26. 05. 2012
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Schüler löffeln Reformsuppe aus
(js) Angst vor dem langen Zugweg hatte sie nicht, wohl aber vor der Kälte. Dabei hatte sich Petra Großmann extra warm angezogen. Die 12-Jährige ging mit ihrer Schule, dem Nippeser Blücher-Gymnasium, am Karnevalssonntag zum erstenmal bei den Schull- un Veedelszöch mit. Doch der feine Dauerschnee hielt weder sie noch die anderen rund 8.500 Teilnehmer davon ab, der guten halben Million Zuschauer entlang des Zugweges mit Kamellen, Strüßjer und phantasievollen Kostümen Freude zu machen.
Dass bei den 48 Schulen der Bildungsnotstand als Thema im Mittelpunkt standen wundert nicht, gibt es davon doch jede Menge. Weil es trotz aller Politikerversprechen an Geld fehlt, zogen die einen als Sparschweine mit. Andere verkleideten sich als Versuchskaninchen (Königin Luise-Gymnasium), Frösche warteten darauf, mit einem neuen Schulhaus wachgeküsst zu werden (Max-Ernst-Gesamtschule), während das Erich-Kästner-Gymnasium noch aus allen Nähten platzt. Da wurde geduldig jede Reformsuppe ausgelöffelt, die "et Bärbelche aus Düsseldorf" per Erlass anrichtet (Grundschule Irisstraße). Schüler, Lehrer und Eltern des 3-Königs-Gymnasiums forderten als neue Ganztagsschule endlich einen Erholungsraum mit Palmen und Liegestühlen, das Gymnasium Pesch feierten seine neue Kantine. Ob allerdings angesichts des gerade entdeckten Baupfuschs die Hanse-Kogge des Hansa-Gymnasiums das sichere Gefährt durch Kölner U-Bahn-Tunnels ist, sei dahingestellt.
Bunter die Themen-Vielfalt bei den 53 Vereinen und Stammtischen, die - begleitete von 25 Kapellen – den Veedelszoch bildeten. Sie feierten eigene Jubiläen, die Schmitzens und Müllers oder gleich ganz Köln. Eine Gruppe dankte allen, die nach dem Einsturz des Stadtarchivs geholfen haben – vom THW über Polizei, Sanitäter und Feuerwehr. Es ging um Köln als Austragungsort des Damen-Fußballpokalendspiels, das Ende der Glühbirne und die TV-Koch-Shows, die Lumpenbank mit der Schrappmuus an der Kasse, die Umweltzone – außerdem, so erkannten die Düxer Jecke, die wahren Narren sind die, die immer nur ans Geld denken und GM, Nokia, Quelle, CDU oder FDP heißen. Die Fußgruppe mit den schönsten Kostümen und der originellste Mottowagen dürfen am Rosenmontag mitziehen – das höchste, was es Karneval geben kann. Gäbe es diese Auszeichnung auch für Schulen, dann sollte dort auch die Hauptschule Borsigstraße teilnehmen. Sie hatte dessen Motto "En Kölle jebützt" besonders originell umgesetzt: Angesichts des Klimawandels und drohenden Anstiegs des Meeresspiegels reimten sie "Mer bütze in der Pfütze" und luden zum nassen Kussfestival ein.
Schlussbemerkung: Wenn die Gastwirte entlang des Zugwegs eine Toilettengebühr von Nicht-Gästen verlangen, ist das o.k. Doch bei 1 Euro sollten sie dann auch sauber sein.


























