26. 05. 2012
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Und wieder war Petrus mit Kölns Jecken
(js) "Erst dachten wir, da ist was Schlimmes passiert, als wir am Abend den Wagen mit Gelblicht vor unserem Vereinslokal sahen", erzählt Iris Krämer, Präsidentin der "Vringsveedeler Pänz". Und passiert war auch etwas, aber etwas höchst Erfreuliches: Der Bote brachte die Einladung zum Rosenmontagszug. Die 29 Narren hatten mit ihren bunten Kostümen bei den Schull- un Veedelszöch am Karnevalssonntag den Preis für die schönste Fußgruppe gewonnen. "Damit hatten wir nicht gerechnet. Unsere Freude war bombastisch", fasst Krämer die Stimmungslage zusammen.
Punkt 10:30 Uhr hatte sich der Rosenmontagszug am Severinstor in Bewegung gesetzt. Und wieder einmal hatte Petrus ein Herz für die Karnevalisten: Es hatte rechtzeitig zu schneien aufgehört und auch die Temperaturen waren deutlich höher als am Sonntag. Um die Straßen des Zugwegs rutschfrei zu halten, hatte die Stadt das letzte Streusalz aufgespart und ordentlich Sand gestreut. Über 11.000 Teilnehmer marschierten quer durch die Stadt, darunter über 4.000 Musiker in 120 Kapellen. "So schön wie in Köln ist es nirgends", lobt Saxophonist Hartmut Hofmann, der mit den "Blankenlocher Rotberzeln" schon zum vierten Mal dabei war und auch Mainz kennt. Am Dienstag ist er mit der Guggemusik wieder in seiner Heimatstadt Karlsruhe im Einsatz.
300 Tonnen Kamelle wurden ins Publikum geschmissen, dazu 700.000 Schokoladentafeln, 220.000 Schachteln Pralinen, 300.000 Strüßjer, Tausende Stoffpuppen und weitere kleinere Präsente. Und noch ein paar offizielle Zahlen: Der gesamte Zug war sieben Kilometer lang, der Zugweg durch einen Umweg um die Einsturzstelle des Stadtarchivs mit sieben Kilometer um rund 500 Meter länger als sonst. Geschätzte Dauer: fast sieben Stunden. Schließlich: Für die weit über 100 Prunk- und Mottowagen wurden 4000 Meter Dachlatten, 15.750 Meter Bindedraht, 2000 Quadratmeter Maschendraht, 320 Quadratmeter Hartfaser-, Span- und Tischlerplatten, 1800 Kilogramm Nägel, Schrauben und sonstige Kleinteile, 1000 Kilogramm Farbe und 350 Kilogramm Papier verbraucht.
Bei den Wagen zum Motto "En Kölle jebützt" zeigte man sich deutlich satirischer und bissiger als unter der Ägide früherer Zugleiter, wenn auch eine weitere Steigerung wünschenswert ist. Da riss "Dr. Politiker" der armen Colonia das Herz aus der Brust – nämlich die Kultur. Künstler protestierten gegen den Abriss des Schauspielhauses und Protest-Organisator Jörg Jung ließ es sich nicht nehmen, selbst am Rosenmontag Unterschriften für ein Bürgerbegehren zu sammeln, dass sich für Sanierung statt Abriss einsetzt. Das Problem in Köln: "Wir müssen für jeden Wagen eine Karnevalsgesellschaft finden, die ihn betreut – und damit dessen närrischer Aussage zustimmt", erklärt Zugleiter Christoph Kuckelkorn. Und da sei eben manchmal Überzeugungsarbeit angesagt. Doch wenn es um den Schutz der Kultur geht, scheint das kein allzu großes Problem gewesen zu sein. Auch nackte Tatsachen fanden in diesem Jahr eine Karnevalsgesellschaft als Schutzherrin: Auf einem Wagen durfte Italiens Ministerpräsident Berlusconi in einem Meer von Busen baden, sein ganz persönlicher G-20-Gipfel mit Gulia, Genoveva, Gisela...
Aktualisierung: 20:30 Uhr
Auch die Einsatzkräfte der Kölner Polizei zeigten sich mit dem Verlauf des heutigen Rosenmontagszuges zufrieden. Nach Aussage eines Polizeisprechers hat es bis 16 Uhr keine einzige gemeldete Schlägerei gegeben. Allerdings gebe es dafür aus Sicht der Polizei auch eine plausible Erklärung. Aufgrund der kalten Witterung hatten die beamten der Kölner Sicherheitsbehörde schon in den vergangenen Tagen beobachten können, dass die Zahl der Straftaten - insbesondere Körperverletzung - im Vergleich zum Vorjahr deutlich weniger geworden sind. Auch das Verbot von Glasflaschen in den drei Verbotszonen der Innenstadt habe sich positiv auf die Einsatzlage ausgewirkt. Allerdings steigt mit dem Ende des Umzuges und mit steigendem Alkoholkonsum auch die Zahl gemeldeten Vorfälle wieder an. Insgesamt aber gehe es deutlich ruhiger zu als in den - relativ milderen - Vorjahren, so die Pressestelle der Polizei weiter. Genauere Zahlen könne man aber erst am morgigen Dienstag abgeben, hieß es dazu abschließend.
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