25. 05. 2012
Seite drucken
Keine Kurzen für Kurze geht ins zehnte Jahr
Es begann in der Karnevalssession 1999/2000. Elfi Scho-Antwerpes, Kreisvorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und heutige Bürgermeisterin der Stadt Köln, rief damals zusammen mit der Stadt, dem Festkomitee Kölner Karneval und der Kölner Polizei eine gemeinsame Aktion zum Kampf gegen Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen aus. Und die wurde mit den Jahren immer größer und breiter, wie die Verantwortlichen auf der heutigen Pressekonferenz betonten. "Wir gehen sehr verantwortungsvoll mit dem Thema um und wir werden in diesem Jahr verstärkt in die Kölner Stadtteile gehen", erklärte Bürgermeisterin Scho-Antwerpes. Vor allem die Kioske, Gaststätte und Supermärkte in der Nähe von Schulen sollen in den kommenden Wochen besucht und über die Grenzen des Jugendschutzes aufgeklärt werden. "Der Erfolg braucht tatkräftige Helfer", betonte auch Kölns Jugenddezernentin Dr. Agnes Klein. Die Beigeordnete, die vor über zwei Jahren ihren neuen Posten in der Domstadt antrat, weiß aus eigener Perspektive, dass Köln damals "die absolute Vorreiterrolle" innehatte. Und so haben sich neben den Gründungsinitiatoren weitere Kooperationspartner wie der Landschaftsverband, die Bundespolizei und das EMI-Kölschlabel Rhingtön in die Reihe der aktiven Unterstützer gesellt. Die stellen alleine fünf Band auf dem diesjährigen Jugendfest "Jeck Dance", das an Weiberfastnacht auf dem Neumarkt stattfinden wird; natürlich ohne Alkohol, wie die Beteiligten betonten. Auch die Alkoholfreien Getränke sollen zu moderaten Preisen zu haben sein. Die Metzgerei des Festkomitee-Präsidenten Frank Remagen spendiert 1000 Würstchen, der Handelshof 500 Laubenbrezel. "Ohne die zahlreichen Spenden wäre eine solche Veranstaltung nicht möglich", lobte Bürgermeisterin Scho-Antwerpes das Engagement, trotz der derzeitigen Konjunkturflaute.
Präventiv wirken
Die jeweiligen Vertreter hoben dabei die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Perspektive hervor. Und sie setzen dabei vor allem auf die Einsicht der Anbieter. Die Liste der teilnehmenden Organisationen und Einrichtungen ist in der Tat beeindruckend. So hat das Kölner Amt für Kinder, Jugend und Familie hat nicht nur die Koordination inne. Aus ihrem Bereich sind selbst verschiedene Dienststellen vor Ort, unter anderem die Clearingstelle Suchtprävention und – erstmals in diesem Jahr – auch die sieben neuen Streetworker, die seit Sommer vergangenen Jahres Dienst tun. Ihnen kommt eine besonders wichtige Rolle in der ganzjährigen Präventionsarbeit zu, wie die Dezernentin weiter ausführte. Dass die Aktion unverändert notwendig ist, zeigen Ergebnisse der jüngsten Befragung der Fachhochschule Köln. Demnach haben mehr als ein Viertel (29 Prozent) aller Jugendlichen in der achten bis zehnten Klasse bereits Erfahrungen mit dem so genannten "binge drinking" gesammelt. Dabei werden in kurzer Folge hochprozentige Alkoholgetränke konsumiert.
Neben der Aufklärung von Kindern und Jugendlichen in Schulen und in der Jugendarbeit gehen die Kooperationspartner aber vor allem auf die Anbieter zu. Auch hier setzen sie ganz auf Prävention. Schließlich muss bei Verstößen erst ein aufwändiges Ordnungswidrigkeitsverfahren in Gang gesetzt werden. Wie der Leiter des Ordnungsamtes, Robert Kilp, einräumt, ist das alles andere als eine einfache Sache. Da sich unter den Kioskbesitzern wie auch den Kindern und Jugendlichen sehr viele mit türkischer Herkunft befinden, wird der Informationsflyer in diesem Jahr auch erstmals in türkischer Sprache verteilt. Die Bundespolizei und die KVB wird dazu in ihrem Bereich (Hauptbahnhof und öffentlicher Personennahverkehr) mit Plakaten auf die Feier an Weiberfastnacht, vor allem aber gegen Alkoholmissbrauch von Minderjährigen hinweisen. Und der Ordnungsdienst selbst wird – gemeinsam mit der Kölner Polizei – wieder verstärkt Präsenz zeigen, vor allem am "Großkampftag", wie der Leiter der Polizeiinspektion Mitte, Volker Lange, bestätigte. Gleich mehrere hundert zusätzliche Polizeibeamte werden an diesem Tag im Einsatz sein, um einen friedlichen Verlauf durchzusetzen.
Wird ein Jugendlicher unter 18 mit hartem, Jüngere unter 16 mit anderen alkoholischen Getränken erwischt, werden diese gnadenlos ausgekippt. Die Maßnahme scheint Wirkung zu zeigen, denn die Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr stimmen hoffnungsfroh. "Wir haben die Zahl der nach Alkoholkonsum hilfebedürftigen Jugendlichen von 14 auf acht fast halbiert", erläuterte Kilp. Insgesamt mussten im vergangenen Jahr zur Eröffnung der Karnevalssession etwas weniger als 100 Personen in den Zelten der Rettungskräfte betreut werden, zumeist wegen zu viel Hochprozentigem. "Das war ein gutes Jahr", so Kilp. Aber auch im Umfeld der Jugendliche gibt es Handlungs- und Aufklärungsbedarf. "Es wäre schön, wenn auch die Eltern erreichbar wären, damit sie ihre Kinder bei Bedarf abholen können", betonte die Leiterin des Kölner Jugendamtes, Carolin Krause. Auch hier habe es in der Vergangenheit häufig Fälle gegeben, in denen die Erziehungsberechtigten selbst nicht erreichbar waren, schilderte Krause.
Party auf dem Neumarkt – Zurück zur Tradition
Zu zeigen, dass man Karneval auch ohne den obligatorischen Schnaps feiern und trotzdem in ausgelassener Atmosphäre feiern kann, ist das Ziel der traditionellen Jugendparty "Jeck Dance" auf dem Neumarkt. Bands wie Kölsche Bengels (die diesjährigen Paten der Veranstaltung), De Familich, Stroßefäjer oder auch der Jugendchor St. Stephan werden den zentralen Innenstadtplatz in der Zeit von 13 bis 19:10 Uhr bespielen. Besonders zur Freude des Festkomitees Kölner Karneval geht der Trend wieder zurück zum Brauchtum und zur Kölschen Mundart. Alexander Barth, Leadsänger der Nachwuchsband Kölsche Bengels, weiß aber auch, dass sein Einfluss eher begrenzt ist. "Wir haben nicht die Macht, den Jugendlichen den Alkohol zu verbieten oder auf die Eltern einzuwirken. Wir stehen aber dafür, wie man Karneval feiern kann", beschreibt der Nachwuchsmusiker seine Rolle. Ausgerechnet auf eben jenem Neumarkt weigerte sich der Kioskpächter vor Jahren beharrlich, den Alkoholausschank an Jugendliche zu unterlassen. Nach drei Verwarnungen musste der Pächter dann gehen, die Verwaltung hatte ihm die Erlaubnis entzogen. Sein Nachfolger hält jedenfalls hat aus den Fehlern seines Vorgängers gelernt.


























