26. 05. 2012
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Volkssitzung des Kölschen Karneval nun doch weiter auf dem Neumarkt?
So meldete das Büro des Kölner Oberbürgermeisters Fritz Schramma am
heutigen Freitagmittag, dass „die SPD-Fraktion nun offenbar doch bereit
ist, die Volkssitzung auch weiterhin auf dem Neumarkt zuzulassen“.
SPD und Grüne hatten zusammen mit der Fraktion Die Linke auf der
letzten Ratssitzung am 29. Januar gegen einen CDU-Antrag gestimmt, der
den Verbleib der Zeltveranstaltung auf dem Neumarkt in der kommenden
Session sicher stellen wollte. Stattdessen beschloss die Mehrheit einen
Prüfauftrag an die Verwaltung, neben der offiziellen Proklamation des
Dreigestirns im Gürzenich in einer öffentlichen Veranstaltung auf dem
Neumarkt (unter freiem Himmel) zuzulassen. Grünen-Fraktionschefin
Barbara Moritz bestätigte am heutigen Freitag zwar, dass es Gespräche
gebe und dass man sich in dieser Sache auch bewegen wolle. Doch von
einem solchen Einlenken des Koalitionspartners, geschweige denn von
einer Entscheidung, die Volkssitzung auf dem Neumarkt in das bereits
beschlossene Platzkonzept einzuarbeiten, habe sie keine Kenntnis. "Die
Gespräche werden am kommenden Dienstag weitergeführt und die
Gemengelage ist außerordentlich kompliziert", erklärte Moritz gegenüber
Köln Nachrichten. Schließlich müsse eine solche Änderung des
Platzkonzepts auch juristisch abgesichert werden, wandte die
Grünen-Fraktionsvorsitzende abschließend ein.
Auch Stadtdirektor Guido Kahlen sieht rechtliche Probleme, wenn das
bereits beschlossene Platzkonzept um eine weitere Ausnahme ergänzt
würde. "Eine solche Ausnahmeregelung entspricht nicht dem Ziel der
Gesprächsteilnehmer und es wäre kontraproduktiv", so Kahlen. Immerhin
hatten andere als "unerwünscht" eingestufte Veranstaltungen in der
Vergangenheit zum Teil erfolgreich den Klageweg bestritten. Kahlen
nannte als Beispiele den Zirkus Fliegenpilz auf dem Neumarkt oder ein
Event im Rahmen des CSD auf dem Roncalliplatz. "Das Platzkonzept in
Frage zu stellen, ist ein Fehler", so das abschließende Fazit des
Verwaltungsexperten.
OB zeigt sich erleichtert über ein Entgegenkommen
„Ich freue mich im Sinne der Sache, dass die Volkssitzung nun künftig
in dem bisherigen Umfang auf dem Neumarkt verbleiben kann. Dies war
mein Ziel und dafür habe ich mich in Form meiner damaligen
Beschlussvorlage, aber auch in den letzten Tagen intensiv eingesetzt“,
erklärte Schramma in einer Stellungnahme. Angesichts der neuen
Situation stuft das Kölner Stadtoberhaupt auch die Genehmigungsfrage
als „unproblematisch“ ein. Sollte der politische Wille für die
Volkssitzung auf dem Neumarkt nunmehr gewollt sein, werde die
Verwaltung auch einen Weg finden, diese in das Vergabekonzept der
zentralen Plätze in Köln aufzunehmen, ohne einen Präzedenzfall für
andere Zeltveranstaltungen zu schaffen, erklärte das Stadtoberhaupt
weiter. Bereits zur nächsten Sitzung des Ausschusses für Allgemeine
Verwaltung und Rechtsfragen (AVR) soll Stadtdirektor Guido Kahlen eine
entsprechende Vorlage vorbereiten, die dies in das bereits beschlossene
Platzkonzept aufnehmen soll.
Das Platzkonzept hatte bereits vor Karneval zu heftigen
Auseinandersetzungen geführt. So hatte der Präsident des Festkomitees
Kölner Karneval in einem Zeitungsinterview die Möglichkeit „zivilen
Ungehorsams“ angedeutet. Nachdem der CDU-Antrag im Stadtrat abgelehnt
und die Sache damit vorerst endgültig entschieden war, zeigte die
angekündigte Protestaktion, die im Verkauf von schwarzen Pappnasen und
einem speziell kurzfristig fertig gestellten Mottowagen auf dem
diesjährigen Rosenmontagszug sowie massiver Proteste seitens des Kölner
Karnevals nun offenkundig Wirkung. Schramma sprach in diesem
Zusammenhang von einem „positiven Signal für Köln“.


























