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25. 05. 2012
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"Fatal banal" serviert zu Karneval Handkäs statt Pizza


02.02.2010 19:55 von:

Schlagwörter: Köln,Karneval,Fatal Banal, AC/DC,DDR,Christoph Stubbe,Urlaub,Luftgitarre,Bürgerz

(js) Wenn Stefan Ostermann sich als AC/DC-Hardrocker verkleidet, im engen Kostüm über die Bühne fetzt, stolz seinen Kugelbauch zeigt (natürlich im Profil) und seine "Liebe", die Luftgitarre, streichelt – dann ist im Saal die Hölle los und alle singen lautstark mit "Highway to Hell". Die Nummer ist ein Höhepunkt in der diesjährigen "Fatal banal"-Sitzung. Auch als Sabine Putzler kölsche Karnevalsrituale aus hessisch-frankfurter Sicht unter die Lupe nimmt, lässt sich die Sangeslust nicht bremsen: "Eijeijei, bring mir einen Handkäs" lässt sich mindestens so gut singen wie "Pizza wundaba". Da kann auch ihre Frage "Heißt alternativer Karneval Witzigkeit in homöopathischen Dosen?" nicht die Stimmung verderben. Die Stimmung ist gut bis überbordend im Bürgerzentrum Ehrenfeld – und das über drei Stunden hinweg.

Im 19. Jahr schon laden die drei Frauen und fünf Karnevalisten zu ihrer Sitzung ein. Nicht dabei ist diesmal die Hausband "Die Trauzeugen". Da gab es einen großen Personalwechsel, mit der Frontfrau ging auch der Name, zwei haben "überlebt", doch das neue Sextett braucht sich nicht zu verstecken. Ebenso wenig das breit gesteckte Themenspektrum: Dumpfbackige deutsche Fussballfans in Südafrika, Jugendsprache, Organ- und Samenverkauf für den privaten wirtschaftlichen Aufschwung, eine verquere Liebesbeziehung zur Karnevals-Trumm, Vereinsamung durch Schweinegrippe, Sehnsucht nach der DDR.

Oder "Ultimate Fighting" auf kölsche Art mit Strüßjer, Kamelle und Stippeföttchen - und mit einem unerwarteten Ende. Nicht zu vergessen "Präsi" Christoph Stubbe, der mit aktuellen Widerhaken durch das Programm führt. Als running Gag viel zu früh durch eine Eta-Bombe beendet wird der "kreative Imaginationsurlaub", mit dem die Ehefrau ihren Mann überrascht: Er findet zu Hause statt, mit selbstgemachten Flugkarten, Stühle werden Flugzeugsitzen, das aufblasbare Planschbecken zum Strand von Mallorca. Eine Fülle witziger Einfälle – aber schon nach drei Auftritten ist Schluss.

Der Vergleich mit der "Stunksitzung", dem Vorbild der Fatalisten, liegt nahe, ist aber ungerecht. Bei Aufwand und Perfektion, mit dem die Profis im E-Werk auftreten, können die Semiprofis nicht mithalten. Wohl dagegen mit Witz, Gefühl und Charme, wenn auch manche Sketche eher ausgeblendet werden als mit einer Pointe zu enden. Im Detail aber sind sie oft bissiger. Etwa bei der satirischen Aufarbeitung des Archiv-Einsturzes. Die Sketch-Idee ist bei beiden Sitzungen gleich: Die Restauratoren nutzten die Gelegenheit, die Dokumente so zusammenzusetzen, dass Kölns Stadtgeschichte ohne dunkle Flecken neu geschrieben werden kann. Während die Stunker hier vor allem durch ein poetisches, aufwändiges Mal-Spektakel glänzen, setzt "Fatal banal" allein auf die textlichen Ideen zur Geschichtsklitterung und geht erheblich offensiver und schräger mit kölscher Selbstgefälligkeit um. Nicht zu unterschätzen ist auch die familiäre Atmosphäre – der Saal für rund 250 Zuschauer im Bürgerzentrum ist nun einmal etwas anderes als das über viermal so große E-Werk. Wir freuen uns auf den 20. Geburtstag im nächsten Jahr!

Die nächsten Termine: 4.-7.2, 10.2., 12.-14.2., jeweils 20 Uhr, Bürgerzentrum Köln-Ehrenfeld, Venloer Str. 429, 50825 Köln







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