine: 2. bis 4.2. (jeweils 20 Uhr), 5.2. (18 Uhr), 9. bis 11.2. (20 Uhr), 12.2. (12 Uhr), 14. und 15.2., 17. bis 19.2. (jeweils 20 Uhr). Bürgerzentrum Ehrenfeld, Venloer Str. 429, Restkarten bei KölnTicket, Tel. 0221 / 28 01 oder an der Abendkasse.




























